Lahmende Konjunktur: Fitch stuft Frankreichs Bonitätsnote herab

Lahmende Konjunktur: Fitch stuft Frankreichs Bonitätsnote herab

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Die Ratingagentur Fitch stuft Frankreichs Bonitätsnote herab

Die Ratingagentur Standard & Poor's hat im November 2013 Frankreich die Bestnote entzogen, davor im November 2012 hatte Moody's bereits Frankreich in Sachen Kreditwürdigkeit herabgestuft. Jetzt zieht Fitch nach.

Die Ratingagentur Fitch hat das Kreditrating von Frankreich gesenkt. Die Bonitätsnote des Landes sei von „AA+“ auf „AA“ herabgestuft worden, teilte Fitch am späten Freitagabend in London mit. Der Ausblick sei stabil. Die Aussichten für den Staatshaushalt seien trübe, es mangele an Reformen, hieß es zur Begründung. Fitch hatte Frankreich Mitte Oktober mit einer Herabstufung gedroht. Der französische Finanzminister Michel Sapin hat die Herabstufung zur Kenntnis genommen. Die eingeleiteten Reformen würden langsam Erfolge zeigen, hieß es in einer Erklärung Sapins vom Samstag.

DIW-Präsident Marcel Fratzscher "Der Euro stützt das deutsche Spitzen-Rating"

Deutschland genießt als eines der wenigen Länder Welt vollstes Vertrauen bei den Investoren. Zu Recht, sagt DIW-Präsident Marcel Fratzscher. Wovon Deutschland profitiert – und wieso Eurobonds keine gute Idee sind.

Deutschland ist eines von weltweit zwölf Ländern, die noch das Bonitätsrating AAA bei S&P haben. Quelle: dpa/Montage

„In einem wirtschaftlich schwierigen Umfeld hält die Regierung an ihrem Kurs fest“, sagte der Minister. Nach Meinung von Analysten der Bank Société Générale dürfte die Herabstufung nur geringfügige Auswirkungen für die zweitgrößte Volkswirtschaft der Eurozone haben. Frankreich dürfte weiterhin zu sehr niedrigen Zinsen Geld aufnehmen können, da die Europäische Zentralbank (EZB) als „Brandschutz“ wirke. „Die Frage ist, wie lange die Märkte Frankreich Zeit lassen, um seine Reformen umzusetzen“, sagte ein Analyst im Rundsender France Info.

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Das schuldengeplagte Land wurde jüngst auch von der Eurogruppe zum Sparen aufgefordert, um die Vorgaben des Euro-Stabilitätspakts einzuhalten. „Mehr (Spar-)Maßnahmen sind nötig“, hatte Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem vergangenen Montag in Brüssel am Rande von Beratungen der Euro-Finanzminister gesagt.

Das sind die zwölf Länder mit Spitzenrating

  • 1

    Dänemark wird mit dem Top-Rating benotet. Die Gründe: Die dänische Wirtschaft zeichnet sich durch eine Vielzahl oft mittelständischer Industrie- und Dienstleistungsunternehmen aus, die oft hoch spezialisiert sind und technologisch zur Spitzenklasse gehören. Insgesamt wächst die Wirtschaft in diesem Jahr wohl um 1,5 Prozent. Die Staatsverschuldung ist gering (44,5 des BIP, Ende 2013) und auch das Haushaltsdefizit konnte dank einer Sparpolitik auf 0,8 Prozent gedrückt werden.

     

    (in alphabetischer Reihenfolge; bei Standard & Poor’s)

  • 2

    Deutschland, die größte europäische Volkswirtschaft, genießt das beste Kreditrating – obwohl das Land nicht alle Maastricht-Kriterien einhält. Die Staatsverschuldung liegt bei 78,4 Prozent (in Prozent des BIP, Ende 2013), aber der Trend geht in die richtige Richtung. Bis 2020 soll der Schuldenberg bis unter 60 Prozent des BIP gedrückt werden. Deutschland weist derzeit einen ausgeglichenen Haushalt auf.

  • 3

    Auch Euro-Mitglied Finnland gehört zu den kreditwürdigsten Ländern der Welt. Zwischen 2011 und 2013 lag das Haushaltsdefizit nicht ein einziges Mal über dem Grenzwert von 3,0 Prozent des BIP (-0,7 bis -2,1 Prozent). Die Gesamtverschuldung liegt bei 57,0 Prozent (Ende 2013), die Wirtschaft soll in diesem Jahr minimal um 0,2 Prozent zulegen.

  • 4

    Anders als bei den US-Ratingagenturen Fitch und Moody’s, die Großbritannien mit AA+ bzw. Aa1 bewerten, genießt London bei S&P noch die Bestnote. Die Wirtschaft wächst in diesem Jahr um 2,7 Prozent des BIP, die Staatschulden liegen bei 91,8 Prozent des BIP. Bedenkenswert: Das Haushaltsminus ist deutlich, es liegt wie in den Vorjahren bei über 5 Prozent.

  • 5

    Die Wirtschaft Hongkongs gehört zu den am weitesten entwickelten und reichsten Volkswirtschaften weltweit. Nachdem das Wachstum 2012 aufgrund der allgemeinen weltwirtschaftlichen Lage nur bei 1,4 Prozent lag, konnte Hongkong im Jahr 2013 wieder einen moderaten Anstieg des Bruttoinlandsprodukts von 3 Prozent verzeichnen. Auf dem Arbeitsmarkt herrschte im Dezember 2013 mit einer Arbeitslosenquote von 3,2 Prozent weiterhin nahezu Vollbeschäftigung. Die Staatsverschuldung lag Ende 2012 bei gerade einmal 32,4 Prozent (im Vergleich zum BIP).

