Parlamentswahl: Dänemark zeigt, dass Sparsamkeit Wachstum bringen kann

Parlamentswahl: Dänemark zeigt, dass Sparsamkeit Wachstum bringen kann

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Die dänische Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt erklärte die wirtschaftliche Krise Ende Mai für beendet.

von Konrad Fischer

Die Dänen wählen am Donnerstag ein neues Parlament. Monatelang sah es nach einem Machtwechsel aus. Doch plötzlich ist der Ausgang völlig offen - weil die Reformen der Ministerpräsidentin endlich fruchten.

Ende Mai trat die dänische Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt vor ihr Volk um zwei Botschaften zu verkünden. Erstens: Am 18. Juni wird gewählt. Und zweitens: „Die wirtschaftliche Krise ist beendet.“ Mit anderen Worten: Das ist mein Aufschwung, wenn ihr wollt, dass es so weitergeht, dann müsst ihr mich wählen.

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Das sind die wettbewerbsfähigsten Länder der Welt

  • Platz 10

    Während Deutschland im Vorjahr noch auf Rang sechs lag, schafft es die Bundesrepublik in diesem Jahr nur noch auf den zehnten Platz. Der mitteleuropäische Staat steht 2015 vor vielen Herausforderungen. Dazu gehört der Druck, die Energiewende zu meistern, die digitale Transformation der Industrie voranzutreiben und private und öffentliche Investitionen zu fördern.

    Bauen kann Deutschland auf seine hoch qualifizierten Arbeitskräfte und eine Politik der Stabilität und Vorhersehbarkeit.

  • Platz 9

    Schweden fällt im Vergleich zu 2014 um vier Ränge von Platz fünf auf Platz neun. Das nordeuropäische Königreich kann besonders mit qualifizierten Arbeitskräften, den stabilen politischen Verhältnissen, einem wirksamen Rechtssystem und einem starken Fokus auf Forschung und Entwicklung glänzen. Auch das Bildungsniveau ist sehr hoch und die Infrastruktur sehr verlässlich.

  • Platz 8

    Auch Dänemark konnte sich im Vergleich zum Vorjahr verbessern, von Platz neun geht es hoch auf Platz acht. Gut schneidet das nordeuropäische Königreich bei Managementpraktiken, Gesundheit und Umwelt sowie Arbeitsstandards ab. Auf dem ersten Rang landet Dänemark in der Kategorie der Regierungseffizienz gleich fünf Mal, denn es zeichnet sich nicht nur durch eine besonders große Rechtstaatlichkeit aus, sondern auch dadurch, dass Bestechung und Korruption kaum eine Chance haben.

  • Platz 7

    Norwegen kann im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von drei Plätzen verzeichnen und landet damit auf dem siebten Platz. Die skandinavische Halbinsel kann vor allem mit gesellschaftlichen Rahmenbedingungen aufwarten, mit denen sie im internationalen Vergleich auf Platz eins landet. Weitere Faktoren, mit denen Norwegen punkten kann, sind im Bereich der Regierungseffizienz zu finden. Chancengleichheit, Transparenz sowie Rechtstaatlichkeit sind nur einige der besonders effektiven Maßnahmen der öffentlichen Hand.

  • Platz 6

    Für Luxemburg ging es von Platz elf im Jahr 2014 hoch auf Platz sechs. Sehr gut schneidet das Großherzogtum im Bereich der politischen Stabilität, der wettbewerbsfähigen Besteuerung, des unternehmerfreundlichen Umfeldes und der qualifizierten Arbeitskräfte ab.

  • Platz 5

    Kanada hat es in diesem Jahr auf Platz fünf geschafft. Im Vorjahr landete der nordamerikanische Staat noch auf Platz sieben des IMD World Competitiveness Ranking. Die gute Platzierung hat Kanada vor allem der Stabilität und Vorhersehbarkeit in der Politik, dem hohen Bildungsniveau, qualifizierten Arbeitskräften und einem wirksamen Rechtssystem zu verdanken. Ganz gut schneidet Kanada auch aufgrund einer unternehmerfreundlichen Umgebung und einer offenen und positiven Haltung ab.

  • Platz 4

    Der vierte Platz geht in diesem Jahr an die Schweiz. Unternehmen aus aller Welt wissen vor allem die sehr gute Infrastruktur des kleinen Alpenstaates zu schätzen. Die hohe Bildung und der Umweltschutz landen gar im Vergleich zu 2014 nicht mehr nur auf Platz drei, sondern gleich auf der Eins. Auch die robuste Wirtschaft, Arbeitsstandards, geringe Entlassungs- sowie Kapitalkosten sind im internationalen Vergleich so gut wie unschlagbar.

