ThemaEZB

alles zum Thema
_

Notenbank: EZB drückt Leitzins auf Rekordtief

von Anne Kunz und Tim Rahmann

EZB-Präsident Mario Draghi hat erneut den Leitzins gesenkt. Doch das wird nicht reichen: Er wird die Krisenhilfen deutlich ausweiten müssen.

Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, hat den Leitzins gesenkt. Er hatte keine andere Wahl. Quelle: dapd
Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, hat den Leitzins gesenkt. Er hatte keine andere Wahl. Quelle: dapd

Mario Draghi bleibt seiner Linie treu: Er senkte zum zweiten Mal den Leitzins um 25 Punkte, auf nun 1,0 Prozent. Damit hat der Zins für die Banken wieder sein Rekordtief erreicht, auf dem er bis zum März stand. Anders als bei der ersten Sitzung Anfang November – als Draghi sein Amt als EZB-Chef mit einer überraschenden Zinssenkung spektakulär antrat - hatte der Italiener dieses Mal keine andere Wahl: Zu groß sind die Sorgen vor einer Rezession in der Eurozone.

Anzeige

In Spanien ist die Industrieproduktion im Oktober eingebrochen, Italiens Industrieminister Corrado Passera fürchtet, dass die Wirtschaft seines Landes schrumpft – und die Ratingagentur Standard & Poor’s hält die Rezessionsgefahr in der Eurozone für so groß, dass sie ein Übergreifen der Schuldenkrise auf alle Euro-Länder für möglich hält und die Bonität der 17 Staaten nun überprüft.

Die Fehler bei der Euro-Rettung


Rettungsfonds EFSF: Eine kleine Krücke
Die im Mai 2010 als Euro-Rettungsfonds geschaffene European Financial Stability Facility (EFSF) ging mit der Arbeitshypothese ans Werk, sie werde gar nie zum Einsatz kommen. Die Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone hofften, allein die Ankündigung, finanzschwachen Staaten zur Seite zu stehen, werde die Finanzmärkte nachhaltig beeindrucken. Doch es kam anders. Die Summe, die der EFSF zur Verfügung stand, ließ die Märkte kalt. Der Versuch, die Mittel der EFSF zu hebeln und das Kreditvolumen auf eine Billion Euro zu steigern, ist kläglich gescheitert. Mittlerweile sind die Investoren so beunruhigt, dass auch eine Versicherung von 20 bis 30 Prozent sie nicht mehr locken kann.

Quelle: dpa

"Der Ausblick für die Konjunktur ist sehr unsicher und birgt viele Abwärtsrisiken", erklärte auch Draghi. Mit der Zinssenkung versucht sein Haus nun, gegenzulenken. Die Währungshüter wissen aber auch: Diese Zinssenkung kann und wird nicht die letzte sein. Schließlich kann auch die Notenbank eine Rezession nicht mehr ausschließen. So rechnet die EZB für 2012 mittlerweile nur noch mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 0,3 Prozent. Aber auch ein Minuswachstum von bis zu 0,4 Prozent der Prognose zufolge im Bereich des Möglichen. Noch vor drei Monaten war die Zentralbank von einem Plus von 1,3 Prozent ausgegangen.

Die Inflation wird nach Draghis Worten in den kommenden Monaten über dem EZB-Zielwert von knapp unter 2,0 Prozent verharren. Im laufenden Jahr erwartet die Notenbank eine Jahresteuerung von 2,7 Prozent. Im kommenden Jahr dürfte der Preisdruck auch wegen der schwachen Konjunktur nachlassen. Die EZB erwartet eine Inflationsrate von 2,0 Prozent.

weitere Fotostrecken

Blogs

Alternativen gesucht
Alternativen gesucht

Der Euro wird mit jedem Tag mehr zum Verhängnis für Europa, wirtschaftlich wie politisch. Wann endlich werden...

Das Aktuelle Heft

Wirtschaftswoche

WirtschaftsWoche 21 vom 21.05.2012

iTunes Vorschau - WirtschaftsWoche
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.