Negative Signalwirkung: Kein Grexit ohne Folgen

KommentarNegative Signalwirkung: Kein Grexit ohne Folgen

Ein Austritt Griechenlands aus dem Euro wäre heute unproblematisch, behaupten viele Politiker. Doch die negative Signalwirkung auf Finanzmärkte und andere Krisenländer wird vollkommen unterschätzt.

Ein möglicher Austritt Griechenlands aus dem Euro (Grexit) wäre kein gutes Signal für die internationalen Finanzmärkte. Denn schon seit einigen Monaten steigt die Nervosität an den Märkten, angeheizt durch die Ukraine-Krise, den  scharfen Einbruch des Ölpreises sowie durch die hohe Dollar-Verschuldung vieler Schwellenländer. In diesem Umfeld dürfte ein Grexit negative Rückkopplungseffekte auslösen. Das Vertrauen in die Staaten der Eurozone würde schwinden, innerhalb und außerhalb des Währungsraumes.

Die Verlautbarungen aus der Politik sind relativ homogen: Ein Austritt Griechenlands aus dem Euro wäre heute unproblematischer als vor drei Jahren, weil es inzwischen die passenden Stabilisierungsmechanismen gibt. Aber können diese Stabilisierungsmechanismen tatsächlich einen negativen Rückkopplungseffekt begrenzen oder gar verhindern?

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In Teilbereichen wäre das denkbar, aber der wichtigste Effekt wird zu wenig beachtet: Die Signalwirkung, die von einem Austritts Griechenlands ausginge.

Zukunftsszenarien für Griechenland

  • Szenario 1: Die Rettungspläne funktionieren

    Die Eurogruppe billigt einen Schuldenschnitt, die Banken erlassen dem Land daraufhin 100 Milliarden Euro. Somit gibt es auch grünes Licht für weitere Hilfen der Eurozone in Höhe von insgesamt 130 Milliarden Euro. Die Europäische Zentralbank (EZB) füllt eine Finanzlücke, damit Griechenlands Schuldenstand bis 2020 wie angepeilt sinken kann. Im Gegenzug unterwirft sich Griechenland einer strikten Überwachung der EU und gibt Kompetenzen in der Haushaltspolitik ab. Das Land leidet noch jahrelang unter Einsparungen, innenpolitischer Unruhe und Rückschlägen. Der Weg zu einer Erholung ist lang und mühsam.

  • Szenario 2: Rettung auf Raten

    Die Eurozone will zunächst keine weitere Hilfe zusagen. Problem ist der für 2020 trotz Hilfspaket und Gläubigerverzicht erwartete Schuldenstand von 129 Prozent der Wirtschaftskraft, anstatt der angestrebten 120 Prozent. Der Rettungsplan muss also überdacht werden. Zudem wählen die Griechen im April. Die Euro-Länder wollen das Votum abwarten und mit den dann regierenden Parteien Vereinbarungen über Einsparungen und Reformen treffen, bevor sie weiteres Geld überweisen. Mit restlichen Mitteln aus dem ersten Hilfsprogramm wird ein im März drohender Bankrott vorerst verhindert.

  • Szenario 3: Die Rettung scheitert, Griechenland bleibt aber im Euro

    Nach zwei Jahren Schuldenkrise nimmt die Eurozone einen Kurswechsel vor: Griechenland soll kontrolliert in die Pleite geführt werden, jedoch in der Eurozone bleiben. Nun kommen Milliardenkosten nicht nur auf die privaten Gläubiger, sondern auch auf die EZB zu: Athen ändert per Gesetzesänderung die Haftungsklauseln für seine Staatsanleihen - und erzwingt einen Verzicht. Die EU arbeitet an einem finanziellen und wirtschaftlichen Neustart des Landes, der ebenfalls viel Geld kostet.

  • Szenario 4: Athen geht bankrott und steigt aus dem Euro aus

    Der Rettungsplan scheitert, die Griechen haben zudem Vorschriften und Kontrolle der Euro-Länder satt. Das Land erklärt seinen Bankrott und die Rückkehr zur Drachme. Wirtschaft und Finanzbranche werden über das Land hinaus erschüttert, Firmen und Banken gehen pleite. Die Kaufkraft der Griechen nimmt massiv ab, soziale Unruhen sind die Folge. Mit der Drachme sind griechische Produkte auf dem Weltmarkt zwar billiger, ein positiver Effekt auf die marode Wirtschaft zeigt sich jedoch nur sehr langsam. Die Europäische Union bemüht sich mit Konjunkturprogrammen, den weiteren Absturz des Landes zu mildern.

Die USA kennen das Problem der Signalwirkung. Zum Höhepunkt der Finanzkrise wurden Banken wie Fannie Mae wegen faktischer Zahlungsunfähigkeit verstaatlicht. Dies geschah, um die schwachen Glieder in der Kette zu stabilisieren. Vordergründig wirkte die Entscheidung logisch und sinnvoll. Man hatte erhofft, die Finanzmärkte beruhigten sich anschließend.

Doch es passierte genau das Gegenteil. Das Angstfieber stieg noch weiter an. Die Aufsichtsbehörden führten gar ein Leerverkaufsverbot für Bankaktien ein.

Investoren denken immer einen Schritt weiter und sind sehr scheu. Risiken werden stets aus verschiedenen Blickwinkeln bewertet. Immer mehr Anleger stellte sich die Frage, was Aktien aus der Finanzbranche überhaupt noch wert wären, sollte sich die Lage weiter verschlimmern.

Selbst Investoren, die solche Zeiten normalerweise aussitzen würden, mussten nun mit einem möglichen Totalverlust rechnen, sollte der Staat auch "ihr" Unternehmen retten müssen. Das war die Erklärung für die weitere Schwäche.

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