Nach dem Dijsselbloem-Schock: Was Zypern von Luxemburg lernen kann

Nach dem Dijsselbloem-Schock: Was Zypern von Luxemburg lernen kann

von Saskia Littmann

Zypern hat gezeigt, wie ein kleiner Staat an seinem überdimensionierten Bankensektor scheitern kann. Das Beispiel Luxemburg zeigt, warum eine aufgeblähte Finanzbranche nicht jeden Staat ins Verderben führt.

Es sind in der Regel die unerwarteten Einschläge, die die Finanzmärkte am stärksten treffen. Der Dijsselbloem-Schock war so einer. Während Börsen und Devisenmärkte die Diskussion um die Rettung Zyperns vergleichsweise gut verkraftet hatten, schaffte es der Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem, die Kurse von einer Minute auf die andere in den Keller zu schicken. Der Niederländer hatte die Rettung Zyperns zur Handlungsvorlage erklärt, die Beteiligung von Aktionären, Anleihe-Gläubigern und Sparern an der Sanierung von Banken tauge als Modell für künftige Hilfsaktionen, sagte Dijsselbloem. Kein Wunder also, dass Anleger umgehend die Bankaktien aus ihren Depots hervorkramten und diese auf den Markt warfen. Der Dax rutschte zeitweise mit 0,66 Prozent ins Minus.

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Doch während sich die Börsen vergleichsweise schnell erholten, haben die Luxemburger immer noch am Dijsselbloem-Schock zu knabbern. Denn, angesprochen auf Staaten wie Luxemburg, Malta oder Slowenien, hatte der Eurogruppenchef eine klare Botschaft versendet: „Stärkt Eure Banken, repariert die Bilanzen und seid Euch im Klaren darüber, wenn Banken in Probleme geraten, kommen wir nicht automatisch, um sie zu lösen", sagte Dijsselbloem im Interview mit britischen „Financial Times“ und der Nachrichtenagentur Reuters.

Seit dem ist in Europa eine heftige Diskussion über die Aussagen des Niederländers entbrannt. EZB-Direktoriumsmitglied Benoit Coeure erklärte sogleich, Dijsselbloem habe da wohl „etwas Falsches gesagt“. Andere wiederum unterstützen die Position des Eurogruppenchefs. EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier sagte im Interview mit dem Handelsblatt, ihm käme es vor allem darauf an, die kleinen Sparer zu schützen. Ob es dagegen zu weiteren Rettungsaktionen à la Zypern unter Beteiligung der vermögenderen Sparer kommen könnte, ließ er offen.

Gbureks Geld-Geklimper Ein Dämpfer für die Banken zur rechten Zeit

Ein mutiger Mann in verantwortlicher Position eckt bei den Banken an, und schon regt sich die halbe Finanzwelt auf. Das hat auch sein Gutes: Die Last der Bankenrettung wird zum Teil von den Steuerzahlern genommen.

Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem Quelle: REUTERS

Allerdings werden Barnier und viele andere Politiker nicht müde zu betonen, dass Zypern ein Einzelfall sei. „Eine derart große Finanzwirtschaft in einer sehr kleinen Realwirtschaft ist einzigartig in der Euro-Zone“, sagte Barnier. Auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hatte immer betont, dass die Situation der Mittelmeerinsel ein absoluter Einzelfall sei.  

Dennoch rätselt die Euro-Zone, ob ein Nachfolger von Zypern bereits in den Startlöchern steht. Im Zentrum der Diskussion stehen die drei Staaten, die Dijsselbloem wohl bei seiner Aussage im Kopf hatte – Luxemburg, Malta und Slowenien. Besonders Luxemburg wehrt sich mit Händen und Füßen gegen die Kritik. Auf den ersten Blick scheinen das Großherzogtum und die Mittelmeerinsel denn auch wenig gemein zu haben – Luxemburgs Wirtschaftsleistung lag im vergangenen Jahr bei rund 42,6 Milliarden Euro, Zyperns Bruttoinlandsprodukt (BIP) dagegen bei 17,9 Milliarden Euro. Noch deutlicher werden die Unterschiede bei einem Blick auf das BIP pro Kopf. Real lag das 2011 in Luxemburg bei 64.900 Euro, in Zypern waren es dagegen nur 18.100 Euro.

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