Negativzinsen: Die EZB weckt falsche Hoffnungen

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KommentarNegativzinsen: Die EZB weckt falsche Hoffnungen

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Mit einem noch niedrigeren Leitzins würde die EZB die Kreditvergabe nicht ankurbeln, sondern noch mehr behindern

von Malte Fischer

Die Europäische Zentralbank erwägt, den Einlagenzins unter null Prozent zu drücken. So sollen die Banken unter Druck gesetzt werden. Doch das Vorhaben ist zweifelhaft.

Hand aufs Herz: Wären Sie bereit, einem Freund einen Kredit zu gewähren, für den Sie Zinsen zahlen müssen, statt Zinsen zu kassieren? Wohl kaum. Der Zins soll Kreditgeber schließlich dafür entschädigen, dass sie auf Konsum verzichten. Je größer die Vorliebe für den Konsum heute, desto höher der Zins, den der Kreditnehmer verlangt.

Diese ökonomischen Zusammenhänge könnten demnächst auf den Kopf gestellt werden. Denn die Notenbanker der Europäischen Zentralbank (EZB) erwägen, wegen der schlechten Konjunktur die Leitzinsen erneut zu senken. Und diesmal dürfte nicht nur der Hauptrefinanzierungszins, zu dem sich die Geschäftsbanken Geld bei der Zentralbank leihen können, nach unten geschleust werden. Die Notenbanker dürften auch den Zinssatz für Geldeinlagen, die Banken bei der EZB halten, nach unten drücken.

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Die Kreditvergabe könnte gebremst werden

Damit aber würde der Einlagenzins, der derzeit null Prozent beträgt, in den negativen Bereich rutschen. Die Geschäftsbanken müssten für Geldanlagen bei der EZB also einen Strafzins zahlen. Das soll die Banken dazu veranlassen, das Zentralbankgeld lieber für Kredite an Unternehmen und Bürger zu verwenden, anstatt es bei der EZB zu horten.

Doch das Argument überzeugt nicht. Die Gefahr ist vielmehr, dass ein negativer Einlagenzins kontraproduktiv wirkt und die Kreditvergabe bremst, wie die Erfahrungen Dänemarks zeigen. Im Juli vergangenen Jahres hatte die dänische Notenbank den Zins für Einlagen der Banken bei der Zentralbank unter null Prozent gedrückt, um auf diese Weise die massiven Kapitalzuflüsse aus der Euro-Zone abzuwehren, die die dänische Krone auf- werten ließen. Dabei legten die Notenbanker für die Banken individuelle Beträge fest, oberhalb derer sie auf ihre Zentralbankguthaben Strafzinsen zahlen mussten.

Notenbanker wollen Banken unter Druck setzen

Doch die Hoffnung, die Banken würden die Zinsen für Sparer daraufhin ebenfalls senken, trog. Um ihre Finanzierungsquellen nicht zu verlieren, erhöhten die Banken stattdessen lieber die Zinsen für Unternehmenskredite.

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Die Währungshüter der EZB wissen um die schlechten Erfahrungen der Dänen mit negativen Einlagenzinsen. Das legt die Vermutung nahe, dass sie mit ihren Plänen ein ganz anderes Ziel verfolgen. Die Notenbanker wollen die Banken unter Druck setzen, das Zentralbankgeld in den Kauf von Staatsanleihen zu stecken. Die Kreditinstitute erhielten dann Wertpapiere, die sie nicht mit Eigenkapital unterlegen müssen, und könnten die Strafzinsen vermeiden. Erst pumpt die EZB also gigantische Summen an Zentralbankgeld in den Bankensektor. Dann erhebt sie Strafzinsen darauf und sorgt so dafür, dass das Geld von den Banken in die Staatskassen fließt.

Dem Erfindungsreichtum der Notenbanker sind offenbar keine Grenzen gesetzt, wenn es darum geht, die Schuldenstaaten des Südens mit der Notenpresse zu finanzieren.

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