Meisterflüsterer: Auf der Suche nach einer neuen Strategie für Frankreich

Meisterflüsterer: Auf der Suche nach einer neuen Strategie für Frankreich

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Francois Hollande gehört zu den Politikern, die die Meinung und Beratung von Jean Pisani-Ferry schätzen.

von Karin Finkenzeller

Jean Pisani-Ferry versucht bei Frankreichs Präsident François Hollande die Reformlust zu wecken. Er weiß, dass er einen langen Atem braucht.

Angela Merkel gehört sicher nicht zum Fan-Club von Jean Pisani-Ferry. Dessen Forderung, Euro-Bonds als „natürliche Gegenleistung“ für die Vorabkontrolle der nationalen Haushalte durch die EU-Kommission einzuführen, stößt bei der Kanzlerin auf Widerstand. Eine Vergemeinschaftung der Risiken in der Währungsunion? Das liegt jenseits der roten Linie der Kanzlerin.

Der französische Präsident François Hollande und Ministerpräsident Manuel Valls schätzen Pisani-Ferry dafür umso mehr. Der Ökonomieprofessor und Gründer des einflussreichen Brüsseler Thinktanks Bruegel ist seit 2013 ihr Strategieberater. Doch wer glaubt, Pisani-Ferry würde den regierenden Sozialisten nach dem Mund reden oder Argumentationshilfe für Reformschwächen und die notorischen Überschreitung der Verschuldungsgrenze liefern, der irrt. „Seit 15 Jahren macht Frankreich Versprechungen und hält sie nicht“, kritisiert der 63-Jährige. Das Land habe „ein schweres Glaubwürdigkeitsproblem“. Hollande hielt die Kritik nicht davon ab, 2014 persönlich eine Studie bei Pisani-Ferry in Auftrag zu geben, die einen passenden Titel trägt: „Frankreich in zehn Jahren: Die Baustellen des Jahrzehnts“.

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Der Sohn des ehemaligen Ministers Edgar Pisani studierte zunächst Ingenieurwissenschaften und Mathematik, ehe er die Ökonomie entdeckte. „Unser Ziel ist nicht, es allen recht zu machen“, sagt der Ökonom über sich und seinen Stab von 40 Mitarbeitern bei France Stratégie. Die von ihm geführte Behörde hat die Aufgabe, Gesetzesvorhaben zu begleiten, aber auch Perspektiven zu liefern, die über eine Legislaturperiode hinausreichen .„Wir sind Wegbereiter und stoßen Debatten an, die zu Veränderungen führen können.“ Gerade erst hat seine Truppe eine Studie vorgelegt, dass bis 2022 jährlich bis zu 830 000 neue Stellen vor allem in Pflegeberufen und im IT-Sektor geschaffen werden könnten.

Frankreich Aufstieg des Front National ist unterbrochen

Bei der Départementswahl in Frankreich landen die gemäßigten Konservativen auf dem ersten Platz. Die Rechtsextremen schneiden dagegen schlechter als erwartet ab.

Die konservative Partei UMP des früheren Präsidenten Nicolas Sarkozy hat nach Hochrechnungen die erste Runde der französischen Départementswahlen gewonnen. Quelle: AFP

Der in Boulogne-Billacourt südwestlich von Paris geborene Familienvater ist überzeugter Europäer und Sozialdemokrat. Beide Eigenschaften sind in einem Land, das die EU zunehmend als Fußfessel für den großzügigen Sozialstaat empfindet und Sozialdemokraten als in Wolle gewaschene Konservative ansieht, keine natürlichen Voraussetzungen für eine Karriere unter einer sozialistischen Regierung. Ist seine Berufung also ein Zeichen, dass der Reformwille bei Hollande nicht ganz verschwunden ist?

So erhielt Pisani-Ferry etwa die Aufgabe, die wirtschaftlichen und sozialen Folgen einer der wichtigsten, aber auch umstrittensten Reformen der Regierung zu bewerten: die steuerliche Entlastung der Arbeitgeber um Milliardenbeträge, wenn sie neue Jobs schaffen. Auch die Notwendigkeit der zum Jahreswechsel im Parlament verabschiedeten Gebietsreform hat er mit Fakten untermauert. Unter anderem im Elsass, das nicht mit den finanziell schwächeren Regionen Lothringen und Champagne-Ardennes fusionieren wollte, nahm er Kritikern den Wind aus den Segeln. Ab 2016 soll Frankreich nur noch 13 statt 22 Regionen haben und so mittelfristig zehn Milliarden Euro an Verwaltungskosten sparen.

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