Max Aengevelt: "Der Westen verhält sich falsch gegenüber Russland"

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InterviewMax Aengevelt: "Der Westen verhält sich falsch gegenüber Russland"

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Max Aengevelt im Interview mit der WirtschaftsWoche.

von Reinhold Böhmer

Max Aengevelt ist der Sohn von einem der größten Gewerbeimmobilienmakler Deutschlands und arbeitet für eine Handelskette in der Ukraine. Im Interview äußert er sich kritisch über die Politik der EU.

WirtschaftsWoche: Herr Aengevelt, Sie arbeiten seit Anfang des Jahres in Odessa in der Süd-West-Ukraine, wo Sie für die Handelskette TavriaV bei der Neuordnung ihrer Immobilien beraten. Was halten Sie davon, dass Ex-Kanzler Gerhard Schröder heute bei einem Wirtschaftstreffen in Rostock erklärt: „Ich stehe dazu, dass ich Russland, seine Menschen und seine politische Führung verstehen will. Ich schäme mich dafür nicht, im Gegenteil: Ich bin stolz darauf.“?
Max Aengevelt: Ich unterstütze das. Schröder sollte seine Freundschaft mit Russlands Staatspräsidenten Wladimir Putin nutzen, um die Wogen zu glätten und den Kontakt aufrecht zu halten. Je größer der Austausch zwischen Russland und Deutschland ist, desto mehr kann man auf eine Entspannung der Lage hoffen.

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Zur Person

  • Max Aengevelt

    Max Aengevelt (27), Sohn des geschäftsführenden Gesellschafters Dr. Lutz W. Aengevelt, einem der größten Gewerbeimmobilienmakler Deutschlands, war nach Abschluss seines internationalen Immobilienstudiums bis Mitte 2014 in der Niederlassung Berlin von Aengevelt Immobilien im Bereich „Investment“ tätig. Seit seit Frühjahr 2014 arbeitet er in Odessa für die Handelskette TavriaV, die er bei der Neuordnung ihrer Immobilien berät.

Wie sehr spüren Sie in Odessa die Spannungen mit Russland?
Zurzeit merken wir hier weniger davon als im Vergleich zu anderen Regionen der Ukraine. Odessa war größtenteils stabil. Wir hatten, trotz der schlechten Lage im Land, vor allem in der Region Odessa einen positiven Geschäftsverlauf über den Sommer. Dies liegt auch daran, dass Odessa wirtschaftlich nicht so abhängig von Russland ist wie zum Beispiel der Osten des Landes, wo die Schwerindustrie beheimatet ist. Allerdings muss ich sagen, dass es auffiel, das es in diesem Jahr praktisch keine russischen Touristen in Odessa gab. Normalerweise trifft man hier in den Sommermonaten auf viele gut betuchte Russen, die hier Urlaub machen.

Der Hauptgesellschafter Ihres Auftraggebers TavriaV gilt nicht nur als wohlhabendste Person der Region Odessa. Er ist nebenbei auch seit kurzem Ihr Schwiegervater. Wie beurteilen Sie in dieser Doppelrolle die Sanktionsspirale zwischen dem Westen und Russland?
Erst einmal ist mir wichtig zu sagen, dass der Hauptgesellschafter Boris Muzalev keiner jener sogenannten Oligarchen ist, die ihr  Vermögen aus teilweise fragwürdiger Privatisierung von Staatsbetrieben nach dem Ende der Sowjetunion zu verdanken hat. Er war vor dem Zusammenbruch der Sowjetunion Arzt und hatte damals erkannt, dass es im zukünftigen System keine Nachfrage nach weiteren Ärzten geben wird und hat sich deshalb umorientiert. Er hat dann klein angefangen, zum Teil sogar selbst in den ersten Läden seine Ware verkauft und dann nach und nach sein Unternehmen zu  einem Konzern ausgebaut, der heute der größte private Arbeitgeber und Steuerzahler der Region ist.

Ukraine-Krise Schröder warnt vor Sanktionsspirale gegen Russland

Ex-Kanzler Gerhard Schröder zufolge fügen die von den USA und der EU verhängten Sanktionen gegen Russland beiden Seiten erheblichen Schaden zu. Schröder warnt daher vor weiteren Sanktionen in der Ukraine-Krise.

Warnt vor neuen Russland-Sanktionen: Gerhard Schröder. Quelle: dpa

Was wollen Sie damit sagen?
Dass TraviaV niemandem in der Ukraine politisch verpflichtet ist und dass dies ohne Einschränkung auch für mich gilt. Von mir können Sie eine ehrlich gemeinte Einschätzung der Ukraine-Krise erwarten.

Und die wäre?
Dass Deutschland, die EU und der Westen sich falsch und provozierend gegenüber Russland verhalten.

Wie kommen Sie zu dieser Meinung?
Lassen Sie mich mit einem Beispiel beginnen. Der heutige russische Staatspräsident Wladimir Putin hat zwölf Jahre lang die Olympischen Winterspiele in diesem Jahr in Sotschi am Schwarzen Meer vorbereitet. Und dann hat kein westliches Staatsoberhaupt die Wettkämpfe besucht. Das wäre so, als wenn zu einem Ihrer runden Geburtstage niemand Ihrer Freunde kommen würde.

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