Marine Le Pen: "Voilà, der Wind dreht"

InterviewMarine Le Pen: "Voilà, der Wind dreht"

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Marine Le Pen, die Vorsitzende der rechtspopulistischen Front National will einiges in Europa ändern

von Karin Finkenzeller

Die Schweizer wollen künftig wählen, welche Ausländer in ihr Land dürfen. Ein Modell, das auch Marine Le Pen gefällt. Die Vorsitzende des Front National erklärt, warum sie die EU in ihrer gegenwärtigen Form ablehnt.

WirtschaftsWoche: Madame Le Pen, geht es nach Ihrer Partei, dem Front National (FN), sollen französische Unternehmen bevorzugt Franzosen einstellen, Ausländer dagegen – auch solche aus EU-Ländern– sollen zum Beispiel weniger Kindergeld erhalten. Wie wollen Sie das durchsetzen?

Marine Le Pen: Wir waren immer gegen das Recht der Freizügigkeit. Herr über seine Grenzen zu sein ist eines der Elemente der Souveränität und der Demokratie. Auf Frankreichs zweitgrößter Baustelle, dem Terminal für Gastanker in Dunkerque, arbeiten nur 40 Prozent Franzosen. Ein rumänischer Arbeiter kostet 30 Prozent weniger, weil er zwar den Mindestlohn bekommt, aber die Sozialabgaben sich nach dem Herkunftsland berechnen. Und da spreche ich noch nicht von den zahlreichen Missbrauchsfällen.

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Zur Person

  • Marine Le Pen

    Le Pen, 45, ist Anwältin und seit 2011 Vorsitzende des rechtspopulistischen Front National, den 1972 ihr Vater, Jean-Marie Le Pen, gegründet hatte. 2012 kandidierte sie bei den französischen Präsidentschaftswahlen. Seit 2004 sitzt sie im Europaparlament.

Was wollen Sie dagegen tun?

Lässt sich die EU noch reformieren? Die Antwort ist: Nein. Die EU ist wie die Sowjetunion, deshalb bekämpfe ich sie mit aller Kraft. Sie ist negativ für unseren Wohlstand, für unsere Sicherheit, für unsere Wirtschaft.

Sie sind also nicht nur gegen den Euro, sondern auch gegen die EU als solche?

Ich sage es ganz klar: Ich will in Frankreich ein Referendum organisieren. Frankreich muss erstens seine gesetzgeberische Souveränität zurückerhalten. Ich will nicht, dass französische Gesetze von europäischen außer Kraft gesetzt werden können. Zweitens bin ich für einen Übergang zu einer nationalen Währung und drittens für die territoriale Souveränität: Ein freies Land muss über seine Grenzen herrschen. Und ich will eine wirtschaftliche Souveränität durchsetzen, einen wirtschaftlichen Patriotismus. Französische Unternehmen sollen bei öffentlichen Ausschreibungen einen Vorteil haben.

Eine Mehrheit der Franzosen wäre dafür?

Wie Frankreichs Bürger über die EU denken: Zum Anzeigen der Grafik bitte klicken.

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Ich glaube, sie sind gegen einen Verbleib in der EU. Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass das Vertrauen in die EU noch nie so niedrig war und dass die Abneigung gegen die EU nie so hoch war. Voilà, der Wind der Geschichte weht jetzt in Richtung einer Rückkehr zu Nationalstaaten.

Ist es nicht ein wenig bizarr, dass Sie Abgeordnete des Europäischen Parlaments sind – und doch komplett gegen die EU?

Das Gegenteil würde bedeuten, dass man die Oppositionen aus allen Strukturen heraushält. Meine Rolle im Europäischen Parlament ist die der Opposition.

Abgeordnete der französischen Nationalversammlung sind ja auch nicht gegen den französischen Staat als solchen...

Aber das kann jederzeit der Fall sein. Ich bin im Europäischen Parlament, um die Franzosen auf dem Laufenden darüber zu halten, was dort passiert. Offensichtlich mache ich das mit einiger Qualität, da die Quote der Europaskeptiker in Frankreich ständig zunimmt. Ich mache das auch, um das Europa der Zukunft zu gestalten. Ich glaube an Europa, aber nicht an das Europa, das wir zurzeit haben.

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