McKinsey-Studie: Wie Europa sein Wachstumspotenzial ausschöpfen kann

McKinsey-Studie: Wie Europa sein Wachstumspotenzial ausschöpfen kann

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Mit Europa könnte es bald wieder bergauf gehen.

Um Europa ist es besser bestellt, als viele glauben. Mitarbeiter von McKinsey haben in einer Studie Reformvorschläge herausgearbeitet, mit denen das europäische Wachstumspotenzial entfaltet werden kann.

Um Europa könnte es besser stehen, als die Krisenstimmung glauben lässt. Während in den Medien vor allem Grexit und Brexit durchexerziert werden, werde das europäische Wachstumspotenzial, die immer noch hohe Lebensqualität und die große Wirtschaftskraft außer Acht gelassen, wie das McKinsey Global Institute in seiner Studie „A window of opportunity for Europe“ schreibt.

„Manche Beobachter haben Europa schon abgeschrieben. Das ist ein Fehler“, sagt Eckart Windhagen, einer der Autoren der Studie. Demnach könnten laut der Unternehmensberatung McKinsey bis 2025 bis zu 20 Millionen zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen werden und die Wirtschaft könnte um 4,5 Billionen Euro wachsen.

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Für die Studie hat McKinsey die wirtschaftliche Entwicklung in den 28 EU-Ländern sowie in der Schweiz und Norwegen untersucht und dabei Reformmaßnahmen identifiziert, die in einzelnen Ländern bereits funktioniert haben und auf gesamteuropäischer Ebene das jährliche Wirtschaftswachstum um zwei bis drei Prozent erhöhen könnten.

Vonnöten dafür seien konsequente Reformen, gezielte staatliche Investitionen sowie Lohnerhöhungen und Anpassungen im Steuerrecht. So könnte das europäische Wachstumspotenzial, das durchaus vorhanden sei, ausgeschöpft werden. Die Voraussetzungen für Reformen seien aktuell denkbar gut.

Der stark gesunkene Ölpreis, die niedrigen Zinsen und der schwache Euro bieten laut den Autoren beste Wachstumschancen, da die europäischen Produkte so im Ausland aktuell billiger angeboten werden könnten. „Diese drei Effekte werden allerdings nicht dauerhaft anhalten“, so Windhagen.

Das spricht für eine anziehende Konjunktur

  • Niedriger Euro - billiges Öl

    Der Einbruch des Ölpreises und der niedrige Euro wirken wie ein Konjunkturpaket für die Wirtschaft. Vor allem günstiges Tanken und Heizen lässt den Verbrauchern Spielraum für zusätzliche Ausgaben. Die Stimmung der Konsumenten ist nach Berechnungen der GfK-Marktforscher derzeit so gut wie seit mehr als 13 Jahren nicht mehr. Viele Unternehmen werden auf der Kostenseite entlastet. Ihnen spielt zudem der billige Euro in die Karten, der die Exporte nach Übersee günstiger macht. Dies dürfte sich nach Ansicht von Experten künftig auch stärker in den Außenhandelszahlen niederschlagen.

    Quelle: Reuters

  • Guter Arbeitsmarkt

    2015 dürfte es wieder einen Beschäftigungs-Rekord geben. Zudem sank die Zahl der Arbeitslosen im vorigen Monat auf 2,93 Millionen - dies ist die geringste Arbeitslosigkeit in einem März seit 1991. "Das Risiko, arbeitslos zu werden, ist sehr, sehr gering", sagt Frank-Jürgen Weise, Chef der Bundesagentur für Arbeit. Die Jobsicherheit schiebt - zusammen mit niedrigen Zinsen und höheren Löhnen - den Konsum der Deutschen an.

  • Krisenländer holen auf

    Nach Jahren der Rezession geht es in vielen ehemaligen Krisenstaaten wieder spürbar bergauf - allen voran in Irland und Spanien. Auch Portugal und Griechenland kommen besser in Schwung. Davon könnte Deutschland als Exportnation profitieren.

Umso nötiger seien Reformen. Den größten Einfluss hätten laut McKinsey Maßnahmen, die den grenzüberschreitenden Markt von Dienstleistungen und Digitalangeboten förderten. Damit könnte die europäische Wirtschaftsleistung um 850 Milliarden Euro wachsen. Ähnlich effizient sei es, ältere Menschen, Frauen und Zuwanderer stärker in die nationalen Arbeitsmärkte zu integrieren.

Weiter fordern die Autoren eine bessere Abstimmung von universitärer und beruflicher Ausbildung auf die Bedürfnisse des Arbeitsmarkts. Auch in Deutschland sei das nötig. Insgesamt könne diese Maßnahme der EU ein Wachstum von 460 Milliarden Euro bescheren.

Auch längere Lebensarbeitszeiten sowie mehr Freihandel stehen auf der Reformliste von McKinsey. Individuell müsse in jedem Land zudem geprüft werden, ob Veränderungen in der Tarifpolitik und damit einhergehende höhere Löhne und niedrigere Steuern die Nachfrage stärkten.

Positiv auf die Nachfrage soll sich auch eine schwächere Besteuerung niedrigerer und mittlerer Gehälter auswirken. Denn ärmere Haushalte würden einen Großteil ihres Einkommens gleich wieder ausgeben und so die Wirtschaft stärker antreiben als etwa ältere Menschen, die ihr Vermögen auf die hohe Kante legen.

Da ebenjene ältere Menschen einen überproportionalen Anteil des europäischen Gesamtvermögens besäßen, sollten Instrumente wie eine höhere Erbschaftssteuer dafür sorgen, dass sie ihr Geld entweder zu Lebzeiten ausgeben oder es frühzeitig in Form von Schenkungen an ihre Nachfahren weiterreichen.

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Ein Gros der Reformen könne auf nationaler Ebene durchgesetzt werden und damit verbunden 75 Prozent des möglichen Wachstums – nur für ein Viertel sei die EU-Ebene verantwortlich.

Dass solche Reformen auch Anklang innerhalb der Bevölkerung finden, hat McKinsey mittels einer Umfrage belegt. 16.000 Europäer in acht Ländern – darunter auch Deutschland – wurden befragt. Das Ergebnis: Für mehr Wachstum und eine höhere Chance auf persönlichen Wohlstand, sei "ein Großteil" der Befragten bereit, Reformen hinzunehmen.

Für ein höheres Einkommen, eine bessere Gesundheitsvorsorge, mehr Bildung, Sicherheit und höhere Umweltstandards würden sie sogar 1,8 Stunden mehr pro Woche arbeiten.

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