  • Platz 3

    Unter die ersten drei schafft es in diesem - wie auch schon im vergangenen Jahr - der Insel- und Stadtstaat Singapur. Besonders punkten konnte das asiatische Land bei Unternehmen in diesem Jahr mit seinem institutionellen Rahmen, der im weltweiten Vergleich auf Rang eins landet. Außerdem liegt Singapur bei der technologischen Infrastruktur sowie der Bildung ganz weit vorne.

  • Platz 2

    Platz zwei geht an die chinesische Sonderverwaltungszone Hongkong. Im Vergleich zum Vorjahr hat die chinesische Metropole zwei Plätze gut gemacht. Unternehmen aus aller Welt schätzen Hongkong insbesondere aufgrund der betriebswirtschaftlichen Gesetzgebung, der Managementpraktiken, der unternehmerischen Einstellungen und Werte und der technologischen Infrastruktur. Ganz gut steht Hongkong auch bei internationalen Investitionen, der Fiskalpolitik und bei den Betriebsfinanzen da.

  • Platz 1

    Die wettbewerbsfähigste Volkswirtschaft der Welt sind die Vereinigten Staaten von Amerika. Das hat das IMD World Competitiveness Center in seiner aktuellen Vergleichsstudie bekannt gegeben.

    Besonders attraktiv finden Firmen in den USA - laut Ranking - die dynamische Wirtschaft (66,2 Prozent), den guten Zugang zu Finanzierungsmöglichkeiten (55,1 Prozent), den starken Fokus auf Forschung und Entwicklung (49,3 Prozent) sowie das unternehmensfreundliche Umfeld (43,4 Prozent).

    Punkten können die USA zudem als attraktiver Forschungsstandort. Nachholbedarf gibt es im Bereich der Schulbildung.

Ob die Sozialdemokratin damit die Wahl auch tatsächlich gewinnt, darüber lässt sich am Wahltag keine klare Prognose machen. Und genau darin liegt Thorning-Schmidts erster Erfolg. Denn über Monate hatte sie wie die hoffnungslose Verliererin ausgesehen, zeitweise lag ihr Bündnis in Umfragen bis zu 15 Prozentpunkte hinter den konservativen Herausforderern. Jetzt ist sie chancengleiche Kandidatin in einem der engsten Wahlkämpfe, den Kopenhagen je gesehen hat. Und das hat sie vor allem der Tatsache zu verdanken, dass ihr ebenso scharfes wie scharf kritisiertes Sparprogramm pünktlich im Wahljahr den Erfolg feiert, auf den die Dänen so lange gewartet haben.

Verhältnismäßig unbemerkt von der europäischen Öffentlichkeit ist Dänemark nach der Finanzkrise in eine der heftigsten Wirtschaftskrisen aller Länder des Kontinents gerutscht. Ebenso wie in Spanien oder Irland platzte hier 2008 eine ziemlich große Immobilienblase, die Preise rutschten um gut 20 Prozent in den Keller. Plötzlich war Dänemark das Land mit der weltweit höchsten Pro-Kopf-Verschuldung. Doch da das Land nicht Mitglied des Euroraumes ist, sorgte sich darum kaum einer. In Dänemark aber begann eine anhaltende Rezession, die auch den Haushalt des Landes belastete.  Bis 2008 hatte das Land jahrelang einen Haushaltsüberschuss erzielt, mit einem Mal galt  diese Stabilität mit entgegengesetzten Vorzeichen: Seit nunmehr sechs Jahren ist er Staatshaushalt des Landes defizitär.

Als Helle Thorning-Schmidt 2011 Ministerpräsidentin wurde und die Regierungsverantwortung damit vom konservativen Lager ins sozialdemokratische wechselte, mussten liberale Ökonomen daher das schlimmste befürchten: Teure Konjunkturprogramme, noch höhere Schulden, am Ende gar eine Spirale südeuropäischen Ausmaßes? Doch Thorning-Schmidt entschied sich anders, von Außen muss es fast so scheinen als habe sie sich am deutschen Sozialdemokraten und Arbeitsmarktreformer Gerhard Schröder (SPD) orientiert. Die umstrittene Kürzung der Versorgungsleistungen für Arbeitslose führte sie fort. Statt vier Jahre lang Geld vom Staat zu bekommen, gibt es nur noch zwei Jahre lang volle Unterstützung. Das klingt immer noch ziemlich komfortabel, für dänische Verhältnisse aber war es ziemlich rabiat.

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Zudem senkte Thorning-Schmidt die Steuerlast für Unternehmen. Heute zeigt sich, dass die Sozialdemokratin so den Kern dessen stärkte, was vor der Krise das dänische Erfolgsmodell ausgemacht hatte: „flexicurity“, die Mischung aus einem beweglichen Arbeitsmarkt und hohen Versorgungsleistungen. Doch war die Flexibilität etwas aus den Augen verloren worden. Die Dänen führten zwar jede Statistik an, wenn es um berufliche Auszeiten für Väter, pünktliche Feierabende und allgemeine Lebenszufriedenheit ging – aber auch die der höchsten Arbeitskosten in Europa.

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