Neue EU-Datenschutzregeln: Mehr Rechte für Internet-Nutzer

Neue EU-Datenschutzregeln: Mehr Rechte für Internet-Nutzer

Europas Datenschutzregeln sind 20 Jahre alt. Nun steht eine Reform. Sie gibt Internet-Nutzern mehr Rechte gegenüber Anbietern. Auch das Recht auf Vergessenwerden gehört dazu. Von 2018 an sollen die Regeln gelten.

Kinder und Jugendliche in einigen europäischen Ländern könnten Online-Dienste wie Facebook oder WhatsApp künftig bis zu einem Alter von 16 Jahren nur mit Zustimmung ihrer Eltern nutzen dürfen. Das ist eine der Neuerungen im Kompromiss zur Reform beim EU-Datenschutz zwischen Vertretern von EU-Kommission, Europaparlament und der Mitgliedsländer. Außerdem können gegen Unternehmen Strafen von bis zu vier Prozent der Jahresumsätze verhängt werden, wenn sie gegen die Datenschutz-Regeln verstoßen.

Die am Dienstag nach fast vier Jahren Debatten beschlossene Reform soll die Datenschutz-Grundverordnung von 1995 ersetzen. Ein zentrales Ziel ist, Europas Internet-Nutzern mehr Kontrolle über ihre persönlichen Daten zu geben. Die neue Verordnung soll voraussichtlich Anfang 2018 in Kraft treten.

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Unter anderem erhalten Nutzer das Recht, Informationen leichter wieder löschen zu lassen („Recht auf Vergessenwerden“) und Daten von einem Anbieter zum nächsten mitzunehmen („Portabilität“), wie die EU-Kommission nach der Einigung am Dienstagabend mitteilte.

Studie zu Datenschutz und IT-Sicherheit So sorglos sind die deutschen Unternehmen

Die Gefahr durch Hacker wächst. Doch Deutschlands Manager nehmen sie noch immer nicht ernst, belegt eine Studie. Welche Unternehmen besonders in Gefahr sind - und vor welchen Cyberangreifern sich deutsche Chefs fürchten.

Passwort: "Password"Wer sich für ganz schlau hält und einfach "password" als Zugangscode verwendet sei hiermit gewarnt: Die vermeintlich simple und sichere Lösung liegt auf Rang zwei der meistgeknackten Passwörter. Quelle: dpa

Bei dem Kompromiss wurde grundsätzlich ein Alter von 16 Jahren für die Einwilligung zur Datenverarbeitung vorgesehen, außer wenn nationales Recht die Marke tiefer setze. Auf jeden Fall müssten die Kinder allerdings mindestens 13 Jahren alt sein.

Die Altersfrage war heftig umstritten. Viele Kinder haben Profile bei den Online-Diensten auch schon vor dem Mindestalter von 13 Jahren, das für die Anbieter nach US-Vorschriften gilt. Kritiker warnten, dass Kindern und Jugendlichen eine legale Nutzung der Plattformen erschwert werde, wenn bis zum Alter von 16 Jahren die Zustimmung der Eltern erforderlich sei.

Lobbyisten von US-Technologiefirmen seien in letzter Minute noch in die Offensive gegangen, um die Vorschläge zu entschärfen, schrieb die „Financial Times“. Nach Informationen von „Politico.eu“ war das Europaparlament für 13 als Mindestalter, aber einige Länder hätten sich für 16 Jahre starkgemacht.

Insgesamt müssen sich Internet-Konzerne wie Google, Facebook & Co die Zustimmung zur Datennutzung ausdrücklich einholen und ihre Produkte datenschutzfreundlich voreinstellen. An die neuen Regeln müssen sich nicht nur europäische Unternehmen, sondern auch etwa US-Firmen halten. Bei Unternehmen wie Google wären vier Prozent vom Umsatz ein Milliardenbetrag - der Umsatz des Internet-Konzerns lag im vergangenen Jahr bei 66 Milliarden Dollar.

