Leitzins bei null Prozent: Schweden sollte der EZB als Warnung dienen

Leitzins bei null Prozent: Schweden sollte der EZB als Warnung dienen

von Konrad Fischer

Die EZB fürchtet Deflation und senkt die Zinsen immer weiter. Ein riskanter Weg – zeigt der Blick nach Schweden. Die Skandinavier stehen schon heute vor dem geldpolitischen Scherbenhaufen, der dem Euroraum noch droht.

Aus kontinentaleuropäischer Sicht sind es paradiesische Zustände, die da im Herzen Skandinaviens herrschen. Zwischen zwei und drei Prozent Wachstum verzeichnet Schweden in den vergangenen Jahren regelmäßig, die Arbeitslosigkeit sinkt, der Wohlstand nimmt zu.

Doch schon die Parlamentswahl im Sommer ließ ahnen, dass das nicht die ganze Wahrheit sein kann: Die Schweden wählten ihre konservative Regierung ab, obwohl die nach wirtschaftlichen Maßstäben höchst erfolgreich gearbeitet hatte. Stattdessen regiert jetzt ein wackeliges Mitte-Links-Bündnis gegen eine erstarkte rechtspopulistische Opposition.

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Trotz Aufschwungs ist das wichtigste skandinavische Land offenbar tief verunsichert. Die vielen Flüchtlinge, die wachsende Kriminalität und zunehmende soziale Ungleichgewichte sind ein paar gesellschaftliche  Erklärungen dafür. Immer offensichtlicher und dramatischer aber werden die Konsequenzen der nervösen Volksseele: Die Schweden trauen sich selbst nicht mehr über den Weg.

Wissenswertes über Schweden

  • Was sind schwedische Exportschlager?

    Die wichtigsten Ausfuhrprodukte sind Pharmazeutika, Maschinen, Uhren, Präzisionsinstrumente und Elektronikprodukte. Exportschlager ist natürlich auch die schwedische Literatur: Astrid Lindgrens Kinderbuchklassiker kennt jeder. Auch die düsteren Romane von Henning Mankell oder Stieg Larsson sind nicht nur Krimiliebhabern ein Begriff, sondern durch vielfache Verfilmungen auch bei Cineasten beliebt. Außerdem haben die Schweden den Reißverschluss erfunden.

  • Was sind berühmte schwedische Unternehmen?

    Ganz vorne natürlich Ikea. Wer hat nicht schon einmal auf dem heimischen Fußboden Schrauben und Nägel sortiert, um einen günstigen Kleiderschrank selbst zusammen zu zimmern? Genau das ist Ingvar Kamprads Erfolgsrezept, der das Einrichtungshaus 1943 ins Leben rief und das inzwischen mit Filialen auf dem ganzen Globus vertreten ist.

    Auch H&M ist aus den Fußgängerzonen nicht mehr wegzudenken. Kleiner Preis für modische Kleidung, großes Budget für Werbekampagnen und Designerkooperationen mit Größen wie Lagerfeld oder Versace. Auch Volvo, Saab, Ericsson, ABB, Electrolux, SKF, Astra Zeneca Skype, Tetra Pak oder Absolut Vodka kommen aus Schweden.

  • Warum können die Schweden so gut Englisch?

    In Schweden wird Englisch als erste Fremdsprache an den Schulen unterrichtet. Aber das allein ist noch nicht das Geheimnis des schwedischen Sprachwunders: da es sich für nur rund 9,6 Millionen Einwohner nicht lohnt englischsprachige Filme und Serien für Kino oder Fernsehen zu synchronisieren, schauen sich die Schweden diese immer in Originalsprache mit Untertiteln an.

  • Was können die Schweden besser als die Deutschen?

    Sommersonnwende feiern, auf Schwedisch Midsommar. Am Johannisabend Ende Juni geht in Nordschweden die Sonne 24 Stunden lang nicht unter. Eine gute Gelegenheit für die Schweden ausgelassen zu feiern, um einen Maibaum zu tanzen und pappige Zimtschnecken mit reichlich Alkohol runterzuspülen. Nicht umsonst ist das bei Polizeistreifen eher unbeliebt.

  • McDonald's per Ski

    Im schwedischen Skigebiet Lindvallen gibt es das etwas andere McDrive: Bei McSki kann können sich Skifahrer einen Burger auf die Hand mitnehmen, ohne erst lästigerweise die Skier abschnallen zu müssen. Außerdem hat Schweden die höchste Pro-Kopf-Anzahl von McDonald's-Filialen in Europa.

  • Größtes Einkaufszentrum Skandinaviens

    Im schwedischen Göteborg gibt es die größte Shoppingmall Skandinaviens. Das Nordstan hat 180 Geschäfte und 150 Büros unter seinem Dach.

Zwar wächst die Wirtschaft seit der Finanzkrise so beständig wie nirgendwo sonst in Europa, Schweden stellt sogar Deutschland in den Schatten. Selbst in diesem Jahr, wo es in Deutschland quartalsweise bergab geht, legt die schwedische Wirtschaft konstant zu.

Doch anstatt den entstehenden Wohlstand fröhlich zu konsumieren, lassen die Schweden sich von einer abstrakten Krisenangst leiten und horten ihr Geld. Die Folge: In 16 der vergangenen 24 Monate lag die Inflationsrate im negativen Bereich, allein im September waren die Preise 0,4 Prozent niedriger als im Vorjahr.

Jetzt zieht die Reichsbank, die schwedische Notenbank, den letzten Trumpf der ihr noch bleibt. Vom ohnehin sehr niedrigen Niveau (0,25 Prozent) senkt sie den Leitzins auf 0 Prozent. Man könnte auch sagen: Sie schafft den Leitzins, und damit ihre ganz ursprüngliche Daseinsberechtigung, einfach ab.

Für Banken heißt das, dass sie sich nunmehr Geld leihen können, ohne dafür eine Gebühr zu bezahlen. Sicher, ihr bleiben noch die unkonventionellen Maßnahmen, also der eigenständige Aufkauf von Anleihen am Markt, doch im Kern liest sich das wie der sprichwörtliche Selbstmord aus Angst vor dem Tod. Für die Notenbank ist der Schritt die allerletzte Chance, endlich die Inflation zurückzubringen ­– die sie selbst auf dem Gewissen hat.

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