  • 6

    Anders als die USA, die von Standard & Poor’s aufgrund der Streitereien um die Schuldengrenzen abgewertet wurden, genießt deren Nachbar Kanada vollstes Vertrauen. Das Land ist mit einem BIP von 1.473,51 Mrd. Euro die elftgrößte Volkswirtschaft der Erde und  der weltgrößte Exporteur von Holz. Die Staatverschuldung liegt bei 89 Prozent im Vergleich zum BIP.

  • 7

    Liechtenstein ist nicht nur von seinen Finanzinstituten geprägt, sondern auch ein innovativer und exportorientierter Industriestandort. Im Jahr 2012 arbeiteten 39,4 Prozent der Beschäftigten in der Industrie, 59,9 Prozent im Dienstleistungssektor, nur 0,8 Prozent in der Landwirtschaft. Über 50 Prozent der Arbeitskräfte sind Pendler aus dem Ausland, vorwiegend aus den Nachbarländern Schweiz und Österreich sowie aus Deutschland. Das Land galt jahrelang als eines der wenigen Länder der Welt, die keine Schulden hatten. Der Etatplan für 2013 sah aber vor, dass trotz Sparanstrengungen nur noch rund 70 Prozent der laufenden Ausgaben durch Einnahmen gedeckt waren.

  • 8

    Luxemburg konnte Ende 2013 einen Mini-Überschuss im Haushalt ausweisen (+0,1 Prozent). Die Gesamtschulden betrugen 23,1 Prozent des BIP. Keine Überraschung also, dass das Land die Top-Bonitätsnote innehat.

  • 9

    Seit der Erschließung seiner Öl- und Gasreserven Anfang der 1970er-Jahre des letzten Jahrhunderts hat Norwegen eine enorme wirtschaftliche Entwicklung vollzogen. Aus einem der ärmeren westeuropäischen Länder, geprägt vor allem durch Schifffahrt, Fischfang, Land- und Forstwirtschaft, wurde einer der größten Öl- und Gasexporteure der Welt mit hohem Bedarf an Arbeitskräften, einem der höchsten Pro-Kopf-Einkommen und einer der teuersten Hauptstädte der Welt. Ende 2013 lag die Staatsverschuldung bei 29,5 Prozent des BIP.

  • 10

    Auch Norwegens Nachbar Schweden punktet mit einer geringen Verschuldung (40,6 Prozent des BIP). Ende 2013 betrug das Haushaltsdefizit 1,1 Prozent. Die Wirtschaft soll in diesem Jahr um 2,8 Prozent zulegen.

  • 11

    Ebenfalls mit der Top-Note AAA ausgestattet ist die Schweiz. Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf konnte zuletzt gute Zahlen präsentieren. Im Jahr 2013 wurde ein Haushaltsüberschuss von 1,3 Milliarden Schweizer Franken (1,07 Milliarden Euro erwirtschaftet. Die Gesamtschulden lagen bei rund 48 Prozent (im Vergleich zum BIP).

  • 12

    Obwohl Singapur einen überdurchschnittlichen hohen Schuldenberg vor sich herschiebt, (104 Prozent des BIP, Ende 2013), genießt das Land bei den Investoren überragendes Vertrauen. Der Grund: Singapur verfügt über eine hoch industrialisierte und erfolgreiche freie Marktwirtschaft, die sich durch Weltoffenheit, weitgehende Korruptionsfreiheit und internationale Vernetzung auszeichnet. 2013 hat die Regierung ein Rentenpaket aufgelegt, erstmals seit Jahren musste das Land dadurch wieder ein Haushaltsdefizit verbuchen (0,3 Prozent des BIP).

Die Ressortchefs folgten damit der EU-Kommission, die im November Frankreich, Italien und Belgien eine Frist bis März 2015 eingeräumt hatte, um ihre Budgets für das kommende Jahr in Ordnung zu bringen. Der Druck der Europartner auf Frankreich ist besonders hoch. Das Land muss sein sogenanntes Strukturdefizit - dabei sind Konjunktureinflüsse ausgeblendet - im kommenden Jahr um 0,8 Prozentpunkte drücken, erreicht sind bisher nur 0,3 Punkte.

Da Frankreich schon seit 2009 im Defizitverfahren ist, drohen dem Land letztlich Strafen in Milliardenhöhe. Die Arbeitslosigkeit steigt auch auf hohem Niveau weiter an. 2,8 Millionen Franzosen waren im November arbeitslos. Die Partner in Europa und die konservative Opposition fordern von der Regierung des sozialistischen Staatspräsidenten François Hollande seit Jahren eine deutliche Erhöhung des Rentenalters, Senkung der Arbeitskosten und signifikante Einsparungen des aufgeblähten Verwaltungsapparats.

„AA“ ist die drittbeste Bonitätsnote bei Fitch. Bei S&P verfügt die zweitgrößte Euro-Volkswirtschaft ebenfalls über die drittbeste Note „AA“. Bei Moody's hat Frankreich noch die zweitbeste Note „AA1“.

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