Nach Italien-Wahl: Euro-Kritiker preschen nach vorne

Nach Italien-Wahl: Euro-Kritiker preschen nach vorne

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Die Schwierigkeiten der italienischen Regierungsbildung und die Talfahrt des Euro-Kurses als Reaktion auf den Wahlausgang ruft, wie zu erwarten war, die internationalen Kritiker der Währungsunion auf den Plan.

von Tim Rahmann

Die schwierige Regierungsbildung in Italien ruft die internationalen Kritiker der Währungsunion auf den Plan. Joseph Stiglitz, George Soros & Co. fordern nun eine Radikalkur Europas.

Die Protestpartei von Kabarettist Beppe Grillo ist der Sieger der Italien-Wahl, der Euro stürzte ab. Europa fürchtet nun ein erneutes Aufflammen der Schuldenkrise. "Die Probleme Europas sind hausgemacht", sagte der Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz bei einer Podiumsdiskussion an der Columbia University in New York, "und haben vier Buchstaben: Euro." Die Gemeinschaftswährung habe den Kontinent auseinanderdriften lassen, Jugendlichen die Perspektive entzogen und ganz Europa in eine Existenzkrise befördert. Der Euro müsse nun "geopfert" werden und die Europäische Union eine neue Gestalt bekommen.

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Diesen Sätzen stimmten weite Teile der Diskussionsrunde in den USA zu, darunter der Euro-Grantler und Spekulant George Soros. Die Risiken der Gemeinschaftswährung seien von Beginn an klar gewesen, doch man habe sie ignoriert. Insbesondere die Jung-Erwachsenen hätten nun darunter zu leiden. Dass jeder zweite Jugendliche in Ländern wie Griechenland und Spanien ohne Job ist, sei "inakzeptabel".

EU-Konjunktur EU prophezeit Europa weiteres Krisenjahr

Die EU-Kommission sagt Europa ein schlechtes Jahr voraus. Gerade Spanien und Frankreich träfe es hart. Die Schulden sollen steigen. Das Defizit werde sich auf 2,8 Prozent der Wirtschaftsleistung belaufen.

huGO-BildID: 29182594 Rheinland-Pfalz/ ARCHIV: Die Flagge der Europaeischen Union (EU, l.) steht auf dem Europakreisel in Mainz neben den Nationalfahnen der EU-Mitglieder Spanien (vorne v.l.), Niederlande, Irland und Griechenland sowie Rumaenien (hinten v.l.), Portugal, Tschechien und Schweden (Foto vom 18.10.11). Die Bundesregierung beurteilt die wirtschaftlichen Erfolge der europaeischen Krisenlaender offenbar kritisch. Im Entwurf des neuen Jahreswirtschaftsberichtes heisst es nach Angaben des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel", die notleidenden Laender Griechenland, Portugal, Irland und Spanien haetten zwar "den richtigen Weg eingeschlagen", aber "ihre Wettbewerbsfaehigkeit verbessert sich âÄì mit Ausnahme von Irland âÄì nur langsam." (zu dapd-Text) Foto: Torsten Silz/dapd Quelle: dapd

Im Visier des 82-jährigen Finanzjongleurs steht - wie schon seit einigen Jahren - Bundeskanzlerin Angela Merkel. "Die Deutschen glauben an Einsparungen, der Rest der Welt glaubt an geldpolitische Lockerungen", monierte Soros bereits Ende Januar beim Weltwirtschaftsforum. Die Regierung Merkel zwinge ganz Europa einen eisernen Sparkurs auf und mache damit den Euro kaputt, ist sich der Milliardär sicher. Es sei "einfach die falsche Politik" und noch dazu eine, "die am Ende ganz Europa in die Krise treibt".

Die schwierige Regierungsbildung in Italien ist für Stiglitz, Soros & Co. ein willkommener Anlass, um ihre Forderungen, nach einem größeren deutschen Engagement zu wiederholen. Die US-Amerikaner - in Sorge um den eigenen Wirtschaftsaufschwung - fordern, dass Deutschland endlich Geld in die Hand nimmt. Das gefällt auch den Griechen.

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Der ehemalige Regierungschef und heute Dozent Georgios Papandreou glaubt an den Euro und an eine Erholung der Wirtschaft. Doch dafür brauche es eine Investitionen und eine Kultur des Miteinander, nicht des Gegeneinander. Das Wort "Eurobonds" - also die gemeinsame Haftung für Europas Schulden - nahm Papandreou nicht in den Mund. Musste er auch nicht: Die Botschaft war auch so deutlich genug.

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