London: Britische Flughäfen rechnen mit Chaos

London: Britische Flughäfen rechnen mit Chaos

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Wegen des Streiks drohen lange Wartezeiten an Londons Flüghäfen

von Yvonne Esterházy

Der für den heutigen Mittwoch geplante Generalstreik der Beamten und Angestellten im öffentlichen Dienst gegen das Sparprogramm der Regierung könnte das Vereinigte Königreich lahmlegen. Finanzminister Osborne zeigt sich unbeeindruckt: er mutet seinen Landsleuten künftig noch größere Opfer zu.

Nur die englischen Kinder können sich aus ganzem Herzen freuen. Für die 90 Prozent von ihnen fällt heute die Schule aus – sie dürfen zu Hause bleiben oder ihre Eltern ins Büro begleiten. Für alle anderen Briten und für die Ausländer,  die heute per Flugzeug oder Fähre nach Großbritannien einreisen, verspricht der Tag dagegen viel Verdruss: denn mehr als zwei Millionen Beschäftigte des öffentlichen Dienstes wollen aus Protest gegen die Sparmaßnahmen und die geplante Rentenreform der Regierung die Arbeit niederlegen – es droht der größte Streik seit 85 Jahren.

Die Krankenhäuser haben alle Eingriffe, von Not-Operationen abgesehen,  verschoben, weil das Pflegepersonal sich dem Arbeitskampf anschließen wird, viele Universitäten und Ämter bleiben geschlossen oder bieten einen Schmalspurservice an und auch die Müllabfuhr streikt. Am schlimmsten aber wird es an den Flughäfen sein – in Heathrow und Gatwick müssen sich die Passagiere bei der Abfertigung an den Grenzkontrollen schlimmstenfalls auf bis zu zwölfstündige Wartezeiten einstellen. Deshalb haben die Flughafenbetreiber den Fluggesellschaften bereits geraten,  dafür zu sorgen, dass ihre Maschinen nur zur Hälfte ausgelastet sind – Passagiere sollen zum kostenlosen Umbuchen veranlasst werden. Andernfalls, warnt die BAA,  müssten sich die Reisenden unter Umständen darauf einstellen, stundenlang im Flugzeug zu warten.

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Düstere Erinnerungen an die Vergangenheit

Im Vereinigten Königreich werden düstere Erinnerungen an die 70er Jahre und die Dreitagewoche wach. 1979 hatte ein Generalstreik des öffentlichen Dienstes gegen die Lohnpolitik der damaligen Labour-Regierung den sogenannten „Winter der Unzufriedenheit“ eingeleitet, der schließlich den Weg für den Aufstieg der konservativen Premierministerin Margaret Thatcher ebnete. Die Eisernen Lady hatte anschließend die Macht der Gewerkschaften gebrochen, in den vergangenen Jahrzehnten verloren sie zunehmend an Einfluss – daran änderte auch die 13jährige Labour-Herrschaft nichts. Nun aber demonstrieren die Arbeitnehmervertreter wieder neue Kampfeslust. „Es könnte die größte Streikaktion seit dem Generalstreik von 1926 werden“, warnt Gewerkschaftsboss Dave Prentis von der Gewerkschaft Unison.

Wachsender Konflikt mit Gewerkschaften

Der aktuelle Generalstreik ist denn auch Ausdruck eines wachsenden Konflikts zwischen der konservativ-liberalen Regierung und 26 Einzelgewerkschaften, die sich nicht damit abfinden wollen, dass Finanzminister George Osborne ihre lange geltenden Privilegien kappen will. Schon seit Monaten wird ohne Ergebnis verhandelt, die Lage ist verfahren. Osborne will das Eintrittsalter für Pensionäre im öffentlichen Sektor von 60 auf 66 Jahre heraufsetzen, die Beschäftigten sollen außerdem einen höheren Beitrag einzahlen. Überdies hatte Osborne die Löhne und Gehälter der meisten Staatsbediensteten bereits 2010 für zwei Jahre eingefroren und den Abbau von rund einer halben Million Arbeitsplätze angekündigt. Das alles war Teil des nach dem Amtsantritt der konservativ-liberalen Regierung angekündigten Sparpakets, mit dem Osborne in vier Jahren 81 Milliarden Pfund einsparen wollte, um den maroden britischen Haushalt zu sanieren, der infolge der Bankenrettung und jahrlanger Ausgabenfreude der früheren Labour-Regierung ein riesiges Defizit aufwies.

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