Nach Beerdigung von Gezi-Opfer: Heftige Straßenkämpfe in der Türkei

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Nach Beerdigung von Gezi-Opfer: Heftige Straßenkämpfe in der Türkei

In der Türkei verschärft sich die Lage nach dem Tod eines vor neun Monaten bei einem Polizeieinsatz verletzten Jugendlichen wieder. Istanbul erlebt den größten Protest seit Monaten und schwere Zusammenstöße.

Die türkische Metropole Istanbul wird nach dem Tod eines von der Polizei vor neun Monaten verletzten Jugendlichen wieder von schwerer Gewalt erschüttert. Im Anschluss an einen Trauerzug Zehntausender Menschen, die sich zum größten Protest seit dem vergangenen Sommer versammelt hatten, lieferten sich Regierungsgegner und Polizei heftige Straßenkämpfe, wie Augenzeugen berichteten. Nachdem die Polizei Demonstrationszüge zum zentralen Taksim-Platz mit Wasserwerfern, Tränengas und Gummigeschossen gestoppt hatte, feuerten Demonstranten mit Zwillen. Sie warfen Steine und errichteten Barrikaden.

Der 15-Jährige Berkin Elvan war im Juni vergangen Jahres auf dem Höhepunkt der Protestwelle gegen die islamisch-konservative Regierung von einer Tränengasgranate schwer verletzt worden. Er lag seit Juni im Koma. Am Dienstag starb er nach 269 Tagen an seinen Verletzungen. Schon in der Nacht zum Mittwoch demonstrierten daraufhin in Istanbul, Ankara, Izmir und zahlreichen anderen Städten Menschen gegen die Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan. Elvan wurde am Mittwoch beerdigt.

dpa-Reporter berichteten am Mittwoch, die Polizei treibe Demonstranten über den Taksim-Platz und durch die umliegenden Straßen. Allein rund um den Platz hatte die Polizei mindestens fünf Wasserwerfer im Einsatz. Auch im Zentrum der Hauptstadt Ankara ging die Polizei mit Tränengas gegen mehrere tausend Demonstranten vor. Mehr als einhundert Menschen wurden festgenommen. Auf Plakaten wurde Erdogan als „Mörder“ beschimpft. Die Menge in Istanbul skandierte: „Schulter an Schulter gegen Faschismus“ und „Regierung, Rücktritt“. Durch die Straßen rund um den Taksim-Platz zogen am Abend Schwaden von Tränengas.

Die Proteste hatten sich im vergangenen Sommer an Plänen der Regierung entzündet, den Gezi-Park am Rande des Istanbuler Taksim-Platzes zu bebauen. Sie richteten sich bald vor allem gegen Erdogans autoritären Regierungsstil. Der Vorsitzende der oppositionellen Republikanischen Volkspartei (CHP) sagte am Mittwoch, Erdogan sei verantwortlich für den Tod des Jugendlichen.

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Dem Regierungschef, der sich gegen Korruptionsvorwürfe verteidigen muss, warf er vor, sich inzwischen vor allem um das finanzielle Wohl seiner Familie zu kümmern. Vor der für den 30. März angesetzten Kommunalwahl warnte er, die Regierung wolle Gewalttaten provozieren. Dagegen warf Erdogan seinen politischen Gegnern am Mittwoch vor, einen neuen Wahlsieg seiner AKP mit Straßenprotesten verhindern zu wollen. Wer immer Streitigkeiten austragen wolle, solle dies mit der Stimmabgabe bei den Kommunalwahlen tun.

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