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Ökonomenaufruf: Gegenwind für die EZB-Verteidiger

12. September 2013
von Tim Rahmann

Ein neuerlicher Ökonomen-Aufruf beschäftigt sich mit der umstrittenen Geldpolitik der Europäischen Zentralbank. 136 Professoren lehnen darin die Anleihekäufe der Notenbank ab – unter ihnen bekannte Namen.

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Die Diskussion um den Ökonomen-Appell pro EZB ist noch nicht abgeklungen, da folgt direkt der nächste offene Brief. Dieses Mal mit einer ganz anderen Tonalität. In einem Aufruf greifen 136 deutsche Wirtschaftsprofessoren die Anleihekäufe der EZB als verbotene „monetäre Staatsfinanzierung“ an, berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". „Die Anleihekäufe der EZB sind rechtswidrig und ökonomisch verfehlt“, soll es in dem Schreiben heißen.

Initiiert wurde der aktuelle Aufruf laut "FAZ" vom Mannheimer Ökonomen Roland Vaubel. Zu den Unterzeichnern gehöre auch der Präsident des Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, der frühere Vorsitzende des Sachverständigenrates, Jürgen B. Donges, der Bonner Geldtheoretiker Manfred Neumann sowie der frühere Ministerpräsident von Sachsen, Georg Milbradt (CDU).

Zum Hintergrund: Die EZB hat von Mai 2010 bis Anfang 2012 Staatsanleihen von Euro-Krisenstaaten für mehr als 220 Milliarden Euro gekauft, um die Pleiteländer zu entlasten. Vor einem Jahr kündigte EZB-Chef Mario Draghi an, das Programm notfalls „unbegrenzt“ fortzusetzen, um die Märkte zu beruhigen und die Renditen für die Krisenstaaten zu reduzieren. Das offizielle Ziel war geldpolitisch, damit die niedrigen Leitzinsen auch in den Krisenländern ankommen.

Die Wirtschaftsprofessoren stellen die Argumentation in ihrem Aufruf infrage: „Wenn die Anleihekäufe der EZB geldpolitisch motiviert wären, würde die EZB ein repräsentatives Portefeuille aller Staatsanleihen der Mitgliedstaaten oder auch privater Anleihen kaufen“, so die „FAZ“. „Das tut sie aber nicht. Sie kauft nur Anleihen überschuldeter Mitgliedstaaten. Das ist monetäre Staatsfinanzierung“, bemängeln die Unterzeichner.

Es ist bei Weitem nicht der erste Ökonomenaufruf. Den bekanntesten Appell initiierte Walter Krämer im Juli 2012. Damals ging es um die Vergemeinschaftung von Bankschulden. Der Aufruf schlug hohe Welle. „Mich hat die teils feindliche Reaktion auf unseren Ökonomen-Aufruf überrascht. Aber ich kann das aushalten – und bin froh, dass unsere Aktion wahrgenommen wurde“, erklärte Krämer im Interview mit WirtschaftsWoche Online. „Ich finde es wichtig, dass sich die Wissenschaft politisch einmischt. Ich persönlich habe nichts zu verlieren, und werde weiter sagen, was ich denke.“ 276 Ökonomen unterzeichneten den Appell.

Krämer "Irgendwann kommt der große Knall"

Walter Krämer, Initiator des Ökonomen-Aufrufs, glaubt nicht an eine Wende zum Guten in der Euro-Krise. Im Interview erklärt er, wie der Euro unseren Wohlstand gefährdet - und warum er griechische Staatsanleihen hält.

Krämer: "Irgendwann kommt in Europa der große Knall"

Fünf namhafte Ökonomen – Marcel Fratzscher (Chef des Deutsches Instituts für Wirtschaftsforschung), Beatrice Weder di Mauro (ehemaliges Mitglied des Sachverständigenrats), Francesco Giavazzi (Ökonom an der Mailänder „Bocconi University“), Richard Portes (Professor an der „London Business School“) und Charles Wyplosz (Professor für Internationale Volkswirtschaft am Graduate Institute in Genf) – konterten vor wenigen Wochen und starteten einen Aufruf pro EZB. In ihrem Schreiben baten sie ihre Kollegen, den Kurs der Europäischen Zentralbank (EZB) zu unterstützen. 240 Volkswirte aus Universitäten in der ganzen Welt konnten Fratzscher & Co. gewinnen. Ifo-Chef Hans-Werner Sinn sprach in der WirtschaftsWoche dennoch von einer „schwachen Resonanz“, vor allem unter deutschen Ökonomen.

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Dass der neuerliche Aufruf die Aufmerksamkeit des ersten Briefes erreicht, ist unwahrscheinlich. So erklärte Walter Krämer im Juni im Gespräch mit uns, dass er keinen neuen Anlauf starten werde. „Eine Kampagne kann sich auch tot laufen. Wir werden sicher nicht noch einmal so eine Aufmerksamkeit erreichen wie beim ersten Mal. Von daher sollten wir uns auf andere Formen konzentrieren“, so Krämer damals.

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Kommentare | 9Alle Kommentare
  • 12.09.2013, 12:44 Uhrmichel

    Unabhängig von der grundsätzlichen Verfehlung über den Kauf von Staatsanleihen, halte ich die geplanten "Bankenrettungen" für wesentlich gefährlicher. Hier werden gravierend Eigentumsrechte verletzt und Spekulationsverluste aller Art auf die Allgemeinheit zwangsweise über die Zentralbank auf die Bürger umgelegt. Faktisch können Staatsanleihen, die von der Zentralbank gekauft werden sogar "ohne Folgen irgendwann gelöscht werden" da sich die dahinter liegende Geldmenge ja noch im Wirtschaftskreislauf befindet und somit durch die Löschung kein Schaden entstehen kann, da ja kein Anleger etwas verloren hat. Anders sieht es bei den "Finanzschulden" der anderen Martteilnehmer aus. Hier haben sich überwiegend "Spekulanten und große Vermögensbesitzer" zusätzloich verschuldet und damit Preise nach oben manipuliert die somit nicht mehr der realen Gegenwart entsprechen. Dies muss jetzt durch die vorhandenen Geldvermögen dieser Anleger korrigiert werden und nicht durch neue Schulden und zwangsweise Übertragung der Haftung auf völlig unbeteiligte.

  • 12.09.2013, 13:43 UhrBerlinjoey

    Jeder neue Tag bringt mir weitere Beweise, daß ich mit meiner Briefwahl für die AfD genau richtig lag. Wer lesen kann und will, kann sich nur wünschen, daß diese unsägliche "Euro-Rettung" zu Lasten Deutschlands bald beendet wird und muss die AfD wählen.

  • 12.09.2013, 14:10 UhrPandora0611

    "In einem Aufruf greifen 136 deutsche Wirtschaftsprofessoren die Anleihekäufe der EZB als verbotene „monetäre Staatsfinanzierung“ an."

    Die Professoren haben natürlich keine Ahnung
    Haben sie denn vorher Asmussen gefragt? Oder Draghi, oder Barroso?
    Die sind alle für das OMT-Program und für sie ist es auch legitim, dass die Banca d' Italia (EZB) Schrottpapiere in unbegrenzter Höhe aufkauft. Dafür haftet dann ja der Steuerzahler - vorwiegend der Deutsche mit 27% plus x%.
    Und was nach ihrer Meinung noch wichtiger ist: Es beruigt die Märkte!
    Deshalb: Am 22.9. AfD wählen!

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