Nach dem Stresstest der EZB: "Europas Banken sind stabiler, aber nicht unverwundbar"

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InterviewNach dem Stresstest der EZB: "Europas Banken sind stabiler, aber nicht unverwundbar"

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Die überwiegende Mehrheit der europäischen Banken hat den EZB-Stresstest bestanden. Zum Aufatmen ist es aber zu früh, warnt Branchenkenner Martin Faust.

von Tim Rahmann

117 Banken haben den Stresstest bestanden. Das ist noch kein Grund zur Euphorie, sagt Martin Faust, Professor für Bankbetriebslehre. Viele Probleme seien ungelöst, der Steuerzahler könne längst noch nicht durchatmen.

Professor Faust, nur 13 Banken in Europa haben den Stresstest nicht bestanden. Sind Sie überrascht von dem positiven Ergebnis?

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Martin Faust: Nein, das war zu erwarten. Ich bin nicht davon ausgegangen, dass die Notenbanker empfindliche Beben an den Märkten auslösen würden. Die Banken waren vorgewarnt, der Test war lange angekündigt. Viele Institute, die fürchten mussten durchzufallen, haben sich im Vorfeld schon Geld beschafft. Etwa durch Kapitalerhöhungen. Keine Bank wollte in die negativen Schlagzeilen geraten. Die Manager haben vielerorts ihre Aufgaben erledigt und das gute Marktumfeld genutzt, um sich mit Eigenkapital zu versorgen.

Zur Person

  • Martin Faust

    Martin Faust ist Professor für Bankbetriebslehre an der Frankfurt School of Finance and Management. Seine Forschungs- und Lehrschwerpunkte liegen im Private Banking und Wealth Management sowie der Bankenaufsicht und auf dem Gebiet der Nachhaltigen Geldanlagen.

Wie aussagekräftig ist denn der Test überhaupt?

Der Stresstest ist eine Momentaufnahme und sein Ausgang hängt entscheidend davon ab, welche Szenarien überhaupt getestet werden. In diesem Fall hat man sich dafür entschieden zu überprüfen, wie gut die Banken konjunkturelle Schwankungen aushalten können. Das können sie. Eine mögliche Deflation oder die Pleite eines Euro-Mitgliedslandes wurde nicht überprüft.

Martin Faust Quelle: Presse

Martin Faust lobt die positiven Ergebnisse des Stresstests, warnt aber vor Euphorie.

Bild: Presse

Dabei waren es in der Vergangenheit insbesondere die Anleihemärkte, die die Banken ins Wanken brachten.

Das stimmt nur zum Teil, da es nur 2012 einen Schuldenschnitt bei Griechenland gab. Die Finanzkrise von 2008/2009 wurde durch faule Immobilienkredite ausgelöst, nicht durch Staatsanleihen. Die spanischen Banken leiden ebenfalls unter der Immobilienkrise in ihrem Land. In der Euro-Krise war die Situation zum Teil anders. Da mussten Banken mit Steuergeld gestützt werden, weil Staatsanleihen, etwa von Griechenland teilweise abgeschrieben werden mussten. Deswegen brauchen wir hier sicher auch Nachbesserungen.

Welcher Art?

Mittelfristig sollten die Banken angehalten werden, noch mehr Eigenkapital vorzuweisen. Auch Staatsanleihen sollten dauerhaft mit Eigenkapital unterlegt werden müssen. Bislang ist es so: Wenn die Bonität der Staatsanleihen in Ordnung ist – und das ist derzeit bei allen europäischen Staatssschuldtiteln der Fall – brauchen die Banken keine Reserven bereithalten. Nur als die griechischen Staatsanleihen vom Ausfall bedroht waren, mussten sie mit Eigenkapital unterlegt werden. Aber das ist wie gesagt keine dauerhafte Anforderung. Das sollte mittelfristig geändert werden.

