Lettland: Neues Musterland im Euro-Raum

Lettland: Neues Musterland im Euro-Raum

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Vor Euro-Einführung gibt es nur wenig Begeisterung in Lettland.

von Hans Jakob Ginsburg

Am Neujahrstag führt Lettland den Euro als Währung ein. Der kleine Kreis der stabilitätsorientierten Euroländer wird damit ein bisschen größer, die Gruppe der armutsgefährdeten Euro-Mitglieder allerdings auch.

22 Jahre nach dem Ende der Sowjetunion wird die kleine Ostseerepublik Lettland endgültig anerkannter Teil des freien Europas. Das ist die wichtigste Begründung für den Euro-Beitritt als 18. Mitglied der Währungsgemeinschaft. Ökonomische Begründungen spielen für Ministerpräsident Valdis Dombrovskis eine nachgeordnete Rolle.

Dabei hat Lettland unter dem heute erst 42-jährigen Regierungschef seit 2009 einen ökonomischen Kraftakt hingelegt, für den es kaum ein zweites Beispiel in Europa gibt – und das auch immer wieder mit der Begründung, nur so sei das Ziel des Euro-Beitritts zu erreichen. 2008 war das kleine strukturschwache Land zum schlimmsten Leidtragenden der internationalen Finanzkrise geworden: Die damals führende Bank kollabierte, die hochverschuldeten Privathaushalte verloren große Teile ihres Vermögens, die Wirtschaftsleistung sank Anfang 2009 um 18 Prozent.

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Die Weltbank musste den Letten unter die Arme greifen und empfahl dringend eine Abwertung der Landeswährung. Das aber war mit den nationalstolzen Letten nicht zu machen: Der offenbar überbewertete Lat galt ihnen als greifbarstes Symbol für die Freiheit von sowjetischer Unterdrückung – und außerdem hätte eine Abwertung die oft in Euro verschuldeten Privatleute erst recht ins Elend gestürzt. Dafür unternahm die Regierung in Riga Austeritätsmaßnahmen, wie sie in Athen oder Lissabon noch nicht einmal denkbar waren: Der öffentliche Dienst wurde nahezu halbiert, die verbleibenden Beamtengehälter und die Renten stark gekürzt, das Wohlstandsniveau sank etwa auf das Niveau Bulgariens oder Rumäniens.

Wettbewerbsfähigkeit Europa verliert den Anschluss

Deutschland gehört einer Studie zufolge zu den wettbewerbsfähigsten Ländern der Welt. Der Rest Europas fällt ab: Frankreich, Spanien und Italien stehen schlecht da – und gefährden so den Wohlstand der Euro-Zone.

Aufmacher Euro-Zone verliert Anschluss Quelle: WirtschaftsWoche Online

Die Rosskur hat angeschlagen. Seit 2011 wächst die lettische Wirtschaft jährlich um jeweils mehr als fünf Prozent. Zwar ist die Arbeitslosigkeit immer noch hoch, Wohlstand findet sich allenfalls in Teilen der vom Tourismus profitierenden Hauptstadt Riga, und die Investitionen aus Westeuropa im Billiglohnland Lettland halten sich immer noch in überschaubaren Grenzen. Doch die Haupteinnahmequelle der lettischen Volkswirtschaft erlebte einen formidablen Aufschwung: Die ehemalige Sowjetrepublik ist aller politischen Antipathie zum Trotz wichtiges Transitland für den russischen Export nach Westen geblieben, der Verkehrssektor macht heute 14 Prozent der Wirtschaftsleistung aus. Die Letten wissen das zu würdigen – und erstreben gerade darum möglichst starke Bande zu Westeuropa als Versicherung gegen böse Gelüste des großen Nachbarn im Osten.

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