Notenbankchef Belka rät zu Besonnenheit: Polen will sich mit Euro-Beitritt Zeit lassen

Notenbankchef Belka rät zu Besonnenheit: Polen will sich mit Euro-Beitritt Zeit lassen

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Marek Belka in seinem Büro.

Vor neun Jahren trat Polen der EU bei - den Euro als Währung hat das Land aber immer noch nicht. Notenbankchef Marek Belka sagte jetzt laut einem Bericht, damit habe man es auch nicht eilig.

Polen hält noch immer an der Landeswährung Zloty fest - obwohl es als das größte der osteuropäischen Länder bereits im Jahr 2004 der Europäischen Union beitrat. Und daran soll sich allzu schnell auch nichts ändern - zumindest, wenn es nach Polens Notenbankchef Marek Belka geht.

Der 61-jährige Ökonom Belka sagte dem "Handelsblatt" vom Donnerstag: "Der Euro bleibt unser strategisches Ziel. Aber wir haben uns entschieden, uns damit nicht zu beeilen." Sorge vor einem Kollaps der Gemeinschaftswährung angesichts der anhaltenden Schuldenkrise habe man nicht. Doch werde sein Land "erst beitreten, wenn wir das Gefühl haben, dass das keine Gefahr für uns wird", so Belka.

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Länderprofil Polen

  • Löhne

    20,3 Dollar (2011, absolutes Bruttoinlandsprodukt geteilt durch BIP pro Person)

  • Bevölkerung

    39 Millionen

  • Entfernung

    520 Kilometer von Berlin

  • Wachstum

    3,8 (BIP in Prozent)

  • Importe

    170 Milliarden Dollar (2011)

  • Ausländische Direktinvestitionen

    199 Milliarden Dollar (2011)

  • Länderrisiko

    0 (gemäß OECD-Klassifizierung: geringstes Risiko = 0 Punkte, höchstes Risiko = 7 Punkte)

  • Wertung Absatz

    54 Prozent

Das Land mit rund 38 Einwohnern hatte sich zwar mit dem EU-Beitritt zur Einführung des Euro verpflichtet, ein Zieldatum war allerdings nicht festgelegt worden. Zudem gibt es ein Problem mit der Verfassung, wie das "Handelsblatt" weiter berichtet: Der Zloty wird darin bislang als Landeswährung vorgeschrieben. Das könnte nur mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit geändert werden. Aktuelle Umfragen sehen jedoch die Zustimmung für Donald Tusks proeuropäische Partei schwinden, während die nationalistische PiS-Partei des Ex-Premiers Jaroslaw Kaczynski im Aufwind ist.

Tops und Flops

  • Top - Nähe zu Deutschland

    Seit der Fußball-EM verfügt Polen über ein vorbildliches Autobahnnetz. Die Nähe macht das Land zur Top-Adresse für deutsche Firmen.

  • Flop - Viele sind schon da

    Zwar ist Polen noch ein unterschätzter Markt – aber viele deutsche Unternehmen sind schon da. Für Neulinge kann es schwierig werden, die noch unbesetzte Nische zu finden.

  • Top - Effiziente Verwaltung

    Die Regierung um Ministerpräsident Donald Tusk gilt politisch als blass – aber Investoren schätzen ihre Effizienz. Polens Beamten helfen Unternehmern schnell und lautlos bei der Ansiedlung, egal, ob einheimischen oder ausländischen.

  • Flop - Höhere Löhne

    Polen ist kein Billiglohnland mehr. Zwar liegt das mittlere Salär im Monat noch unter 1000 Euro. Aber bei teils zweistelligen Zuwächsen pro Jahr verliert die Beschaffung aus Polen für deutsche Unternehmen an Attraktivität – zugunsten des Absatzes.

  • Top - Großer Absatzmarkt

    Mit 39 Millionen Einwohnern ist Polen das sechstbevölkerungsreichste Land der EU. Der anhaltende Aufschwung macht Polen als Absatzmarkt immer interessanter.

Bei der Bevölkerung ist der Euro ohnehin unbeliebt: Bei einem Volksentscheid würden zwei Drittel der Polen gegen die Gemeinschaftswährung stimmen. Notenbankchef Belka nennt die Befragung der Bevölkerung zum jetzigen Zeitpunkt "unfair", da sie "jeden Tag schlechte Nachrichten aus der Euro-Zone aus Fernsehen und Zeitungen bekommen".

Er erwartet, dass sich die Anti-Euro-Stimmung in Polen wieder dreht, sobald sich die Wirtschaft der Euro-Zone wieder fange. Polen ist das einzige EU-Land, dass die weltweite Finanzkrise ohne eine Rezession durchgestanden hat.

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