Der EU-Parlamentarier Axel Voss von der CDU warnte vor negativen Folgen für die Wirtschaft: „Wir müssen aufpassen, dass dies am Ende nicht ein Hemmschuh für die europäische Industrie und Forschung wird.“

“Datenklau 2015” - Die Ergebnisse im Überblick

  • Über die Studie

    Für die Studie “Datenklau 2015” hat die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young Geschäftsführer sowie Führungskräfte aus IT-Sicherheit und Datenschutz von 450 deutschen Unternehmen befragt. Die Befragung wurde im Mai / Juni 2015 vom Marktforschungsinstitut Valid Research durchgeführt.

    Quelle: Ernst & Young - Datenklau 2015

  • Wer angegriffen wurde

    Jedes fünfte Unternehmen mit mehr als einer Milliarde Euro Umsatz hat in den vergangenen drei Jahren einen Angriff auf die eigenen Daten bemerkt, zeigt die EY-Studie. 18 Prozent der Betroffenen registrierten sogar mehrere Attacken. Mittlere (ab 50 Millionen Euro Umsatz) und kleinen Unternehmen (bis zu 50 Millionen Euro Umsatz)  erlebten seltener Angriffe: 16 beziehungsweise zehn Prozent haben Hinweise auf Spionage oder Datenklau entdeckt.

  • Welche Branche im Visier der Hacker ist

    Nicht nur die Größe entscheidet, wer ins Visier der Hacker gerät. Unternehmen der Energie- (17 Prozent ) und der Finanzbranche (16 Prozent) werden am häufigsten Opfer von Spionage und Datenklau. In der Industrie wurden 15 Prozent der Unternehmen bereits zum Opfer.

  • Wer die Hacker sind

    In den meisten Fällen (48 Prozent) ließ sich der Täter nicht zuordnen. In 18 Prozent der Fälle konnten laut EY Hackergruppen als Täter identifiziert werden. In 15 Prozent war es ein konkurrierendes ausländisches Unternehmen.

  • Vor welchen Hackern deutsche Manager Angst haben

    Die größte Gefahr geht aus Sicht der Manager von China aus: “46 Prozent nennen das Land als Region mit dem höchsten Risikopotenzial, dahinter folgen Russland (33 Prozent) und die USA (31 Prozent)”, wertet Ernst & Young aus.

  • Die Motive für den Angriff

    Hinter den Angriffen vermuten die Manager in erster Linie den Versuch an Wettbewerbsvorteile oder finanzielle Vorteile (je 29 Prozent) zu gelangen. Reputationsschädigung (8 Prozent), Racheaktion (6 Prozent) und die Störung des Geschäftsbetriebs (3 Prozent) werden deutlich seltener hinter den Attacken vermutet.

  • Wo die Angreifer Schaden anrichten

    In drei von vier Fällen (74 Prozent) handelte es sich bei den Attacken um Hackerangriffe auf die EDV-Systeme, in 21 Prozent wurden IT-Systeme vorsätzlich lahmgelegt. Deutlich seltener wurden Kunden- oder Arbeitnehmerdaten abgegriffen (elf Prozent), Mitarbeiter abgeworben oder Datenklau durch eigene Mitarbeiter begangen (jeweils zehn Prozent).

Hat ein Verbraucher ein Problem mit einem Anbieter in einem anderen EU-Land, soll er sich künftig in seiner Sprache an die heimische Beschwerdestelle wenden können. Bislang war dies nicht möglich, so musste etwa der Österreicher Max Schrems in Irland gegen Facebook klagen.

Neu ist, dass in allen 28 EU-Ländern künftig gleich hohe Standards gelten - bisher war dies sehr unterschiedlich geregelt. Datenschutz-Oasen soll es somit in Europa nicht mehr geben. Anbieter werden auch verpflichtet, so schnell wie möglich über Datenlecks zu informieren, damit Nutzer handeln können.

Die bisherigen Regeln stammen aus dem Jahr 1995, sind veraltet und wurden in einzelnen Ländern unterschiedlich umgesetzt. Der Kompromiss muss noch formal vom EU-Ministerrat und dem EU-Parlament angenommen werden.

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