Mario Draghi: Anleihekäufe nur bei Deflationsgefahr

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Mario Draghi: Anleihekäufe nur bei Deflationsgefahr

Anleihekäufe in großem Stil gehören nach Worten von EZB-Chef Mario Draghi zwar zum Waffenarsenal der Notenbank, sollten jedoch erst bei drohender Deflation zum Einsatz kommen.

Derzeit konzentrierten sich die Frankfurter Währungshüter zunächst einmal auf die Anfang des Monats verkündete Lockerung der Geldpolitik, sagte Draghi der Zeitung "De Telegraaf" (Samstagausgabe). Auf die Frage, was geschehen müsse, damit die EZB mit dem Kauf von Schuldtiteln Geld in die Wirtschaft pumpe, antwortete Draghi: "Das wäre die Antwort auf eine Verschlechterung der Inflationserwartungen auf mittlere Sicht."

Zinsen bleiben längere Zeit niedrig

Der Kauf von Staatsanleihen - im Fachjargon quantitative Lockerung genannt - "ist in der Tat innerhalb unseres Mandats möglich, wenn die Käufe dazu dienen, die Preisstabilität zu wahren", erklärte Draghi. "Quantitative Lockerung kann nicht nur Staatsanleihen beinhalten, sondern auch Kredite aus dem Privatsektor. Wir werden darüber reden, wenn die Zeit dafür reif ist." Draghi betonte jedoch, dass die EZB bislang keine Anzeichen von Deflation im Sinne eines Preisrückgangs auf breiter Front in der gesamten Euro-Zone wahrgenommen habe.

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EZB-Politik ist auch für Sparer gut


Draghi sagte zudem, dass die wirtschaftliche Erholung noch nicht in trockenen Tüchern ist. Störungen in der Weltwirtschaft könnten die Situation schnell ändern, warnte er. Zudem stelle die hohe Arbeitslosigkeit eine Gefahr für das bislang sehr ungleichmäßige Anziehen der Konjunktur in der Euro-Zone dar. "Die Zinsen werden für eine längere Zeit niedrig bleiben", versicherte Draghi.

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Vor allem aus Deutschland hatte es Kritik gehagelt, als Draghi Anfang des Monats eine weitere Zinssenkung bekanntgab. Die künftige Wirtschaftsweise Isabel Schnabel verteidigte nun jedoch die Beschlüsse der EZB. "Auch die Sparer profitieren von einer Stabilisierung der Euro-Zone. Insofern ist es falsch, es so darzustellen, als ob die Sparer nur Nachteile durch die geringen Zinsen hätten", sagte Schnabel der "Mainzer Allgemeinen Zeitung" (Samstagausgabe). "Wenn man die Krise nicht in den Griff bekommt, wird das noch viel schmerzhafter und teurer." Schnabel sieht in den niedrigen Zinsen aber auch Risiken. Es steige "die Gefahr von Preisblasen bei Immobilien und Aktien", warnte sie.

Die 42-Jährige, seit 2007 an der Mainzer Universität Professorin für Volkswirtschaftslehre, ist von der Bundesregierung als Nachfolgerin von Claudia Buch als Mitglied des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung vorgeschlagen worden - den sogenannten Wirtschaftsweisen. Buch wechselte zur Bundesbank.

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