Matteo Renzi: Italiens mutiger Reformer

Matteo Renzi: Italiens mutiger Reformer

von Nora Jakob

Die Italiener haben die schlimmste Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg durchlebt. Italien steckte tief in der Rezession. Aber mit dem Land geht es wieder aufwärts - auch dank Renzis Reformwillen.

Seit mehr als einen Jahr ist Italiens Ministerpräsident schon im Amt - und die Erwartungen an ihn sind nach wie vor groß. Er soll das hoch verschuldete Land endlich aus der Krise führen. Und das ist auch dringend nötig: Die Arbeitslosigkeit stagniert bei über 12,5 Prozent, die Staatsverschuldung bei über 132 Prozent – gemessen am BIP.

An anderer Stelle scheint Italiens Ministerpräsident allerdings erfolgreicher zu sein: Die Wirtschaft befreit sich langsam aus einer langen Konjunkturflaute und verzeichnet einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um 0,3 Prozent zum Vorquartal. Das war das erste Wachstum seit Mitte 2013. Für 2015 sagt die EU-Kommission Italien ein Wirtschaftswachstum von 0,6 Prozent voraus, das sich 2016 auf 1,4 Prozent beschleunigen soll.

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Wissenswertes über Italien

  • Italiener leben lang – und ungesund

    Das Klima und die mediterrane Küche sind wohl ausschlaggebend für die hohe Lebenserwartung der Italiener. In Europa führen sie die Liste aller OECD-Staaten an, weltweit belegen sie den zweiten Platz. Die Lebenserwartung beträgt bei Frauen circa 83 Jahre, bei Männern 78 Jahre. Ungefähr 19 Prozent der Italiener sind älter als 65 Jahre.

    Dennoch ist auch im Stiefelstaat der Trend zum Übergewicht festzustellen. Italien hat der adipösen Gesellschaft den Kampf angesagt und so gibt es in Italien einige Krankenhäuser, die sich ausschließlich um fettleibige Patienten kümmern.

  • Das sind die reichsten Italiener

    Der Süßwarenfabrikant Michele Ferrero ist der reichste Mann Italiens. Sein Vermögen wird auf 17 Milliarden Dollar geschätzt. Leonardo Del Vecchio, Gründer von Luxottica, folgt auf Rang zwei.

  • Verkaufsschlager Wein und Öl

    Die italienische Landwirtschaft spielt insgesamt keine große Rolle. In zwei Bereichen sind die Italiener dennoch Weltspitze: So produzierte das Land 2010 rund 44,8 Millionen Hektoliter Wein. Nur Frankreich stellt mehr Wein her. Außerdem ist Italien, nach Spanien, der zweitgrößte Erzeuger von Olivenöl.

  • Italiens beste Kunden

    Italiens Handelspartner befinden sich in direkter Nähe zu dem Land. Deutschland ist der wichtigste Partner, gefolgt von Frankreich. Italiens Produkte erfreuen sich besonders in Großbritannien, Spanien und den USA großer Beliebtheit. Importiert wird aus den Niederlanden, China, Libyen und Russland.

  • Was kann Italien besser als Deutschland?

    Eindeutig Brillen herstellen! Denn Luxottica, mit Sitz in Agordo (Provinz Belluno) ist der weltgrößte Brillenhersteller. Seit 1995 kauft das italienische Unternehmen US-Marken wie Ray-Ban und Oakley auf.

  • Italiens "Blaue Banane"

    Mailand, Turin und Genua sind die größten Wirtschaftszentren Italiens. Sie sind Teil des europäischen Wirtschaftsraumes, der durch neun Länder führt und "Blaue Banane" heißt. Zentrale Einrichtungen der Europäischen Union und 20 Weltstädte befinden sich in der Zone. Hier sind die Bevölkerung, die Wirtschaft, das Kapital und die Infrastruktur sehr gut verwoben und bilden somit eine wirtschaftliche Achse Europas. Vergleichbar ist dieser Wirtschaftsraum mit BosWash in den USA.

  • Die kuriosesten Gesetze

    Kuriose Gesetze sind in Italien keine Seltenheit. So müssen Hunde dreimal täglich Gassi gehen. Die Polizei darf sich bei den Nachbarn auch erkundigen, ob dies eingehalten wird. Hohe Geldstrafen sind ausgesetzt, wer sich nicht an die Gesetze halten will. Wer sich in der Lombardei abends auf einer Bank ausruhen will, muss sich vergewissern, dass nicht mehr als drei Personen Platz nehmen. Denn in einem öffentlichen Park ist dies streng reglementiert.

  • Reich an Kultur

    Italien ist das Land mit den meisten Welterbestätten. Italien ist in Besitz von 100.000 Denkmälern. Darunter befinden sich nicht nur Kirchen, Galerien und Schlösser. Auch archäologische Funde, Brunnen und Villen fallen unter den Denkmalschutz.

Diesen Trend sieht auch Erwin Rauhe, Präsident der deutsch-italienischen Handelskammer. Die Reformen, die Italiens Ministerpräsident angestoßen habe, greifen langsam und langfristig werde es der italienischen Wirtschaft besser gehen. Das liegt nicht zuletzt auch an der Arbeitsmarktreform, die der Senat im Dezember gebildet hat, und die alleine im März dieses Jahres 92.000 neue Jobs geschaffen hat.

Popularität Renzis extrem gesunken

„Renzi hat sein erstes Jahr vor allem institutionellen Reformen gewidmet, die alle noch eine Baustelle sind – erst seit Ende letzten Jahres hat er sich der Finanzpolitik zugewandt“, sagte Francesco Galietti vom politischen Think Tank Policy Sonar, der Deutschen Presse-Agentur Anfang des Jahres. Seine Popularität sei aber extrem gesunken, wegen der Art, wie er Wirtschaftsreformen angehe. „Renzis größte Herausforderung bleibt es, Reformen in einem feindlichen und sehr fragmentierten parlamentarischen Umfeld durchzubringen, wo Konsens nur wegen des Paktes mit Berlusconis Forza Italia möglich war“, so Experte Galietti weiter.

Renzi ein Jahr im Amt Die Baustellen des Matteo R.

Er twitterte schon über Gewichtsprobleme und weiß, wie man sich gut verkauft. Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi hat nach einem Jahr im Amt einiges geschafft. Aber die versprochene Wende lässt noch auf sich warten.

Matteo Renzi ist seit einem Jahr italienischer Ministerpräsident Quelle: dpa

Allerdings zeigt sich so an mehreren Stellen auch das Geschick eines Matteo Renzi, sich immer wieder Mehrheiten zu beschaffen, wie im Falle des neuen Wahlrechtsgesetz, das Anfang Mai verabschiedet wurde und exemplarisch für den unbedingten Reformkurs des italienischen Ministerpräsidenten steht. Konkret geht es darum, der italienischen Regierungen, zukünftig stabile Mehrheiten zu garantieren – und dem Land so Kontinuität zu verleihen. Schließlich hatte das Land seit Kriegsende 62 Regierungen.

Renzi selbst hatte es als eines der „wichtigsten Reformprojekte“ bezeichnet und im Falle des Scheiterns mit seinem Rücktritt gedroht. Am Ende gab es 334 Ja- und 61 Nein-Stimmen. Ein gutes Ergebnis – aber nur auf den ersten Blick.

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