Ölpreis-Tricksereien: Wie Russlands Kriminelle in Zypern Geld waschen

Ölpreis-Tricksereien: Wie Russlands Kriminelle in Zypern Geld waschen

von Konrad Fischer

Eine Studie des amerikanischen Forschungsinstituts GFI enthüllt, wie einfach der Euro-Staat Zypern es russischen Kriminellen macht, ihr Geld zu waschen.

Kurz vor den entscheidenden Verhandlungen über ein Hilfspaket für den kriselnden Euro-Staat Zypern gerät das Finanzsystem des Landes immer stärker in den Fokus der Kritik. Dieser Tage hat der amerikanische Thinktank "Global Financial Integrity" (GFI) eine Studie veröffentlicht, die sich mit der russischen Schattenwirtschaft befasst. Kern des Berichts ist ausgerechnet die Mittelmeerinsel Zypern. Laut den Forschern steht sie im Mittelpunkt der Geldwäsche der russischen Unterwelt. So  wurden zwischen 1994 und 2011 insgesamt 211,5 Milliarden Dollar auf illegalem Wege aus dem Land geschafft, weitere 553 Milliarden Dollar flossen im gleichen Zeitraum auf illegalem Wege nach Russland zurück. Laut GFI-Schätzung trägt die Schattenwirtschaft heute in Russland 46 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei – in Deutschland sind es 16 Prozent, in den USA gar nur knapp neun.

Anzeige

Anastasiades "Kampf gegen Geldwäsche"

Nicos Anastasiades geht als Favorit in die zypriotische Präsidentschaftswahl. Im Interview bittet der konservative Politiker um Finanzhilfe - und verspricht, entschlossen gegen Korruption und Geldwäsche vorzugehen.

Quelle: rtr

Die auffälligste Rolle spielt dabei das Steuerparadies Zypern: So flossen allein 2011 rund 129 Milliarden Euro an "Direktinvestitionen" von dort nach Russland. Erstaunlich viel für ein Land, dessen BIP gerade einmal bei rund 23 Milliarden Euro liegt.

Wissenswertes über Zypern

  • Wo liegt Zypern überhaupt?

    Die Republik Zypern liegt in Vorder-Asien. Sie ist aufgeteilt in die Türkische Republik Nordzypern und den griechischen Teil, die Republik Zypern. Die Hauptstadt ist Nikosia. Zypern ist die drittgrößte Insel des Mittelmeeres und erlangte im Jahre 1960 ihre Unabhängigkeit.

  • Wie viele Menschen leben da?

    Insgesamt leben 1,2 Millionen Menschen auf der ehemaligen britischen Insel Zypern. 77 Prozent der Bevölkerung sind Griechen, 18 Prozent sind Türken. Die Amtssprachen sind Türkisch und Griechisch.

  • Wie geht es der Wirtschaft?

    Die zyprische Wirtschaft leidet traditionell an einer Exportschwäche, die sich 2010 in einem Handelsbilanzdefizit von 5,3 Milliarden Euro niederschlug. Die 2010 wieder stark gestiegenen Importe – Wert von 6,47 Milliarden Euro – stehen Exporten im Wert von gerade einmal 1,15 Milliarden Euro gegenüber. Noch zu Beginn des Jahres 2011 lag die Arbeitslosigkeit bei sechs Prozent. Inzwischen ist sie auf über zehn Prozent angestiegen und hat einen historischen Höchststand erreicht.

  • Hat Zypern Bodenschätze?

    Ja, Zypern lebt hauptsächlich von den Bodenschätzen und der Landwirtschaft. Das Kupfervorkommen war so enorm, dass das Metall der Insel ihren Namen gab. Der lateinische Name "cuprum" ist abgeleitet von "aes cyprium". In den Bergen findet man große Vorkommen an Marmor, an den Stränden wird Tonerde abgebaut.

    Das milde Klima auf der Insel begünstigt die Ernte. So können Bauern zweimal im Jahr Obst, Gemüse und auch Getreide ernten. Beliebt sind neben den Zitrusfrüchten auch die zypriotischen Kartoffeln. Wichtigste Abnehmerländer sind Griechenland (24,5 Prozent), Deutschland (10,5 Prozent) und England (8,6 Prozent).

  • Wie englisch ist Zypern?

    Der Einfluss der britischen Kolonialzeit ist geblieben. Nicht nur, dass vielerorts noch Englisch gesprochen wird. Das beliebte englische Frühstück können die englischen Touristen auf Zypern genießen. Das Linksfahren gilt auf der geteilten Insel genauso wie auch in Großbritannien. Seien Sie also im Straßenverkehr besonders vorsichtig!

  • Wieso ist Zyperns Flagge so bunt?

    Die Fahne Zyperns ist weiß mit einem Abbild der Insel. Die orange Farbe steht symbolisch für das Metall Kupfer, das bereits 3000 v. Chr. auf Zypern entdeckt wurde. Nach diesem Metall wurde übrigens auch die Insel benannt. Weiterhin sieht man zwei Olivenbaum-Zweige. Sie stehen für die beiden Volksgruppen auf Zypern.

  • Was können die Zyprioten besser?

    Eindeutig kochen. Die multikulturelle Küche ist durch die Besatzungszeiten der Römer, Osmanen und auch des britischen Commonwealth von vielen unterschiedlichen Kulturen beeinflusst. Neben den orientalisch-kulinarischen Einflüssen wie Zitrone, Joghurt und Knoblauch sind indische Zutaten wie Ingwer und Curry sehr beliebt. Nicht nur in der Gegenwart, auch in der Antike schätzten die Menschen den zypriotischen Wein.

Wichtigstes Mittel der Geldwäsche ist laut GFI-Studie der Export und Reimport von Rohöl. Über Scheintransaktionen zwischen Tochterfirmen in verschiedenen  Ländern wird das Öl dabei zunächst zu besonders niedrigen Preisen exportiert - das Institut berichtet von Preisen von unter 10 Dollar pro Tonne - um es dann zu Marktpreisen zu reimportieren. Alles, was der Schwarzgeldbesitzer dafür braucht, sind Banken, die nicht so genau hinschauen und eine nachlässige Zollkontrolle. Den russischen Teil des Geschäfts nehmen die Kriminellen dabei weitgehend selbst in die Hand: Allein zwischen 1988 und 1996 wurden in Russland rund 2600 Bankhäuser neu gegründet, viele davon sind laut GFI-Bericht bis heute entweder direkt in der Hand der Unterwelt oder über komplizierte Besitzstrukturen indirekt mit dieser verbunden. Zudem gibt es in Russland keinerlei  Regeln, die eine Untersuchung von verdächtigen Zahlungsströmen durch die Banken selbst notwendig machen.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%