Diese Banken sind beim Stresstest durchgefallen

  • Monte dei Paschi di Siena (Italien)

    Harte Kernkapitalquote heute: 10,2 Prozent. Kapitalbedarf: 2,11 Milliarden Euro.

  • Banco Popolare di Vicenza (Italien)

    Harte Kernkapitalquote heute: 9,4 Prozent. Kapitalbedarf: 0,22 Milliarden Euro.

  • Banco Popolare di Milano (Italien)

    Harte Kernkapitalquote heute: 7,3 Prozent. Kapitalbedarf: 0,17 Milliarden Euro.

  • Eurobank (Griechenland)

    Harte Kernkapitalquote heute: 10,6 Prozent. Kapitalbedarf: 1,76 Milliarden Euro.

  • Hellenic Bank (Zypern)

    Harte Kernkapitalquote heute: 7,6 Prozent. Kapitalbedarf: 0,18 Milliarden Euro.

  • National Bank of Greece (Griechenland)

    Harte Kernkapitalquote heute: 10,7 Prozent. Kapitalbedarf: 0,93 Milliarden Euro.

  • Banco Comercial Portugues (Portugal)

    Harte Kernkapitalquote heute: 12,2 Prozent. Kapitalbedarf: 1,15 Milliarden Euro.

  • Banca Carige (Italien)

    Harte Kernkapitalquote heute: 5,2 Prozent. Kapitalbedarf: 0,81 Milliarden Euro.

  • Nova Kreditma Banka Maribor (Slowenien)

    Harte Kernkapitalquote heute: 19,6 Prozent. Kapitalbedarf: 0,03 Milliarden Euro.

  • Nova Ljubljanska banka (Slowenien)

    Harte Kernkapitalquote heute: 16,1 Prozent. Kapitalbedarf: 0,03 Milliarden Euro.

  • Dexia (Belgien)

    Harte Kernkapitalquote heute: 16,4 Prozent. Kapitalbedarf: 0,34 Milliarden Euro.

  • permanent tsb (Irland)

    Harte Kernkapitalquote heute: 13,1 Prozent. Kapitalbedarf: 0,85 Milliarden Euro.

  • Österreichischer Volksbanken-Verbund (Österreich)

    Harte Kernkapitalquote heute: 11,5 Prozent. Kapitalbedarf: 0,86 Milliarden Euro.

Zurück zum Stresstest: Was ist das Positivste an der Überprüfung?

Das Wichtigste an dem Stresstest ist in meinen Augen der Bilanztest. Die Notenbank hat dabei überprüft, ob Risiken in den Büchern der Banken vorhanden sind und diese vernünftig bewertet wurden. Wie gesagt: Die Notenbank hat nicht in die Zukunft gesehen, sondern den Ist-Zustand bewertet. Die Prüfer haben sich insbesondere die großen Kreditarrangements angeschaut und geprüft, ob diese von den jeweiligen Instituten richtig bewertet wurden. Es wurden einheitliche Standards entwickelt, wie man etwa mit Schiffs- oder Immobilienkrediten umgeht und wie diese einzuordnen sind. Das ist wichtig. Denn: Auf den Weg hin zur europäischen Aufsicht brauchen wir einheitliche Standards. Die gab es bisher so nicht, da waren einige Länder großzügiger als andere. Das ist für mich ein großer Fortschritt.

Bei der Überprüfung hat die EZB festgestellt, dass die Summe der faulen Kredite um 136 Milliarden Euro auf 879 Milliarden Euro angestiegen ist. Was sagt uns das?

Das zeigt, dass die Banken bei der Bewertung der Kredite optimistischer waren als die EZB. Kurzum: Die Banken haben immer noch viele kritische Kredite in ihren Büchern. Sie haben zwar genügend Vorsorge getroffen, die Institute haben den Stresstest ja insgesamt mehrheitlich bestanden, aber es zeigt, dass viele Geldhäuser immer noch unter den schwierigen wirtschaftlichen Bedingen in Europa leiden und viele Kredite vom Ausfall bedroht sind.

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