Neues Rekordtief: EZB senkt Leitzins überraschend auf 0,05 Prozent

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Neues Rekordtief: EZB senkt Leitzins überraschend auf 0,05 Prozent

, aktualisiert 04. September 2014, 14:53 Uhr
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EZB-Chef Mario Draghi

Die Europäische Zentralbank senkt ihren Leitzins überraschend auf das Rekordtief von 0,05 Prozent. So soll der Mini-Inflation entgegengewirkt werden. Der Euro fiel auf ein 14-Monats-Tief.

Die EZB senkt im Kampf gegen eine drohende Deflation ihren Leitzins auf ein neues Rekordtief von 0,05 Prozent. Das teilte die Notenbank am Donnerstag in Frankfurt mit. Der Schlüsselsatz für die Versorgung des Bankensystems mit Zentralbankgeld lag seit Juni bei 0,15 Prozent.

Den Einlagesatz, zu dem Banken bei der EZB kurzfristig Geld parken können, senkte die EZB auf minus 0,2 von minus 0,1 Prozent. Der Satz, den die Institute bezahlen müssen, wenn sie Geld kurzfristig bei ihr ausleihen, kappten die Währungshüter auf 0,3 von 0,4 Prozent.

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Der Euro ging am Donnerstag prompt auf Talfahrt. Die Gemeinschaftswährung rutschte um fast einen US-Cent auf 1,3014 Dollar und notierte damit so niedrig wie seit mehr als 14 Monaten nicht mehr. Der Dax schoss um 0,5 Prozent nach oben auf 9674 Punkte. Der Bund-Future drehte ins Plus und legte 35 Ticks auf 151,20 Zähler zu.

Das sind die drei Leitzinssätze der EZB

  • Der Hauptrefinanzierungssatz

    Der wichtigste Leitzins ist der Hauptrefinanzierungssatz. Er legt den Mindestzins fest, den Geschäftsbanken der EZB für einen Kredit mit einwöchiger Laufzeit im Rahmen der sogenannten Tenderauktionen bieten müssen. Änderungen wirken sich in der Regel direkt auf die Zinsen am Geld- und am Kapitalmarkt aus.

  • Die Spitzenrefinanzierungsfazilität

    Für Banken, die sehr kurzfristig Geld brauchen, wird es teurer, hier bietet die EZB die sogenannte Spitzenrefinanzierungsfazilität an. Diese Kredite haben eine Laufzeit von einem Tag. Der Zins, den Banken für das über Nacht geliehene Geld zu zahlen haben, ist der Spitzenrefinanzierungssatz. Er liegt in der Regel rund einen Prozentpunkt über dem Hauptrefinanzierungssatz.

  • Die Einlagefazilität - der Strafzins für Banken

    Die Einlagefazilität ist das Gegenstück zur Spitzenrefinanzierungsfazilität. Sie gibt Banken die Möglichkeit, einen Überschuss an flüssigen Mitteln bis zum nächsten Geschäftstag bei der Zentralbank zu parken. Die Verzinsung gibt der Einlagefazilitätssatz an. Spitzen- und Einlagefazilität sind Instrumente, mit denen die EZB weitere Feinsteuerung verwirklichen kann. Wenn die Banken zum Beispiel nur sehr wenig oder gar keinen Zins auf das Geld bekommen, das sie bei der EZB parken, dann steigt der Anreiz, es an einen Kunden zu verleihen. Derzeit ist der Einlagezins negativ - und bestraft somit Banken, die Geld bei der EZB parken.

Mit der Zinssenkung reagieren die Währungshüter auf die sehr niedrige Inflation. Niedrige Zinsen verbilligen tendenziell Kredite und Investitionen und kurbeln so die Wirtschaft an. Das stärkt den Preisauftrieb. Im August drückten sinkende Energiepreise die Inflation im Euroraum auf 0,3 Prozent - den niedrigsten Stand seit Oktober 2009. Der Wert liegt seit Monaten deutlich unterhalb der Zielmarke der EZB von knapp unter zwei Prozent. Zudem stagnierte die Wirtschaftsleistung der Länder in der Eurozone im Frühjahr.

"Wirft Draghi jetzt Geld aus dem Hubschrauber?"

Der geringe Preisauftrieb schürt Sorgen vor einer Deflation, also einer Abwärtsspirale der Preise quer durch alle Warengruppen. Unternehmen und Verbraucher könnten dann Investitionen und Anschaffungen in der Erwartung weiter sinkender Preise hinauszögern. Das würde die fragile Konjunkturerholung in Europa abwürgen.

Schuldenkrise Die EZB wird zum Inkassobüro

Mario Draghi verwandelt die EZB gemeinsam mit Blackrock in einen Hedgefonds. Das hat unabsehbare Folgen.

Wenn Mario Draghi von seinem Skript abweicht, dann steht es schlecht um die EU Quelle: dpa

Dennoch rechnete kaum ein Experte mit einer weiteren Zinssenkung. Carsten Brzeski, Ökonom bei der niederländischen Großbank ING, zeigte sich völlig überrascht: "Beginnt jetzt auch EZB-Chef Mario Draghi damit, Geld aus dem Hubschrauber abzuwerfen?"

Die EZB will mit einem großangelegten Kaufprogramm dafür sorgen, dass Banken mehr Darlehen vergeben und so die Wirtschaft ankurbeln. Dazu will die EZB sogenannte Kreditverbriefungen (ABS) sowie Pfandbriefe aufkaufen, wie EZB-Chef Mario Draghi am Donnerstag in Frankfurt ankündigte. Bereits im Oktober sollten die Pfandbrief-Käufe beginnen.

Reuters hatte bereits vor der Pressekonferenz von Draghi aus mit der Sache vertrauten Kreisen erfahren, dass im EZB-Rat entsprechende Pläne für ein Volumen von bis zu 500 Milliarden Euro diskutiert wurden. Mit Verbriefungen können Banken ausstehende Forderungen aus Krediten an den Markt bringen und somit ihre Bilanzen entlasten. Damit haben sie mehr Luft zur Vergabe neuer Darlehen.

raghi hatte vor der Entscheidung selbst die Erwartung an den Finanzmärkten auf den Einsatz neuer geldpolitischer Instrumente geschürt. Beim jährlichen Zentralbanker-Treffen in Jackson Hole in den USA hatte er Mitte August erklärt, die EZB werde "alle verfügbaren Instrumente" einsetzen, um zu verhindern, dass die Euro-Länder in eine Spirale fallender Preise, sinkender Löhne und nachlassender Investitionen gerät.

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Kritik an der Entscheidung kam von den deutschen Privatbanken. Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Verbandes BdB, erklärte: "Die ökonomischen Wirkungen der heutigen Zinssenkung sind vernachlässigbar. Die EZB hat sich im Vorfeld der Zinsentscheidung unnötig unter Zugzwang gesetzt. Die Gefahr, dass der Euro-Raum in eine gefährliche Deflationsspirale rutscht, ist nach wie vor gering. Auf der anderen Seite wächst mit den Aktivitäten der EZB die Gefahr, dass die in mehreren Euro-Ländern dringend erforderlichen Wirtschaftsreformen weiter verschleppt werden."

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