Niedrige Inflationsrate: Die EZB droht zur Blackbox zu werden

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KommentarNiedrige Inflationsrate: Die EZB droht zur Blackbox zu werden

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Mario Draghi, der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB)

von Saskia Littmann

Die niedrige Inflationsrate setzt die Europäische Zentralbank unter Druck, aber eine erneute Zinssenkung ist umstritten. EZB-Chef Draghi liebäugelt womöglich längst mit einer anderen Lösung - doch die ist hochgefährlich.

Die Europäische Zentralbank (EZB) gerät immer mehr unter Zugzwang. Zum wiederholten Mal ist die Teuerungsrate in der Euro-Zone gesunken. Im Januar stiegen die Preise in der Währungsunion um gerade einmal 0,7 Prozent, nach 0,8 Prozent im Dezember. Grund sind vor allem die gesunkenen Preise für Energie. Rein formal wächst damit das Risiko einer Deflation, die Preissteigerung ist weit von dem Wert entfernt, den die EZB als Preisstabilität definiert hat. Der liegt bei der einer Teuerungsrate von knapp unter zwei Prozent. Es ist die Kernaufgabe von EZB-Chef Mario Draghi, die Preise stabil zu halten. Einiges spricht dafür, dass der Italiener und seine Kollegen im Rat der Notenbank am kommenden Donnerstag reagieren werden - mit niedrigeren Leitzinsen oder anderen Stimuli. Das könnte gefährlich werden.

Mario Draghi ist keiner, der angesichts solcher Daten gerne abwartet, der Notenbanker ist ein Mann der Tat. Auch im Oktober lag die Teuerung auf diesem niedrigen Niveau. Die EZB reagierte prompt - und senkte den Leitzins auf sein aktuelles Rekordtief von 0,25 Prozent. Die Gedanken an ein Inflationsgespenst sollten gar nicht erst aufkommen.

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In der Zwischenzeit blieb der Leitzins zwar stabil - Draghi wurde aber nicht müde, glaubwürdig zu versichern, dass er im Zweifelsfall auch weiter gehen würde. Mehrfach deutete der Zentralbanker an, die Zinsen im Notfall auch auf Null zu senken. Nach dem letzten Zinsentscheid Anfang Januar wurde die Rhetorik im Frankfurter Eurotower noch einmal verschärft, Draghi bekräftigte "deutlich", dass die EZB ihre wachstumsfördernde Politik so lange wie nötig beibehalten werde. "We are ready to act" - dieser Satz gehört seit Monaten zum Standardrepertoire Draghis.

EZB-Ratssitzung Der Nullzins rückt näher

Die EZB belässt den Leitzins auf seinem Rekordtief, auch mit anderen Maßnahmen hält sich die Notenbank zurück. Mario Draghi verschärft allerdings seine Rhetorik - und schürt damit Phantasien für weitere Experimente.

EZB-Präsident Mario Draghi auf der Pressekonferenz in Frankfurt. Quelle: dpa

Was ebenfalls für ein schnelles Ausrücken der geldpolitischen Feuerwehr spricht: Nicht nur die Inflationsraten sind niedrig. Auch die Inflationserwartungen haben sich zuletzt halbiert. Ökonomen rechnen damit, dass die EZB sich das nicht lange untätig anschauen wird. Denn glaubt man Ökonomen, sind es eben die Erwartungen und nicht die tatsächlichen Inflationsraten, die das Deflationsgespenst lebendig werden lassen. Vielmehr verschieben Konsumenten große Ausgaben in die Zukunft, wenn sie in den kommenden Monaten mit fallenden Preisen rechnen. Gleiches gilt für Unternehmen, die ihre Investitionen verzögern - zusammen mit den privaten Konsumenten würgen sie die Wirtschaft ab. Möglich, dass es zu diesem Kreislauf gar nicht kommen würde. Unter anderem, weil Unternehmen in den europäischen Peripheriestaaten ihre Investitionen sowieso schon auf ein Minimum reduziert haben. Ökonomen unterscheiden zwischen einer guten und einer bösen Deflation. Während es bei der guten Variante zu Kaufkraftgewinnen durch die gestiegene Produktivität kommt, führt die böse Schwester zur gefürchteten Negativspirale, gefolgt von steigender Arbeitslosigkeit und Wohlstandsvernichtung. Vermutlich will Mario Draghi nicht ausprobieren, ob sich in der Euro-Zone die guten oder die bösen sinkenden Preise durchsetzen würden.

Gegen ein sofortiges Senken der Leitzinsen spricht allerdings, dass die EZB erst Anfang März erneut ihre Inflationsprognose bekannt gibt. Im Dezember lag die noch bei 1,1 Prozent. Volkswirte gehen allerdings davon aus, dass die Zentralbank die mittelfristigen Inflationsaussichten nach unten revidieren muss. Außerdem könnte die Zentralbank auf den Kaufkraftgewinn der Konsumenten verweisen. Denn die sinkenden Inflationsraten beruhen ja vor allem auf den niedrigen Ölpreisen, Verbraucher müssen für Benzin oder heizen weniger ausgeben.

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