Krisenherd in der Euro-Zone: Kann Frankreich das neue Griechenland werden?

KommentarKrisenherd in der Euro-Zone: Kann Frankreich das neue Griechenland werden?

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Die Flaggen Deutschlands, Frankreichs und Europas wehen vor dem Reichstag in Berlin.

von Frank Doll

Frankreichs Wirtschaft schmiert weiter ab, bekommt aber trotz zunehmender politischer Risiken Unterstützung der Bundesrepublik. Das könnte Deutschland wirtschaftlich schaden.

Was für ein Kontrastprogramm! Mit dem Versprechen, den Anstieg der Arbeitslosigkeit in Frankreich zu stoppen, gewann Francois Holland im Mai 2012 die Wahl zum französischen Staatspräsidenten. Im März 2014 waren 3,51 Millionen Einwohner arbeitslos gemeldet, so viele wie nie zuvor.  Die politisch Verantwortlichen scheint das nicht zu beunruhigen, während die Wahlbürger resigniert haben. In einer Umfrage der Tageszeitung „Les Échos“ gehen 75 Prozent der Befragten nicht davon aus, dass sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt bis 2017 verbessern wird. 2017 steht die nächste Präsidentschaftswahl auf der Agenda.

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Frankreich

  • Wirtschaftswachstum

    2013: 0,2 Prozent

    2014: 0,5 Prozent

  • Inflation

    2013: 0,8 Prozent

    2014: 1,3 Prozent

  • Arbeitslosenquote

    2013: 10,9 Prozent

    2014: 11,2 Prozent

  • Quelle der Daten

    IHS Global Insight

Frankreich entwickelt sich scheinbar unaufhaltsam zum nächsten großen Krisenherd in der Eurozone. Der Sentix-Konjunkturindex für Frankreich, eine monatliche Umfrage des Frankfurter Analysehauses Sentix unter mehr als 5.000 privaten und institutionellen Anlegern, ging im April weiter zurück auf 48 Punkte. Das war der zweitschlechteste Wert in der Eurozone, nur Griechenland kam mit 46,5 Punkten noch schlechter weg. Nach dem Einbruch bei den Neuaufträgen verzeichnete die französische Wirtschaft den stärksten Produktionsrückgang seit vier Monaten. Weder der schwache Euro noch der tiefere Ölpreis konnten die französische Wirtschaft stützen. Auch die ultraexpansive Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) verfängt offenbar nicht.

Der Versuch der EZB, ökonomische Probleme mit negativen Zinsen und Staatsanleihekäufen zu lösen, wird sich am Ende ohnehin als Hirngespinst erweisen. In Frankreich beschleunigen negative Zinsen gar eine unsinnige Industriepolitik und verstärken den Staatseinfluss auf die Wirtschaft. Beispiel Renault: Beim zweitgrößten französischen Autobauer hat die Regierung ihren Anteil jetzt von 15 auf 19,7 Prozent aufgestockt und eine neue Stimmrechtsregelung durchgesetzt. Das passierte gegen den Willen des Vorstandes, der offenbar befürchtet, dass dadurch das Gleichgewicht in der erfolgreichen Allianz zwischen Renault und dem japanischen Autohersteller Nissan gefährdet werde. Renault kontrolliert 43,4 Prozent des Aktienkapitals am weltweit viertgrößten Autohersteller, der rund 80 Prozent zum Nettoertrag der Renault-Gruppe beisteuert. Ohne Nissan wäre Renault vermutlich ähnlich tief in die Krise geraten wie die zeitweilig vom Bankrott bedrohte PSA-Gruppe mit den Marken Peugeot und Citroën.

Entgegen den Konjunkturhoffnungen der - notorisch optimistischen - EU-Kommission könnte die Staatsschuldenquote Frankreichs noch in diesem Jahr die Marke von 100 Prozent überschreiten. In ihrer Frühjahrsprognose rechnet die Kommission für 2015 mit einer Zunahme der realen Wirtschaftsleistung in der Eurozone um 1,5 Prozent. Nicht berücksichtigt waren in der Prognose aber der jüngste Anstieg des Ölpreises und die dramatischen Verwerfungen an den europäischen Anleihemärkten in den letzten Tagen.

Zwei Drittel der französischen Staatsschuldpapiere halten ausländische Investoren. Mit Blick auf eine in weiten Teilen inkompetente politische Klasse und die anhaltende Wirtschaftskrise dürfte es nur noch eine Frage der Zeit sein, bis die Gläubiger die Vertrauensfrage stellen. Dann geriete aber zwangsläufig das deutsche Steueraufkommen als potenzielle Haftungsmasse in den Fokus, wie im Fall von Griechenland. Für den Fall eines Austritts der Hellenen aus der Eurozone hat die Ratingagentur Moody‘s eine Herabstufung der deutschen Bonität in Aussicht gestellt.

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