Nordirland: Titanic soll vor dem Untergang retten

Nordirland: Titanic soll vor dem Untergang retten

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Auferstanden aus der Tiefe Modell des Titanic-Quarter mit Besucherzentrum Belfast

von Yvonne Esterházy

Die britische Provinz soll sich an dem Erfolgsrezept des südlichen Nachbarn Irland orientierten und mithilfe ausländischer Investoren prosperieren – doch der Weg ist weit.

Brian Morgan zeigt auf das übermannshohe Wandgemälde eines jungen Mannes mit schulterlangen Haaren. „Bobby Sands – der ist als Folge eines Hungerstreiks im Gefängnis gestorben“, sagt er stolz und marschiert dann weiter zu den anderen Graffiti-Bildern, die die berüchtigte Falls Road im Herzen des katholischen Belfast säumen. Sands, einst weltberühmter Märtyrer der irischen Untergrundarmee IRA, wäre heute 57 Jahre – genauso alt wie Morgan, der selbst 15 Jahre im Gefängnis saß und heute Touristen zu den Gedenkstätten des Bürgerkriegs zwischen Katholiken und Protestanten führt.

Der Friedensprozess in Nordirland wurde zwar 1998 mit der Unterzeichnung des Karfreitagsabkommens besiegelt, doch immer noch stößt man in Belfast auf Mauern mit Stacheldraht, sogenannten Peace Walls, die die Wohngebiete von Katholiken und Protestanten trennen.
Schwerer als die alten politischen Konflikte wiegen die aktuellen Probleme Nordirlands, das ohne Subventionen aus London nicht überleben könnte. Rund neun Milliarden Pfund überweist die Zentralregierung jedes Jahr in die Region, in der knapp zwei Millionen Menschen leben.

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Eisern sparen

Nun will die Regierung in London, die derzeit eisern sparen muss, Nordirland schrittweise vom öffentlichen Sektor abnabeln. Das wird nicht leicht, denn knapp ein
Drittel aller Beschäftigten arbeitet im öffentlichen Sektor, indirekt hängen rund 60 Prozent der Arbeitsplätze vom Staat ab. Mit 7,3 Prozent liegt die Arbeitslosenrate zwar unter dem britischen Durchschnitt von 8,3 Prozent, doch fast ein Drittel der 16- bis 64-Jährigen nimmt aktuell nicht am Erwerbsleben teil.
Dennoch will der britische Finanzminister George Osborne die Neuausrichtung der nordirischen Wirtschaft vorantreiben und hofft dabei auch auf Investoren aus dem
Ausland. Weil die Republik Irland mit ihrem Körperschaftsteuersatz von 12,5 Prozent hier erfolgreicher agiert, prüft sein Ministerium sogar, Nordirland eine Halbierung der Unternehmenssteuern zu erlauben. Optimistisch verweist Peter Harbinson von der staatlichen Investitionsfördergesellschaft Invest Northern Ireland darauf, dass die US-Bank Citigroup und die New Yorker Börse bereits Teile ihrer Verwaltungen nach Belfast verlegt haben. „Bisher denken Unternehmen hierbei allerdings eher an ihre Back-Office-Funktionen als an ihre Produktion“, räumt er ein.

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