Nachsicht der EZB: Griechenland fordert mehr Entgegenkommen

Nachsicht der EZB: Griechenland fordert mehr Entgegenkommen

Jetzt dreht Griechenland den Spieß um: Wenn die EZB und die entsprechenden Euro-Partner nicht großzügiger sind und dem Land entgegenkommen, sei ein Ausscheiden aus der Euro-Zone nicht ganz ausgeschlossen.

Griechenland hat von der EZB und seinen Euro-Partnern mehr Entgegenkommen gefordert und hält andernfalls selbst ein Ausscheiden aus der Euro-Zone für nicht ganz ausgeschlossen. Die Europäische Zentralbank (EZB) forderte Finanzminister Gikas Hardouvelis im "Handelsblatt" auf, sein Land bei dem erwarteten riesigen Anleihenkaufprogramm ("Quantitative Easing") nicht auszulassen.

"Kein anderes Land braucht Quantitative Easing so sehr wie Griechenland", sagte er. Griechenland sollte davon nicht nur nicht ausgeschlossen werden, sondern die Geldpolitik sollte den nationalen Zentralbanken der Länder mit Problemen, damit auch der griechischen, "mehr freie Kredite" erlauben.

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Der Minister warnte die EZB davor, die griechischen Wahlen am Wochenende Einfluss auf ihr QE-Programm nehmen zu lassen. "Die Wahl sollte separat behandelt werden. Der Fokus muss auf der Preisentwicklung liegen. Griechenland sei als das Land mit der größten Deflation im Euro-Raum, der höchsten Verschuldung und den wohl höchsten Zinsen im Inland wohl der ideale Empfänger des Anleihenkaufprogramms.

Griechenlands Schwächen

  • Schlechtes Image

    Griechenlands Ruf hat in der Euro-Krise arg gelitten. Nur zwei der 60 getesteten Staaten haben ein schlechteres Image als der Pleitestaat. Die Folge: Investoren meiden das Land, die Kreditwürdigkeit ist mies.

  • Unfähige Regierung

    Nur 5,7 Prozent der gefragten Experten bescheinigten Griechenland, eine kompetente Regierung zu haben. In der Tat hat es Athen nicht geschafft, die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen (Rang 60), für Wachstum zu sorgen (Rang 60) und die öffentlichen Finanzen auf Vordermann zu bringen.

  • Wenig Förderung

    Auch bei der Bildung und Weiterbildung der Bürger hat Griechenland großen Nachholbedarf. Fortbildung von Angestellten gibt es quasi nicht (Platz 58), auch die Qualität der Universitäten ist schlecht (Rang 51). Demzufolge gibt es auch wenige Forscher und Wissenschaftler (Rang 49). Besser schneidet der Krisenstaat bei der Frühförderung ab: Es gibt eine Vielzahl von Lehrern, die Klassen sind sehr klein (Rang 2).

Angesichts der angespannten Finanzlage und negativer Einflüsse auf die Wirtschaftsentwicklung durch die politischen Unsicherheiten forderte Hardouvelis von den Partnern mehr Entgegenkommen. "Ich glaube, es ist wichtig, dass die Europäer ein wenig flexibel sind bei den griechischen Haushaltszielen für 2015", sagte er.

Zudem sollte die Troika aus Internationalem Währungsfonds, EZB und EU-Kommission die Obergrenze für kurzfristige Kreditaufnahmen am Markt, die sogenannten T-Bills, anheben. Was die Schuldenlast für sein Land angehe, könnte man die Laufzeiten verlängern und die Kredite mit variablen Zinsen in Festzinskredite umwandeln.

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Der griechische Minister warnte die Euro-Partner vor einer zu harten Haltung gegenüber seinen Land. "Wenn sie die griechischen Probleme und Geldnöte nicht mehr verstehen wollen und Griechenland alleine dasteht, kann das die Gefahr eines Grexit erhöhen", sagte er.

Er halte aber die Wahrscheinlichkeit für ein solches Ausscheiden aus der Euro-Zone für sehr gering. Der Gedanke, die Euro-Zone könnte einen Grexit langfristig leicht verkraften, nannte er "absurd".

Ein Schuldenschnitt würde die aktuelle Finanzlage seines Landes nur wenig verbessern und wäre wohl auch politisch gesehen unmöglich. Hardouvelis drängte auf einen schnellen Abschluss des laufenden Rettungsprogramms und der vorgelagerten Prüfungen. Dabei gehe es kurzfristig um 7,2 Milliarden Euro für sein Land.

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