Mehr Konvergenz: Studie zerlegt ein zentrales Euro-Versprechen

Mehr Konvergenz: Studie zerlegt ein zentrales Euro-Versprechen

von Tim Rahmann

Der Euro – so versprachen es die Gründerväter – sollte die wirtschaftlichen Verhältnisse der Mitgliedsländer und die Preise angleichen. Eine Studie zeigt nun: Das Gegenteil ist der Fall.

Ein gemeinsamer Währungsraum braucht ein gemeinsames Geld. Mit diesem Grundverständnis warben die Euro-Befürworter aus Politik und Wirtschaft in den 1990er-Jahren für die Einheitswährung. Sie versprachen: Unter dem Dach einer gemeinsamen Geldpolitik sollten alle Länder von stabilen Preisen und mehr Wohlstand profitieren. Schließlich könnten sie Euro-Bürger die Preise einfach und schnell länderübergreifend vergleichen. Dies würde Unternehmen davon abhalten, unterschiedliche Preise zu verlangen. Oder in der Fachsprache ausgedrückt: Preisdiskriminierung zu betreiben. Stattdessen würden sich – so die Vision – die Preise angleichen und sinken.

Doch was ist aus dem Versprechen geworden? Nicht viel, glaubt man Bundesbanker Christoph Fischer. Er hat in einer Studie 2009 untersucht, ob es einen europaweiten Preiswettbewerb gibt. Über zehn Jahre verglich er die Preise von Waschmaschinen. Sein Urteil: Die Preise haben sich „keineswegs länderübergreifend aneinander angenähert (…). Eher ist das Gegenteil der Fall.“

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In diesem Jahr aktualisierte Fischer seine Studie; sie ist vor Kurzem im Fachblatt „European Economic Review“ veröffentlicht worden. Wieder hat Fischer den Markt für Waschmaschinen unter die Lupe genommen, da hier am ehesten ein ausgeglichener Markt bestehen müsste. Es gibt keine nationalen Unterschiede beim Kauf der Waschmaschine. Sie ist kein Statussymbol. Geht die alte Maschine kaputt, kauft man eine neue. Das ist im Regelfall in Deutschland nicht anders als in Spanien.

Mehrere Hunderttausend Preise analysiert

Zweiter Vorteil: Es gibt nur wenige internationale Hersteller, in den meisten Ländern müssen Waschmaschinen importiert werden. Für seine Analyse griff Fischer auf eine Datenbank zurück, die 90 Prozent aller Waschmaschinenkäufe in Europa aufführt. Zwischen 1995 und 2005 waren das mehrere Hunderttausend Geräte.

Um die Preise vergleichen zu können, berechnete der Bundesbanker den Preis einer „Durchschnittsmaschine“. Dafür bereinigte er die Beträge um den Teil, der auf Unterschiede in der Ausstattung zurückzuführen ist. Sind Trocknerfunktionen und hohe Wattzahlen heruntergerechnet, bleiben nur die Preisunterschiede, die einzig durch nationale Unterschiede zu erklären sind.

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