Notenbanken: Kurzer Jubel über Geldregen

KommentarNotenbanken: Kurzer Jubel über Geldregen

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Die EZB und andere Zentralbanken sorgten für ein Kursfeuerwerk

von Malte Fischer

Die Zentralbanken öffneten erneut die Geldschleusen. Doch die Schuldenkrise ist so nicht zu lösen.

Die Überraschung ist den großen Zentralbanken gelungen. In einer koordinierten Aktion erklärten die Währungshüter aus den USA, der Euro-Zone, Kanada, Japan, England und der Schweiz Mitte vergangener Woche, dass sie den Zinssatz für Dollar-Kredite an die Geschäftsbanken auf rund 0,5 Prozent halbieren. An den Finanzmärkten war das der Startschuss für ein Kursfeuerwerk. Aktien, Anleihen und der Euro sprangen kräftig nach oben. Lange hatten die von der Schuldenkrise zermürbten Börsianer auf eine solche Nachricht gewartet.

Euphorie dürfte nicht lange halten

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Doch die Euphorie an den Märkten dürfte nicht lange halten. Denn was die Zentralbanken da verkündeten, ist allenfalls eine Symptom-Kur, nicht aber die erhoffte Lösung der Schuldenkrise. Grund für die Entscheidung, Dollar-Liquidität billiger zur Verfügung zu stellen, sind die Finanzierungsschwierigkeiten der Banken aus der Euro-Zone. Viele Institute kamen in den vergangenen Wochen am Interbankenmarkt kaum noch an Dollar-Kredite, die sie benötigen, um auslaufende Kredite in den USA zu refinanzieren. Aus Angst, die Schuldenkrise in Griechenland, Portugal und Co. könnte die mit Staatsanleihen vollgepackten Euro-Banken ins Verderben stürzen, gewährten amerikanische Geldmarktfonds ihnen kaum noch Kredite.

Dollar zu Billigzinsen

Nun können sich die Banken die Dollar bei der Europäischen Zentralbank (EZB) zu Billigzinsen besorgen. Die EZB nimmt dazu ihrerseits einen Dollar-Kredit bei der US-Notenbank Fed auf. Im Gegenzug erhält die Fed einen Euro-Kredit der EZB. Grundlage sind Devisentauschgeschäfte, die die großen Notenbanken bereits im Mai 2010 möglich machten. Die Geschäftsbanken haben in den nächsten Wochen im Rahmen der regelmäßigen Refinanzierungsgeschäfte der EZB mengenmäßig unbeschränkten Zugriff auf die Dollar-Liquidität. Die niedrigen Zinsen sollen die Geldhäuser veranlassen, stärker als bisher auf die Dollar-Swaps zurückzugreifen, was einer Stigmatisierung der nachfragenden Banken entgegenwirken soll.

Überraschungscoup kann nicht die Schuldenkrise lösen

Für den Finanzsektor mag das zunächst eine gute Nachricht sein, mindert es doch die Gefahr einer Kreditklemme. Doch sollte sich niemand vom Jubel der Märkte blenden lassen und der Illusion hingeben, der Überraschungscoup der Notenbanker könne die Schuldenkrise lösen. Die Finanzierungsschwierigkeiten der Banken gründen in dem Vertrauensverlust der Kapitalgeber in die Überlebensfähigkeit der Euro-Zone. Dessen Ursache liegt in den rasant steigenden Staatsschulden und der mangelnden Wettbewerbsfähigkeit vieler Länder der Währungsunion. Wer die Euro-Krise beenden und das Bankensystem stabilisieren will, muss an diesen Punkten ansetzen. Das aber ist Aufgabe der Regierungen. Sie müssen die Märkte mit harten und konsequenten Reformen positiv überraschen und verlorenes Vertrauen zurückerobern. Billiges Geld löst das Problem nicht.

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