Patrick Morris: "Was zählt, ist der Profit"

Patrick Morris: "Was zählt, ist der Profit"

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Hedgefondsmanager Patrick Morris

von Angela Hennersdorf

Der Hedgefondsmanager Patrick Morris über die Kritik an seiner Branche und das gespannte Verhältnis zwischen Profit und Moral im griechischen Schuldendrama.

WirtschaftsWoche: Mr. Morris, bei den Verhandlungen um einen Schuldenschnitt für Griechenland pochen einige private Gläubiger darauf, voll ausgezahlt zu werden. Ist Rendite ein Menschenrecht?

Morris: In den Augen der Investoren tun diese Hedgefonds genau das Richtige: Rendite erwirtschaften – mit allen Mitteln. Die philosophische Debatte darüber, ob das richtig oder falsch ist oder ob die Interessen einiger weniger privater Investoren wichtiger sind als das Allgemeinwohl – diese Debatte führen diese Hedgefonds nicht. Sie argumentieren vielmehr, ihre Rechte könnten nicht einfach missachtet werden, nur weil es jetzt plötzlich als opportun erscheint oder weil einige Leute extrem davon profitieren würden.

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Ihr Image als gierige und skrupellose Kapitalisten bestätigen die Hedgefonds damit ja wunderbar.

Diese amerikanischen Hedgefondsmanager denken anders als die Europäer: Was zählt, ist der Profit, nicht die Moral. Sie stehen auf dem Standpunkt, wenn ihr zahlen könnt, dann zahlt. Selbst wenn es für Deutschland und Frankreich schmerzlich ist, das notwendige Geld für Griechenland aufzubringen, selbst wenn eine Rezession in Europa die Folge wäre oder die Euro-Zone auseinanderbrechen würde. Das Allgemeinwohl interessiert sie dabei herzlich wenig.

Könnten die Hedgefonds damit vor einem Gericht Erfolg haben?

Ich würde dringend davon abraten, bei einem europäischen Gericht zu versuchen, das Recht einiger reicher nicht europäischer Investoren durchsetzen zu wollen. Selbst wenn die Fakten für sie sprechen, wäre das ein verlorener Kampf. In Europa wird individuelles Recht nicht über das Allgemeinwohl gestellt. In Amerika wäre das anders. Hier könnte man so eine Klage wagen. Die Aussichten auf Erfolg stünden gut.

Die Investoren gingen ja nun nicht pleite, wenn sie auf einen Teil ihres Geldes verzichten würden. Sie machen auf jeden Fall Profit. Schließlich haben sie sich gegen einen Ausfall abgesichert.

Darum geht es nicht. Wenn man das traditionelle institutionelle Investmentgeschäft verlässt und in alternative Asset-Bereiche einsteigt, dann herrschen dort andere Regeln. Das Einzige, was dort zählt, ist: Wie groß ist der Profit am Ende des Jahres? Daran misst sich der Erfolg der Manager und an sonst gar nichts. Nicht von ungefähr kommt es immer wieder zum Insiderhandel in der Branche. Selbst Fondsmanager Raj Rajarantnam war der Überzeugung, nur im Interesse seiner Investoren gehandelt zu haben. Er argumentiert noch heute, er habe die besten verfügbaren Informationen eingeholt, um den Gewinn für die Investoren zu maximieren. Für solche Leute ist das nicht unmoralisch und schon gar nicht illegal.

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