Nach dem Schottland-Referendum: Wie es im Vereinigten Königreich weitergeht

Nach dem Schottland-Referendum: Wie es im Vereinigten Königreich weitergeht

von Yvonne Esterházy

Nach dem Nein der Schotten hat das Königreich zwar die Spaltung vermieden, wird seinen Teilregionen aber mehr Selbstverwaltung einräumen müssen. Der schottische Ministerpräsident erklärte seinen Rücktritt.

Erleichterung in London, in den anderen europäischen Hauptstädten, bei der EU und der Nato und in der Wirtschaft; Enttäuschung bei den schottischen Nationalisten, ansonsten: viele offene Fragen. Das Ergebnis des Schottlandreferendums, bei dem 55 Prozent der Wähler gegen die Autonomie stimmten, ist erfreulich eindeutig ausgefallen - und forderte bereits ein erstes politisches Opfer.

Schottlands Ministerpräsident Alex Salmond kündigte hat nach dem verlorenen Referendum seinen Rücktritt an. Er kandidiere auf dem Parteitag seiner Nationalpartei SNP Mitte November nicht mehr für das Amt des Parteichefs, sagte der 59-Jährige am Freitag. Der oder die neue Parteivorsitzende solle dann auch sein Ministerpräsidentenamt übernehmen.

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Gleichzeitig aber haben die Versprechungen für mehr schottische Selbstverwaltung, die die britischen Regierung und die Oppositionsparteien vor der Abstimmung machten, um das "Nein-Lager" zu stärken, nun ernste Konsequenzen: Großbritannien steht vor einer tiefgreifenden politischen Umstrukturierung, das bisher zentral regierte Land könnte sich künftig viel stärker in Richtung eines föderalen Staates entwickeln.

Referendum beendet Schottland wählt das "Nein"

Das Referendum ist beendet - Schottland bleibt Teil Großbritanniens. Trotzdem wird das Land mehr Selbstverwaltungsrechte erhalten als bisher. Das Pfund erholt sich kräftig.

Drei Frauen bejubeln den Verbleib Schottlands im Vereinigten Königreich Quelle: dpa Picture-Alliance

Großbritanniens Premier David Cameron beeilte sich am Freitag zu versichern, Verhandlungen über größere schottische Autonomiebefugnisse würden bereits im November aufgenommen. George Buckley, UK-Volkswirt der Deutschen Bank in London, warnt ebenfalls: "Es bleiben ein paar sehr heikle ungelöste Fragen."

Fest steht zwar: Das Pfund wird die gemeinsame Währung Großbritanniens bleiben und Königin Elizabeth II bleibt Staatsoberhaupt des Vereinigten Königreichs. Doch ansonsten wird es wohl ein Reformpaket geben, das nicht nur Schottland betrifft - sondern auch Wales, Nordirland und England. Nordirlands Ministerpräsident Peter Robinson wollte sich noch am Freitag mit seinem walisischen Amtskollegen Carwyn Jones über die Auswirkungen des schottischen Referendums auf die Dezentralisierung beraten.

Der britische Premierminister David Cameron, dessen eigenes politisches Schicksal eng mit dem Ausgang des Referendums verknüpft war, versprach den Schotten, die Verhandlungen über eine Ausweitung ihrer Autonomiebefugnisse würden bereits im November beginnen. Er will ihnen im Hinblick auf die Steuer- und Ausgabepolitik ebenso wie bei der Ausgestaltung des Wohlfahrtstaates mehr Selbstverwaltung gewähren und kündigte an, bis Januar werde ein entsprechender Gesetzentwurf vorgelegt.

Denkbar wäre sogar, dass es künftig auch in England ein regionales Parlament geben werde, bei dem englische Abgeordnete über rein englische Belange entscheiden, so der Premier. Er betonte: "Die Frage, ob es englische Abstimmungen für rein englische Belange geben sollte, muss jetzt angepackt werden".

Schon lange hatten Kritiker im Süden bemängelt, dass schottische Politiker mit Sitz im Londoner Unterhaus über Gesetze abstimmen können, die ihre eigene Region gar nicht betreffen, umgekehrt aber englische Politiker kein Mitspracherecht haben, wenn das Regionalparlament in Edinburgh schottische Gesetze verabschiedet.

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