Nach dem EZB-Zinsentscheid: Draghis Kommunikationspanne

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Nach dem EZB-Zinsentscheid: Draghis Kommunikationspanne

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EZB-Präsident Mario Draghi bei der Pressekonferenz zum Zinsentscheid am vergangenen Donnerstag.

Mit seinem jüngsten Zinsentscheid enttäuschte EZB-Chef Mario Draghi die Märkte. Doch nicht nur die externe, auch die interne Kommunikation stimmte beim Notenbankchef diesmal offenbar nicht.

Eigentlich gilt Mario Draghi, der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), als Profi-Kommunikator. Mit Bedacht wählt er seine Worte, Investoren weltweit hängen an seinen Lippen. Einige Sätze, wie Draghis "whatever it takes" aus seiner Londoner Rede, haben sich in den Köpfen eingebrannt. Doch auch ein Profi kann mal daneben liegen.

Denn offenbar lief die Kommunikation des Italieners beim Zinsentscheid am vergangenen Donnerstag nicht so, wie gewünscht. Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters gab es an der EZB-Spitze gravierende Meinungsverschiedenheiten über das Ausmaß der jüngsten geldpolitischen Lockerung. Anscheinend gibt es intern Kritik, Draghi hätte die Erwartungen an den Märkten zu hoch gehängt.

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Das sind die drei Leitzinssätze der EZB

  • Der Hauptrefinanzierungssatz

    Der wichtigste Leitzins ist der Hauptrefinanzierungssatz. Er legt den Mindestzins fest, den Geschäftsbanken der EZB für einen Kredit mit einwöchiger Laufzeit im Rahmen der sogenannten Tenderauktionen bieten müssen. Änderungen wirken sich in der Regel direkt auf die Zinsen am Geld- und am Kapitalmarkt aus.

  • Die Spitzenrefinanzierungsfazilität

    Für Banken, die sehr kurzfristig Geld brauchen, wird es teurer, hier bietet die EZB die sogenannte Spitzenrefinanzierungsfazilität an. Diese Kredite haben eine Laufzeit von einem Tag. Der Zins, den Banken für das über Nacht geliehene Geld zu zahlen haben, ist der Spitzenrefinanzierungssatz. Er liegt in der Regel rund einen Prozentpunkt über dem Hauptrefinanzierungssatz.

  • Die Einlagefazilität - der Strafzins für Banken

    Die Einlagefazilität ist das Gegenstück zur Spitzenrefinanzierungsfazilität. Sie gibt Banken die Möglichkeit, einen Überschuss an flüssigen Mitteln bis zum nächsten Geschäftstag bei der Zentralbank zu parken. Die Verzinsung gibt der Einlagefazilitätssatz an. Spitzen- und Einlagefazilität sind Instrumente, mit denen die EZB weitere Feinsteuerung verwirklichen kann. Wenn die Banken zum Beispiel nur sehr wenig oder gar keinen Zins auf das Geld bekommen, das sie bei der EZB parken, dann steigt der Anreiz, es an einen Kunden zu verleihen. Derzeit ist der Einlagezins negativ - und bestraft somit Banken, die Geld bei der EZB parken.

Demnach habe Draghi mit vorherigen Andeutungen, nach denen eine weitere kräftige Geldspritze in der Euro-Zone nötig sei, Bremsbemühungen bei einigen anderen Euro-Zentralbankern ausgelöst, berichteten Personen, die mit den Diskussionen vertraut sind. Am Ende habe der EZB-Rat sich dazu durchgerungen, die Märkte mit seinen Entscheidungen zu den Zinsen und zur Ausweitung des Anleihenkaufprogramms zu enttäuschen, weil von der Wirtschaftsentwicklung und von der Inflationsfront zuletzt günstigere Nachrichten gekommen seien.

Zu hohe Erwartungen

"Draghi hat die Erwartungen absichtlich zu weit hochgeschraubt", kritisierte ein Insider. Damit habe der EZB-Präsident versucht, Druck auf den EZB-Rat auszuüben. Dafür sei er dann von mehreren Zentralbankern im kleinen Kreis kritisiert worden. Sein Ruf als großer Kommunikator habe gelitten. Anders als im vergangenen Jahr, als die Kritiker der Lockerungspolitik vor einer Ratsentscheidung an die Öffentlichkeit gingen, hätten sie dieses Mal eher im Hintergrund gearbeitet und gebremst.

Die EZB hatte am Donnerstag angekündigt, ihr umstrittenes Anleihen-Kaufprogramm auszuweiten und zu verlängern. Zudem müssen die Banken im Euroraum künftig einen etwas höheren Strafzins zahlen, wenn sie überschüssiges Geld bei der Zentralbank parken. Die Europäischen Börsen und der Euro-Kurs waren trotz der expansiven Maßnahmen auf Talfahrt gegangen - an den Märkte man nämlich mit erheblich stärkeren Lockerungen erwartet, die Reaktionen verdeutlichten die Enttäuschung der Märkte.

"Wenn wir zu viel getan hätten, wäre der Euro womöglich auf Parität zum Dollar abgesackt", schilderte ein Eingeweihter Überlegungen, die letztlich die EZB-Entscheidung prägten. Eine so starke Dollaraufwertung hätte die Dinge für die Chefin der US-Notenbank Fed, Janet Yellen, in Hinblick auf die erwartete Zinswende in den USA noch schwieriger gemacht. "Nun aber dürfte die Fed ziemlich gelassen sein", so der Insider weiter.

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Ein Indiz dafür, dass auch der EZB-Chef selber von den Marktreaktionen überrascht war, ist seine Rede am Freitag in New York. Dort betonte der Italiener noch einmal, dass die EZB grundsätzlich handlungsbereit sei. "Es kann keine Grenze geben, inwieweit wir bereit sind, die innerhalb unseres Mandats zur Verfügung stehenden Instrumente einzusetzen", sagte der EZB-Chef.

Die Zentralbank hatte offenbar nicht mit derart deutlichen Folgen gerechnet. "Uns war bewusst, dass es eine Marktreaktion geben wird, aber sie ist um einiges deutlicher ausgefallen, als wir das angenommen hatten", sagte einer der Insider. Insgesamt habe es dennoch eine ganze Reihe guter Argumente gegeben, es mit der weiteren Geld-Ausweitung nicht zu übertreiben: "Wir haben uns etwas Pulver trocken gehalten. Nun können wir reagieren, wenn es nötig ist."

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