Ludovic Subran: Der Reformdruck auf Frankreich muss bleiben

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InterviewLudovic Subran: Der Reformdruck auf Frankreich muss bleiben

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Der Chefvolkswirt des Kreditversichers Euler Hermes sagt Deutschlands Unternehmen im nächsten Jahr steigende Insolvenzen voraus

von Angela Hennersdorf

Der Chefvolkswirt des Kreditversicherers Euler Hermes fordert, den Franzosen mehr Zeit zu geben, ihr Haushaltsdefizit abzubauen. Der Ökonom rechnet mit mehr Firmenpleiten in Deutschland im kommenden Jahr.

WirtschaftsWoche: Herr Subran, die EU-Kommission will Investitionen in Höhe von 315 Milliarden Euro in den kommenden drei Jahren anschieben. Kurbelt das die stagnierende Konjunktur in der Euro-Zone an?

Ludovic Subran: Das Paket ist ein Kompromiss zwischen Franzosen und Deutschen: der Juncker-Plan sieht vor, dass für staatlich geförderte Projekte private Investoren gefunden werden. Damit können beide Länder leben. Sicherlich bringt das Programm mehr Dynamik. Aber das genügt nicht. Wir können damit, wenn es funktioniert, gerade mal ein Wachstumsplus von 0,5 Prozent in der Euro-Zone erreichen.

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Zur Person

  • Ludovic Subra

    Ludovic Subran, 33, ist seit 2011 Chefvolkswirt beim Kreditversicherer Euler Hermes in Paris. Zuvor arbeitete er bei den Vereinten Nationen und der Weltbank in Washington DC.

Was hilft besser?

Wir brauchen gleiche wirtschaftliche Bedingungen für Unternehmen aus den Euro-Ländern. Die Diskussion darüber vermisse ich bei dem Juncker-Plan. Die Rahmenbedingungen etwa bei Arbeitskosten, bei der Steuergesetzgebung, bei der Finanzierung sind völlig unterschiedlich. Ein deutsches Unternehmen mag von seiner deutschen Bank problemlos Kapital zur Finanzierung von Investitionen erhalten, für die Niederlassung in Italien wird das schon viel schwieriger. Wie schließen wir diese Finanzierungslücke? Wenn wir hier gleiche Bedingungen für alle haben, dann hilft das den Unternehmen.

Frankreich und Italien sind doch selbst Schuld. Sie kommen mit wirtschaftlichen Reformen nicht voran und wollen nun auch noch mehr Zeit für die Haushaltsanpassung. Wie soll es weitergehen?

Wenn Frankreich sein Defizit in den nächsten drei Jahren um jährlich fast einen halben Prozentpunkt vom BIP reduziert, dann würgt dies die Nachfrage ab. Deutschland hat zur Jahrtausendwende gut fünf Jahre gebraucht, um sein Defizit um drei Prozent zu reduzieren. Frankreich und Italien sollen das in drei Jahren schaffen. Dieses Timing ist schlecht. Frankreich braucht dringend Reformen, keine Frage. Der Reformdruck muss aufrechterhalten werden, denn keiner will ein schwaches Frankreich in der Euro-Zone. Aber wir sollten nicht strikt an dieser Drei-Prozent-Defizitregel festhalten, sondern andere Wege finden, um der Wirtschaft zu helfen.

Welche?

Das Problem in Frankreich ist vor allem der Arbeitsmarkt. Wir müssen flexibler werden, die Arbeitskosten entsprechen nicht der Produktivität. Wir haben zu viele geschützte Berufe, es fehlt an Wettbewerb. Im Vergleich zu Deutschland sind die Arbeitskosten in Frankreich um bis zu 40 Prozent höher. Es fehlt den Unternehmen in Frankreich auch an innovativen Finanzierungsmöglichkeiten. Außer dem klassischen Bankenkredit gibt es nicht viel: wir haben zu wenig Wagniskapitalgeber, zu wenig Pensionsfonds, die ihr Kapital investieren wollen.

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