Nach EZB-Entscheidung: Finanzexperten warnen vor Enteignung der Sparer

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Nach EZB-Entscheidung: Finanzexperten warnen vor Enteignung der Sparer

von Hauke Reimer und Annina Reimann

EZB-Chef Mario Draghi darf künftig faktisch unbegrenzt Staatsanleihen von Krisenländern kaufen, um deren Zinskosten nach unten zu drücken. Was Top-Geldprofis Anlegern jetzt raten.

Dass die Europäische Zentralbank sich den gestern verkündeten Einschränkungen unterwirft (das Kaufprogramm soll nur  Ländern zugutekommen, die sich unter den Euro-Rettungsschirm begeben und ein Reformprogramm akzeptieren, die Liquiditätsschwemme soll außerdem sterilisiert, das Geld  also wieder eingesammelt werden), mögen die Märkte nicht so ganz glauben.

So viel kostet Europa

  • Rettungsfonds EFSM

    Beim Rettungsfonds EFSM stehen 60 Milliarden Euro zu Buche. Der deutsche Anteil beträgt dabei 12 Milliarden Euro.

  • 1. Rettungspaket für Griechenland (IWF und EU)

    Griechenland erhielt durch das erste Rettungspaket 110 Milliarden Euro, 24 Milliarden davon kamen aus Deutschland.

  • Einlagensicherungsfonds (von Experten geschätzt)

    Nach Schätzung der Citigroup müsste der von der EU-Kommission geforderte Einlagensicherungsfonds ein Volumen von 197 Milliarden Euro haben. Der deutsche Anteil läge dann bei bis zu 55 Milliarden Euro.

  • EZB-Staatsanleihenkäufe

    Die Europäische Zentralbank hat Staatsanleihen für 209 Milliarden Euro eingekauft. Der Bund ist daran mit 57 Milliarden Euro, also mehr als einem Viertel, beteiligt.

  • IWF-Beitrag zu den Rettungspaketen

    Der Internationale Währungsfonds zahlte 250 Milliarden Euro für die Rettungspakete. Deutschland gab dafür 15 Milliarden.

  • Geplanter ESM

    Der dauerhafte Rettungsschirm soll ein Volumen von 700 Milliarden Euro haben. Deutschland wäre daran mit 190 Milliarden Euro beteiligt.

  • Bürgschaften im Rettungsfonds EFSF

    Der Rettungsfonds bürgt mit 780 Milliarden, Deutschland allein mit 253 Milliarden Euro.

  • Target-Verbindlichkeiten

    Die Target-Verbindlichkeiten liegen innerhalb des EZB-Verrechnungssystem bei 818 Milliarden Euro. Der deutsche Anteil daran beträgt 349 Milliarden Euro.

Die Börsen gehen davon aus, dass ­ reichlich Geld in die Märkte fließen wird, vor allem über Banken, die die Staatsanleihen an die EZB abdrücken. Der Dax hat dies Donnerstag und am Freitagmorgen mit dem Sprung über 7200 Punkte bereits vorweg genommen.

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Aktien bleiben weiter attraktiv. Das sehen auch die Teilnehmer des WirtschaftsWoche-Anlage-Roundtables so. Die Vermögensverwalter Bert Flossbach und Jens Ehrhardt, Pimco-Deutschland-Chef Andrew Bosomworth, Volkswirt Thomas Mayer und Pictet-Anlagestratege Alfred Roelli sind sich weitgehend einig, dass die Inflation anziehen dürfte, die Zinsen von den Notenbanken aber unten gehalten werden.

Repression Wo Sparer noch sparen können

Die aktuelle Niedrigzinspolitik ist für deutsche Sparer eine Katastrophe. Und sie dürfte vorerst kein Ende finden. Dennoch gibt es eine Alternative zu Sparbuch, Tagesgeld und Co.

Quelle: dpa

„Zinsen flach wie ein Brett im Wasser“

Die Zentralbanken halten die Zinsen im Zusammenspiel mit den Regulierungsbehörden niedrig, sie „legen den Zins einfach flach wie ein Surfbrett im Wasser“, sagt Ex-Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Thomas Mayer. Das Phänomen heißt „finanzielle Repression“: Die Staaten entwerten ihre Schulden und reduzieren ihre Zinslast ­ auf Kosten der Zinsanleger, die für ihre Investments weniger bekommen als die Inflationsrate, faktisch also langsam enteignet werden.

„Wir bekommen negative Realzinsen, die Zeche zahlt der Sparer. Nur so wird die Entschuldung der Staaten funktionieren“, sagt Vermögensverwalter Bert Flossbach aus Köln.

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