Ökonomenaufruf: Hans-Werner Sinn liegt falsch

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Ökonomenaufruf: Hans-Werner Sinn liegt falsch

Der Ökonomenaufruf zur Unterstützung der Europäischen Zentralbank schlägt weiter hohe Wellen. Hans Peter Grüner von der Universität Mannheim verteidigt in einem Gastkommentar den Aufruf gegen die Kritik von Hans-Werner Sinn.

Volkswirten steht kein Labor zur Verfügung, in dem sie den Einsatz wirtschaftspolitischer Instrumente praxisnah testen können. In neuartigen Situationen sind wir deshalb manchmal gefragt, auf Basis einzelner oft partialanalytischer Forschungsergebnisse über komplexe makroökonomische Wirkungszusammenhänge zu sprechen. Das lässt der Interpretation Raum und schafft so – zumal in schwierigen Zeiten wie diesen - Platz für unterschiedliche Meinungen über die Wirkung oder den Charakter wirtschaftspolitischer Entscheidungen. So kann es gelegentlich dazu kommen, dass unterschiedliche Gruppen von Volkswirten die Politik mit konkurrierenden Ansichten und Aufrufen zum selben Thema versorgen.

Diesen Aufrufen wird gerade dann ein besonderes Gewicht beigemessen, wenn sie von vielen Kollegen – manchmal sind es hunderte – getragen werden. In der Wirtschaftswoche hat Hans Werner Sinn deshalb das Feld der quantitativen Analyse des Ökonomenaufrufs betreten. Im Zentrum von Sinns Artikel steht ein internationaler Aufruf zur Verteidigung des OMT Programms der EZB, das derzeit vom Bundesverfassungsgericht geprüft wird. Die Position der Unterzeichner um die Kollegen Marcel Fratzscher, Francesco Giavazzi, Richard Portes, Beatrice Weder di Mauro und Charles Wyplosz stelle, so Sinn, im deutschen Sprachraum bloß eine Mindermeinung dar. Denn lediglich 65 deutsche Ökonomen hätten unterschrieben – deutlich weniger als bei anderen Aufrufen. Der Aufruf zeige, „dass hinter dem OMT-Programm in Deutschland nur wenige Ökonomen stehen - und keinesfalls irgendwelche Mehrheiten“.

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Denkfabrik Ökonomen-Aufruf ohne Mehrheit

Eine Gruppe von Ökonomen hat in einem Aufruf das umstrittene OMT-Programm der Europäischen Zentralbank unterstützt. Das ist ihr gutes Recht. Eine Mehrheit vertritt sie aber nicht.

Quelle: AP/dpa

Aber was sagen diese Zahlen wirklich aus?

Zunächst einmal ist die Bedeutung der Zahl der Unterzeichner eines wissenschaftlichen Gruppenaufrufs gar nicht so klar. Ist ein Aufruf von etlichen Professoren mit unterschiedlichen Spezialgebieten informativer, als ein Zeitungsartikel von drei Spezialisten? Wie viel wäre Ihnen als Patient die Einschätzung von 300 Kardiologen zu einem diffizilen dermatologischen Spezialproblem Wert? Ganz zu Recht merkt Hans Werner Sinn deshalb an, dass der Aufruf auch in deutschen Fachgremien nur wenig Zuspruch fand.

Weshalb aber sollte ausgerechnet die Zahl der deutschen Unterzeichner eines Aufrufs interessant sein? Kann man etwa aus der Währungsgeschichte folgern, dass vor allem deutsche Fachleute einschätzen können, welche Politik der EZB mit dem Primat der Geldwertstabilität vereinbar ist? Wohl kaum. Hans Werner Sinn vergleicht lediglich die Teilnehmerzahl mit der anderer Aufrufe, die nun einmal weitgehend auf Deutschland begrenzt waren. Bei einer Hochrechnung der deutschen Zahlen hätte es weltweit mehr Unterschriften geben müssen.

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