Nach Attacke im Thalys: Bewaffneter war Sicherheitsbehörden in drei Ländern bekannt

Nach Attacke im Thalys: Bewaffneter war Sicherheitsbehörden in drei Ländern bekannt

Bild vergrößern

Fünf Männer hatten den schwer bewaffneten Mann im Zug überwältigt.

Frankreich feiert die Fahrgäste, die im Thalys einen Mann mit einer Kalaschnikow stoppten. Präsident Hollande will am Montag selbst Danke sagen. Die Hintergründe des Vorfalls erscheinen weiter unklar.

Der im vermutlich letzten Moment im Hochgeschwindigkeitszug von Amsterdam nach Paris überwältigte Bewaffnete hat Beziehungen zu radikalen Islamisten gehabt. Der 26-Jährige sei den Sicherheitsdiensten in Frankreich, Belgien und Spanien bekannt gewesen, teilten die Behörden mit. Der mit Kalaschnikow, Pistole und Messer bewaffnete Mann war am Freitag in dem Thalys von fünf beherzten Reisenden überwältigt worden.

Der französische Innenminister Bernard Cazeneuve sagte, spanische Behörden hätten den französischen Geheimdienst über den Verdächtigen informiert, da er der „radikalen islamistischen Bewegung“ angehöre. Bei dem Vorfall waren drei Menschen verletzt worden.

Anzeige

Die Behörden lobten die eingreifenden Mitreisenden - drei Amerikaner sowie einen Briten und einen Franzosen. US-Präsident Barack Obama telefonierte mit seinen Landsleuten und gratulierte ihnen, wie das Weiße Haus mitteilte. Frankreichs Präsident François Hollande will die Männer, die den Bewaffneten überwältigten, am Montagvormittag empfangen. Hollande wolle ihnen im Pariser Élysée-Palast die „Dankbarkeit Frankreichs“ ausdrücken, teilte das Präsidialamt vorab mit. Sie hätten damit eine „extrem schlimme Tat“ verhindert.

Nach Vorfall im Thalys Ermittler gehen nach Schüssen im Thalys Terror-Spur nach

Der Marokkaner aus dem Thalys wurde schon 2012 als „potenziell gefährlich“ eingestuft. Doch der Mann weist alle Terror-Vorwürfe zurück. Viel Lob gibt es für die „Helden des Thalys“, die den Mann stoppten.

huGO-BildID: 48178883 A police officer uses a video camera at a crime scene inside a Thalys train stopped at a train station in Arras, northern France, Friday, Aug. 21, 2015. A gunman opened fire with an automatic weapon on the high-speed train traveling from Amsterdam to Paris Friday, wounding several people before being subdued by two American passengers, officials said. (AP Photo) Quelle: AP

Der Verdächtige wurde am Sonntag von der französischen Anti-Terror-Polizei befragt. Die Polizisten bestätigten über Fingerabdrücke ihren Verdacht, wonach es sich bei dem 26-Jährigen um denselben Mann handele, auf den sie im Februar 2014 aufmerksam gemacht worden waren, wie ein französischer Beamter sagte. Er soll in der südspanischen Stadt Algeciras eine unter Überwachung stehende Moschee besucht haben und im Mai auch in Berlin gewesen sein.

Der Mann hat die Passagiere eigenen Angaben zufolge ausrauben wollen. Über den Terrorismusvorwurf sei der 26-Jährige entgeistert, sagte seine Anwältin Sophie David am Sonntag dem Sender BFM. Als sie ihm von der Medienaufmerksamkeit erzählt habe, habe er es nicht verstanden. „Er sagt, er habe geplant, den Zug zu überfallen, dann ein Fenster auszuschießen und herauszuspringen, um zu fliehen.“

Nach Angaben des spanischen Innenministeriums lebte der Verdächtige mit seinen Eltern in Algeciras und wurde drei Mal wegen Drogenhandels festgenommen. Die spanischen Zeitungen „El País“ und „El Mundo“ berichteten, der Mann habe in dem relativ armen Viertel El Saladillo gewohnt, das rund 6000 Einwohner und eine Arbeitslosenquote von fast 40 Prozent habe.

Kalaschnikow-Schüsse im Thalys-Zug Verdacht auf terroristischen Hintergrund erhärtet sich

Bei dem Zwischenfall im Thalys-Zug sind Hunderte Fahrgäste auf dem Weg nach Paris möglicherweise nur knapp einem Blutbad entkommen. Mutige Passagiere überwältigen den Angreifer. Nun ermitteln Anti-Terror-Experten.

Nach der Attacke in einem Thalys nach Paris patrouillieren nun Polizisten in den Hochgeschwindigkeitszügen. Quelle: REUTERS

Über die Reisen des Verdächtigen gab es in französischen und spanischen Angaben Diskrepanzen. Aus Kreisen der spanischen Anti-Terror-Einheit verlautete, der Mann habe bis 2014 in Spanien gelebt, sei dann nach Frankreich gezogen, nach Syrien gereist und wieder nach Frankreich zurückgekehrt. Ein den Ermittlungen nahestehender französischer Beamter sagte, das französische Signal sei am 10. Mai in Berlin „ertönt“, wo der 26-Jährige in die Türkei habe fliegen wollen. Die Franzosen hätten diese Information an die Spanier übermittelt, die am 21. Mai informiert hätten, dass der Mann nicht mehr dort, sondern in Belgien wohne. Daraufhin habe die französische Seite Belgien benachrichtigt. Es war aber unklar, ob anschließend überhaupt Maßnahmen ergriffen wurden und wenn ja, welche.

Der Verdächtige wurde am Samstagmorgen in die Zentrale der Anti-Terror-Polizei außerhalb von Paris verlegt. Er kann bis zu 96 Stunden in Gewahrsam gehalten werden.

In Frankreich gelten seit den Terrorangriffen auf die Satire-Zeitschrift „Charlie Hebdo“ und einen jüdischen Supermarkt in Paris mit insgesamt 20 Toten im Januar verschärfte Sicherheitsvorkehrungen. Auf Bahnhöfen patrouillieren Soldaten. Der Fall löste aber eine Diskussion um die Sicherheitsvorkehrungen in Zügen aus. Belgiens Premierminister Michel brachte Pass- und Gepäckkontrollen für die internationalen Thalys-Züge ins Spiel. Er forderte zudem bereits am Samstag ein Krisentreffen der Innen- und Verkehrsminster aus Frankreich, Deutschland, Belgien und den Niederlanden - in diesen Ländern verkehren die Thalys-Züge.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%