Krisenland Zypern: Ratingagenturen stufen Zypern auf „begrenzten Zahlungsausfall“ ab

Krisenland Zypern: Ratingagenturen stufen Zypern auf „begrenzten Zahlungsausfall“ ab

Daumen nach unten für Zypern - allerdings nur vorübergehend. Die Abstufung durch zwei der führenden Ratingagenturen ist letztlich ein technischer Schritt, der schon am Montag wieder aufgehoben werden soll.

Die Ratingagenturen Fitch und Standard & Poor's (S&P) haben die Bonität des Euro-Krisenlandes Zypern übergangsweise abgestuft. Wegen eines Tauschs zyprischer Staatsanleihen, der Bestandteil des Rettungspakets über insgesamt 10 Milliarden Euro ist, werde die Kreditwürdigkeit mit „begrenzter Zahlungsausfall“ (RD, Restricted Default) bewertet, teilte Fitch am Freitagabend mit. Vor dem Schritt war Zypern von Fitch mit „CCC“ bewertet worden, was eine Note über „D“ für kompletten Zahlungsausfall liegt. S&P wählte eine ähnliche Vorgehensweise.

Forderungen ausländischer Banken gegenüber Zypern

  • Griechenland

    12,7 Milliarden Euro

    Quelle: BIZ

  • Deutschland

    5,6 Milliarden Euro

  • Frankreich

    1,8 Milliarden Euro

  • Schweiz

    1,6 Milliarden Euro

  • Großbritannien

    1,6 Milliarden Euro

  • Niederlande

    1,4 Milliarden Euro

  • Österreich

    1,3 Milliarden Euro

  • USA

    1,3 Milliarden Euro

  • Italien

    1,2 Milliarden Euro

  • Schweden

    1,0 Milliarden Euro

  • Portugal

    0,2 Milliarden Euro

  • Spanien

    0,04 Milliarden Euro

  • Sonstige Länder

    14,6 Milliarden Euro

Zypern hatte am Donnerstag begonnen, kurzlaufende Staatsanleihen im Wert von einer Milliarde Euro gegen längerlaufende Papiere umzutauschen. Weil Inhaber der Papiere deswegen länger auf die Rückzahlung ihres Geldes warten müssen, wird die Schlechterstellung der Gläubiger als teilweiser Zahlungsausfall gewertet. Wie Fitch mitteilte, seien nur die vom Tausch betroffenen Staatstitel auf die Note „D“ wie Zahlungsaufall reduziert worden. Andere Schuldtitel, die nach zyprischem Recht begeben wurden, würden unverändert mit „CCC“ bewertet. Schuldverschreibungen, die nach ausländischem Recht aufgelegt wurden, werden von Fitch mit „B-“ bewertet.

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Dass es sich bei dem Vorgehen letztlich um einen technischen Schritt handelt, wird am weiteren Vorgehen Fitchs deutlich: Bei endgültigem Abschluss des Tauschs am kommenden Montag werde das Rating „RD“ wieder angehoben. Dann werde Zypern wieder eine Note im niedrigen spekulativen Bereich erhalten - so wie bislang auch. Auch S&P kündigte an, sein Rating wieder anzuheben.

Die Chronik der Zypern-Krise

  • 25.06.2012

    Zypern bittet die Eurozone um Hilfe, nachdem zwei Banken im Fahrwasser der Griechenland-Krise Verluste von zusammen 4,5 Milliarden Euro machten.

  • 08.10.2012

    Die EU drängt Zypern, einem Rettungsplan der Troika zuzustimmen. Der Rettungsplan sieht Gehaltskürzungen im öffentlichen Dienst und eine Mehrwertsteuererhöhung vor.

  • 22.11.2012

    Die zyprische Regierung teilt mit, dass sie Hilfen in Höhe von rund 17 Milliarden Euro benötigt.

  • 11.01.2013

    Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) drängt Zypern bei einem Besuch zu Reformen.

  • 24.02.2013

    Zypern wählt und bestimmt den Konservativen Nikos Anastasiades zum neuen Regierungschef der Mittelmeerinsel. Anastasiades gilt als Befürworter des von der EU verlangten Sparkurses.

  • 04.03.2013

    Die Regierung in Nikosia stimmt einer unabhängigen Prüfung der Finanzströme auf die Insel zu. Zypern reagiert so auf die Vorwürfe, russischen Millionären als Geldwäscheparadies zu dienen.

  • 16.03.2013

    Die Finanzminister der Eurozone und der IWF wollen Zypern mit bis zu zehn Milliarden Euro unterstützen. Die Differenz muss das Land selbst aufbringen. Zypern entschließt sich für eine Abgabe auf Bankeinlagen, die die insgesamt 5,8 Milliarden Euro bringen soll.

  • 18.03.2013

    Unter öffentlichem Druck kündigt Zypern an, das Rettungspaket zugunsten der Kleinanleger neu zu verhandeln. Guthaben von weniger als 100.000 Euro sollen unangetastet bleiben. Die Banken bleiben dennoch geschlossen, um panikartige Abhebungen von den Konten zu verhindern.

  • 19.03.2013

    Die zyprische Regierung beschließt, Bankeinlagen von unter 20.000 Euro von der Zwangsabgabe auszunehmen. Dennoch fällt das Rettungspaket am Abend im Parlament durch.

  • 20.03.2013

    Zyperns Finanzminister Michalis Sarris verhandelt in Moskau über mögliche Hilfen, die Verhandlungen bleiben ergebnislos. Die Orthodoxe Kirche auf Zypern bietet an, sich finanziell an der Rettung der Insel zu beteiligen.

  • 21.03.2013

    Zypern will anstelle der Zwangsabgabe einen eigenen Rettungsfonds einrichten. Die EZB erklärt, dass sie die zyprischen Banken ohne internationalen Rettungsplan nur noch bis zum 25. März mit Notkrediten stützen werde.

  • 22.03.2013

    Am Abend stimmt das zyprische Parlament ersten Maßnahmen eines neuen Rettungsplans zu, darunter einem Gesetz zur Bankensanierung und der Einrichtung eines nationalen Solidaritätsfonds.

  • 23.03.2013

    Medien berichten über eine Einigung zwischen zyprischer Regierung und Troika auf ein Konzept für die umstrittene Zwangsabgabe auf Bankguthaben.

  • 24. und 25.03.2013

    Präsident Anastasiades reist zu Verhandlungen mit den Euro-Finanzministern nach Brüssel. In der Nacht zum 25. März stimmen die Finanzminister dem Rettungspaket zu.

  • 28.03.2013

    Am Donnerstag, den 28. März haben die zyprischen Banken nach zwölf Tagen wieder geöffnet. Seit dem 16. März war die Bargeldversorgung nur noch an Geldautomaten möglich. Andere Bankgeschäfte ruhten. Ein Massenansturm auf die Banken blieb aus. Harte Regeln der Notenbank sollen verhindern, dass die Banken sofort nach Öffnung ausbluten. So dürfen pro Person und Konto maximal 300 Euro pro Tag abgehoben werden.

Die EZB gab unterdessen bekannt, zyprische Staatsanleihen vorübergehend nicht mehr als Sicherheit in ihrem Refinanzierungsgeschäft mit den Banken zu akzeptieren. Der EZB ist es verboten, Staatsanleihen im Falle eines sogenannten „Kreditereignisses“, zu dem auch ein begrenzter Zahlungsausfall zählt, als Sicherheit anzunehmen. Bis auf weiteres können die zyprischen Banken auf Notkredite der Zentralbank Zyperns zurückgreifen (ELA, Emergency Liquidity Assistance).

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