Kroatien: Schuldenmachen an der Adria

Kroatien: Schuldenmachen an der Adria

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Die Lage im 28. Mitgliedstaat des Clubs ist finsterer als je zuvor.

von Matthias Kamp

Der Beitritt zur Europäischen Union vor fast einem Jahr hat dem Land nicht nur keinen wirtschaftlichen Aufschwung gebracht. Die Lage im 28. Mitgliedstaat des Clubs ist finsterer als je zuvor.

Ivo Josipovic ist nicht unbedingt für offene und klare Worte bekannt. Doch kürzlich platzte dem kroatischen Staatspräsidenten der Kragen. Die Wirtschaft des Landes trete nicht nur auf der Stelle, sie schrumpfe, empörte sich Josipovic in einer Rede. „Das Land verliert seinen Optimismus und seine Energie“, rief das Staatsoberhaupt seinen Zuhörern zu. Und dann benannte der Politiker schonungslos die Probleme: Der öffentliche Sektor sei viel zu groß, er sei ineffizient und gebe viel zu viel Geld aus, kritisierte Josipovic und warnte, sein Land könne unter Armut und sozialer Not zusammenbrechen. „Wir drohen in Hoffnungslosigkeit zu versinken.“

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Knapp 4,5 Millionen Menschen leben in dem Adriastaat, der Anfang Juli vergangenen Jahres der Europäischen Union beigetreten ist. Groß war die Hoffnung bei ihnen nie, dass die Mitgliedschaft im „Club der Reichen“, wie viele Südosteuropäer die EU noch immer sehen, die Wirtschaft des Landes spürbar voranbringen würde. Doch die Entwicklung der vergangenen Monate übertrifft selbst die finstersten Prognosen

Gingen die meisten Experten bisher noch von einem Miniwachstum für das laufende Jahr aus, rechnen sie jetzt damit, dass Kroatien 2014 das sechste Jahr in der Rezession stecken wird. Nur die Regierung in Zagreb glaubt noch an leichtes Wachstum von 0,2 Prozent im laufenden Jahr. Seit 2009 ist das Bruttoinlandsprodukt um kumuliert zwölf Prozent geschrumpft. Die Arbeitslosigkeit wächst in diesem Jahr zwar etwas langsamer als 2013, doch die Quote liegt immer noch bei beängstigenden 20 Prozent. Unter den jungen Erwerbsfähigen ist sogar jeder zweite ohne Job. Während andere Länder der Region sich ganz allmählich aus der Krise quälen, verharrt Kroatien in Lethargie. Slowenien etwa, das es Ende vergangenen Jahres geschafft hat, seine Banken aus eigener Kraft zu rekapitalisieren, könnte diese Jahr ein leichtes Wirtschaftswachstum verbuchen. Rumänien, das bei allen noch vorhandenen Problemen wie rechtlichen Unsicherheiten und Korruption in der Vergangenheit eine Reihe von Strukturreformen auf den Weg gebracht hat, verbuchte im vergangenen Jahr sogar ein Wirtschaftswachstum von 3,5 Prozent. Im laufenden Jahr dürften es drei Prozent sein.

Wissenswertes über Kroatien

  • Wo liegt Kroatien überhaupt?

    Kroatien liegt am Mittelmeer gegenüber von Italien. Das Land grenzt an Slowenien, Ungarn, Serbien und Bosnien-Herzegowina, hat eine Gesamtfläche von 56.542 Quadratkilometer, einschließlich 1.246 Inseln. Rund 4,5 Millionen Kroaten wurden zuletzt gezählt, die meisten von ihnen sind Katholiken.

  • Ist Kroatien ein Urlaubsland?

    Die fast 1800 Kilometer lange Küstenlinie mit zahlreichen vorgelagerten Inseln, sowie Weltkulturerbe-Stätten und Nationalparks machen Kroatien zu einem attraktiven Reiseziel. Fast zwölf Millionen Touristen zog Kroatien 2011 an, zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Der Tourismussektor bildet damit ein Fünftel des Bruttoinlandsproduktes.

  • Wird man in Kroatien nass?

    Kroatien zählt zu den 30 wasserreichsten Staaten der Welt, in Europa steht das wässrige Land gar auf Platz drei mit 32.818 Kubikmetern an erneuerbaren Wasserreserven pro Kopf und Jahr. Abgesehen von den vielen Flüssen und Seen, wird es sonst eher in der Küstenregion nass, wo die Niederschlagsmenge doppelt so hoch ist wie im Landesinneren.

  • Wie steht es um Kroatiens Wirtschaft?

    Das BIP-Wachstum betrug 2011 0,2 Prozent, die Inflationsrate liegt bei 2,8 Prozent, die Arbeitslosigkeit bei 11,3 Prozent. Die wichtigsten Handelsgüter Kroatiens sind Erdöl, Nahrungsmittel, Maschinen und Elektrotechnik.

  • Was können Kroaten besser als Deutsche?

    Lebkuchenherzen backen. Diese süße Spezialität stammt nämlich ursprünglich aus Kroatien: seit dem 16. Jahrhundert werden die Herzen in Klöstern gebacken, verziert und zu besonderen Anlässen verschenkt.

Kroatien hat tief liegende strukturelle Probleme. Bis auf ein paar Werften verfügt das Land kaum über verarbeitendes Gewerbe. Die Industrie des neuen EU-Mitglieds steuert gerade mal 15 Prozent zur Wirtschaftsleistung bei. Meggle produziert im Land Butter, Hipp hat eine Fabrik für Babynahrung. Doch in der Breite gibt es so gut wie keine Industrie. Für vier Monate im Jahr leben die Kroaten vom Tourismus, ansonsten von der Landwirtschaft.

Im Global Competitiveness Report des World Economic Forum landet das Land auf Platz 81, hinter Botswana und dem Iran. Die Rangliste von Transparency International, die die Korruption in 174 Ländern untersucht, führt Kroatien an 62. Position, hinter Kuba und Namibia. Der Doing-Business-Report der Weltbank, der prüft, wie einfach sich Firmen gründen lassen, sieht Kroatien auf Platz 84.  Die Hürden: vergleichsweise hohe Löhne und Lohnnebenkosten, steigende Steuern, rigide Arbeitsgesetze und ausufernde Bürokratie. Lediglich die Infrastruktur und die relativ gut ausgebildeten Menschen nennen die Unternehmen als Pluspunkte.

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