Milchquote: Die Menge macht´s

Milchquote: Die Menge macht´s

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Ein Tropfen Milch

von Konrad Fischer

Anfang April läuft nach 31 Jahren die europäische Milchquote aus. Verschläft Deutschland die Chancen der Liberalisierung?

Was für Schiedsrichterleistungen gilt, stimmt auch bei der Milchquote: Alles eine Frage der Perspektive. Im Foyer des Landwirtschaftsministeriums in Dublin läuft seit Wochen ein digitaler Countdown, der am 31. März endet. Denn dann soll in Irland der große Milchexportboom beginnen. In Deutschland beschäftigt sich derweil ein Bundestagsausschuss mit der Frage, welche Stützungsmaßnahmen für deutsche Bauern nach diesem Tag nötig sein werden.

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31 Jahre lang sollte die Milchquote dafür sorgen, dass die Bauern in der Europäischen Union nur das produzieren, was die Verbraucher benötigen. Geschaffen wurde die Quote einst als Reaktion auf die sprichwörtlichen Butterberge und Milchseen, das absurde Ergebnis der Brüsseler Agrarsubventionen in den Achtzigerjahren. Die Berge und Seen gibt es seitdem zwar nicht mehr, einen funktionierenden Markt aber ebenso wenig.

Mal waren die in Brüssel errechneten Quoten zu hoch, dann stürzte der Milchpreis so wie 2008 ins Bodenlose, als auch in Deutschland viele Bauern vor dem Ruin standen. Meist aber war die Quote zu niedrig, die Preise gerade in den vergangenen Jahren daher auch ziemlich hoch. Die Produktion aber stoppte deshalb keineswegs: Wer seine Quoten überschritt, musste zwar eine Strafe zahlen, durfte seine Milch aber trotzdem verkaufen.

Die sogenannte „Superabgabe“ bringt dem EU-Haushalt jährlich viel Geld – allein 2014 rund eine Milliarde Euro – für einen fairen Wettbewerb sorgte sie aber ebenso wenig. So bezahlte der italienische Staat jahrelang für seine Bauern die Abgabe und besorgte ihnen so einen netten Wettbewerbsvorteil.

Dass die Quote fallen muss, ist daher schon lange Konsens. Bereits 2003 hat die Union das beschlossen. Was danach kommt, darüber aber gibt es allerdings wilde Spekulationen. So legt sich die „Stiftung Warentest“ auf zwei mögliche Szenarien fest, welche die gesamte Hilfslosigkeit verdeutlichen: Der Milchpreis könnte demnach entweder steigen – oder sinken.  Doch anders als solche Schätzungen nahelegen, wird das nicht vom Zufall abhängen oder einer Laune des Schicksals, sondern von den Bauern selbst.

Viel Milchwirtschaft

Das zeigt der Vergleich zwischen Deutschland und Irland. In beiden Ländern gibt es relativ viel Milchwirtschaft, die deutschen Bauern haben gerade mit dem Export ihrer Produkte nach Fernost in den vergangenen Jahren viel Geld verdient. Auf das Quotenende bereitet man sich aber ganz unterschiedlich vor. Während sich in Deutschland der Milchviehbestand im vergangenen Jahr kaum verändert hat (+ 0,7 Prozent), werden in Irland derzeit 6,4 Prozent mehr Milchkühe gehalten als noch vor zwei Jahren.

Die deutschen Bauern haben das Wachstum der Bestände bewusst zurückgefahren, da man erst abwarten will, welche Folgen das Ende der Quote hat. Gerade viele kleinere Betriebe hoffen derzeit noch darauf, dass ein neues Subventionsinstrument folgen könne, um den Bestand der bäuerlichen Milchwirtschaft zu sichern. Sie mahnen, dass der Strukturwandel in der Landwirtschaft sonst mit unvermindertem Tempo weitergehe.

Die irischen Genossenschaften setzen hingegen voll auf die Chancen der neuen Freiheit: Bereits heute exportieren sie gut 90 Prozent ihrer Milchprodukte, jetzt wollen sie endgültig zur Melkgroßmacht werden. Wenn die deutschen Bauern nachziehen, könnten die Iren den Markt bereits erobert haben.

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Wie jede Veränderung wird die neue Freiheit auf dem Milchmarkt Gewinner und Verlierer hervorbringen – auch innerhalb Deutschlands. Viele deutsche Betriebe sind im Prinzip gut aufgestellt, weil sie in den vergangenen Jahren ihren Export stark ausgebaut haben und ihre Produkte weltweit einen guten Ruf genießen. Der befürchtete Preisverfall scheint eher unwahrscheinlich, da es die Quote schon in den vergangenen Jahren auf die tatsächliche Produktionsmenge kaum noch Einfluss hatte.

Gerade nach der Krise 2008 nutzen die Milcherzeuger zudem ihre Marktstellung besser als zuvor. Die Freigabe der Preise könnte diese letztlich sogar berechenbarer machen, wenn auch die Milchwirtschaft mehr auf den Terminhandel setzt.

Nur einer gewinnt garantiert: der Verbraucher. Weil die Produktion effizienter und die Preise niedriger werden. Oder, weil die Produkte vielfältiger werden. Der Countdown läuft.

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