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Mario Draghi: Der Schattenbanker: Finanzalchemie à la Draghi

von Frank Doll

Als Chef der Banca d’Italia legte EZB-Präsident Mario Draghi den Grundstein für ein europäisches Schattenbankensystem unter Führung der nationalen Notenbanken. Ein System, das hauptsächlich dazu geschaffen wurde, Geschäftsbanken und ihre Eigentümer auf Kosten der europäischen Steuerzahler vor Pleiten und Verstaatlichungen zu schützen.

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Bild: dapd

Die Europäische Zentralbank (EZB) und ihr Präsident Mario Draghi geraten immer tiefer hinein in den Strudel um die italienische Skandalbank Banca Monte dei Paschi die Siena (BMP). Jetzt wurde bekannt, dass die Banca d’Italia im Oktober 2011, also noch unter der Führung Draghis, der strauchelnden BMP einen wertpapierbesicherten Kredit in Höhe von zwei Milliarden Euro verabreichte, aber weder Öffentlichkeit noch das italienische Parlament darüber informierte.

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Verständlich, lief der Deal doch hinaus auf eine geheime Rettung der BMP durch die Banca d`Italia. Derivateverluste und die Verluste aus der überteuerten Übernahme der Banca Antoveneta hatten das Bankhaus aus Siena damals in eine Liquiditätskrise gestürzt. Mangels EZB-fähiger Wertpapiere konnte sich die BMP bei der EZB kein Geld mehr beschaffen.

Die Rolle der EZB nach dem Maastricht-Vertrag

  • Kaufverbot für Anleihen

    Artikel 104 (1) Überziehungs- oder andere Kreditfazilitäten bei der EZB oder den Zentralbanken der Mitgliedstaaten (...) für Organe oder Einrichtungen der Gemeinschaft, Zentralregierungen, regionale oder lokale Gebietskörperschaften oder andere öffentlich-rechtliche Körperschaften, sonstige Einrichtungen des öffentlichen Rechts oder öffentliche Unternehmen der Mitgliedstaaten sind ebenso verboten wie der unmittelbare Erwerb von Schuldtiteln von diesen durch die EZB oder die nationalen Zentralbanken.

  • Keine gemeinsame Haftung

    Artikel 104 b (1) Die Gemeinschaft haftet nicht für die Verbindlichkeiten der Zentralregierungen, der regionalen oder lokalen Gebietskörperschaften oder anderen öffentlich-rechtlichen Körperschaften, sonstiger Einrichtungen des öffentlichen Rechts oder öffentlicher Unternehmen von Mitgliedstaaten und tritt nicht für derartige Verbindlichkeiten ein. (...)

  • Die Unabhängigkeit

    Artikel 107 Bei der Wahrnehmung der ihnen durch diesen Vertrag und die Satzung des ESZB übertragenen Befugnisse, Aufgaben und Pflichten darf weder die EZB noch eine nationale Zentralbank, noch ein Mitglied ihrer Beschlussorgane Weisungen von Organen oder Einrichtungen der Gemeinschaft, Regierungen der Mitgliedstaaten oder anderen Stellen einholen oder entgegennehmen.

  • Die Preisstabilität

    Artikel 105 (1) Das vorrangige Ziel des ESZB (Europäisches System der Zentralbanken, d. Red.) ist es, die Preisstabilität zu gewährleisten. Soweit dies ohne Beeinträchtigung des Zieles der Preisstabilität möglich ist, unterstützt das ESZB die allgemeine Wirtschaftspolitik in der Gemeinschaft, um zur Verwirklichung der in Artikel 2 festgelegten Ziele der Gemeinschaft beizutragen.

Also sprang die italienische Notenbank ein. Sie nahm Anleihen und Hypothekenpapiere von zweifelhafter Bonität in die eigene Bilanz und reichte dafür liquide italienische Staatsanleihen im Volumen von zwei Milliarden Euro aus. Für die Staatsanleihen konnte sich die BMP dann bei der EZB zwei Milliarden Euro Liquidität beschaffen. Damit war das Aus der 1472 gegründeten Bank vertagt.

Auch für den letzten Zweifler dürfte nun klar sein, dass die italienische Notenbank unter ihrem damaligen Präsidenten Draghi sehr wohl wusste von der Schieflage der drittgrößten italienischen Bank und von den Hintergründen. Eingeweiht gewesen sein dürfte aber auch die EZB unter ihrem damaligen Präsidenten Jean-Claude Trichet. Denn ähnliche Transaktionen sollen laut Fabrizio Saccomanni, dem Generaldirektor der Banca d’Italia, überall in Europa von den nationalen Notenbanken durchgeführt worden sein - im Geheimen und zu Lasten des europäischen Steuerzahlers.

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Denn dieser ist es, der haftet für die zweifelhaften Forderungen der Geschäftsbanken, die so in den Bilanzen der Notenbanken landen. De facto Pleitebanken können de facto unter Ausschluss der Öffentlichkeit zweifelhaften Wertpapierschrott bei den nationalen Notenbanken abladen und erhalten dafür im Gegenzug Staatsanleihen, deren Zins- und Schuldendienst vom Steuerzahler getragen wird.

Draghi legte mit der Finanztransaktion zwischen der Banca Monte dei Paschi di Siena und der Banca d'Italia den Grundstein für ein europäisches Schattenbankensystem unter Führung der nationalen Notenbanken. Ein System, das hauptsächlich dafür geschaffen wurde, Geschäftsbanken und ihre Eigentümer auf Kosten der Steuerzahler vor Pleite und Verstaatlichung zu schützen.

Das ist der eigentliche Skandal.

8 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 13.02.2013, 09:27 Uhreli

    Darum wird das ja so stark betrieben, die wollen ihre Hände in Unschuld waschen und Chaos erzeugen, damit die ihren Sessel Retter wie Phönix aus der Asche das Chaos beseitigen können. Dieser Erfolg sei ihnen nicht gegönnt. Wir sollten uns endlich aufmachen und wehren.

  • 11.02.2013, 20:59 UhrSilverager

    Mich wundern die kriminellen Machenschaften der Mafia-Bänkster, die da dauernd Gottes Werk verrichten, schon lange nicht mehr.

  • 11.02.2013, 17:51 UhrTraumschau

    Danke für diesen Artikel! Das internationale Finanzkartell ist nichts anderes als eine Finanz-Mafia! Europa ist m.E. nur die Spitze des Eisbergs. Wer in Anbetracht der Skandale um die Manipulation des Libor, etc., immer noch glaubt, das sei eine Verschwörungstheorie, dem ist dann auch nicht mehr zu helfen. Es ist gängige "Verschwörungspraxis". Ich möchte damit aber nicht die zahllosen Banken, die ein seriöses Geschäft betreiben, mit dieser Clique in einen Topf werfen. Wenn z.B. Rajoy in Spanien den Austeritätskurs verlassen will, Papandreou in Griechenland einen Volksentscheid durchführen will, dann werden diese durch GS-Jünger oder deren "Mitstreiter" ersetzt. Nun ja, Merkel hat Rajoy ja schon "den Rücken gestärkt". Ein sicheres Indiz dafür, dass die Sache schon gelaufen ist ...

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