Peter Bofinger und Thomas Mayer: "Es knirscht im Euro-Raum"

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InterviewPeter Bofinger und Thomas Mayer: "Es knirscht im Euro-Raum"

von Angela Hennersdorf, Konrad Handschuch und Malte Fischer

Soll die EZB Staatsanleihen kaufen und den Euro weichspülen? Die Ökonomen Thomas Mayer und Peter Bofinger streiten über die Zukunft der Währungsunion.

WirtschaftsWoche: Herr Mayer, Herr Bofinger, die Rückkehr der Euro-Krise, die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) und die Spekulation um eine weitere geldpolitische Lockerung haben den Kurs des Euro zum Dollar weit nach unten gedrückt. Gleichzeitig bereiten die Notenbanken in den USA und Großbritannien die Anleger auf höhere Zinsen vor. Steuern wir auf einen Währungskrieg zu?

Bofinger: Währungskrieg ist das falsche Wort. Sicherlich wird EZB-Präsident Mario Draghi versuchen, den Euro möglichst niedrig zu halten. Das ist der einfachste Weg, die Probleme im Euro-Raum zu lösen. Löhne zu senken oder Sozialleistungen zu kürzen wäre viel schwieriger. Diese Strategie könnte sogar aufgehen, weil die Amerikaner gar nicht so auf den Außenwert bezogen denken. Der amerikanische Ansatz ist doch: our currency, your problem. Aber ein Währungskrieg ist das nicht, das würde ja bedeuten, dass die andere Seite etwas tut, um ihre Währung abzuwerten. Das sehe ich nicht.

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Die Prognose der Investmentbank Goldman Sachs für den Dollar-Euro-Wechselkurs liegt bei 1:1 bis Ende 2017. Würden die Amerikaner das noch dulden?

Taube gegen Falke

  • Peter Bofinger

    Bofinger, 60, ist seit März 2004 Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung und lehrt seit 1992 Volkswirtschaft an der Universität Würzburg.

  • Thomas Mayer

    Mayer, 61, ist Volkswirt und Gründungsdirektor des Flossbach von Storch Research Institute der gleichnamigen Vermögensverwaltung in Köln. Von 2010 bis 2012 war er Chefvolkswirt der Deutschen Bank.

Mayer: Es kommt immer darauf an, ob die amerikanische Wirtschaft gut läuft. Im Moment scheint das Konsens zu sein. Solange das der Fall ist, ist der Fed der Wechselkurs nicht so wichtig. Wenn sich die Konjunktur aber drehen sollte, dann dürften die Amerikaner einen anderen Standpunkt einnehmen. Vielleicht gar nicht so sehr die Notenbank, aber in der Politik würde das zu Diskussionen führen.

Bofinger: Ich verstehe diese langfristigen Wechselkursprognosen sowieso nicht. Devisenmärkte haben doch keine Geschwindigkeitsbegrenzung. Wenn es sein muss, ist der Euro-Wechselkurs morgen bei 1:1 zum Dollar. Wenn da Dynamik reinkommt, kann das sehr schnell gehen.

Ist die Euro-Abwertung überhaupt ein sinnvolles Instrument, um die wirtschaftlichen Probleme im Euro-Raum zu lösen?

Bofinger: Ich glaube an die Macht von Wechselkursen. Natürlich gibt es Gegeneffekte, Importe werden teurer. Aber, wenn man ein Wettbewerbsproblem mit Drittländern hat, hilft die Abwertung.

Mayer: Eine Strategie, die die Währung schwächt, ist ökonomisch ineffizient. Eine Abwertung der Währung, um Kostenunterschiede auszugleichen, unterstützt ineffizientes Wirtschaften. Da bleiben Unternehmen im Markt, die Produkte herstellen, die die Konsumenten nicht wollen. Langfristig ist das ungesund, die Wirtschaft verliert an Dynamik.

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EZB-Präsident Mario Draghi Quelle: dpa

Bofinger: Aber das Beispiel China zeigt, dass eine solche Strategie auch langfristig funktionieren kann. Seit Jahren halten die Chinesen ihren Wechselkurs niedrig, um ihren Export zu stabilisieren – und das mit Erfolg.

Mayer: Das Gegenbeispiel ist Italien. Der italienischen Wirtschaft hat es nicht gutgetan, als die Lira in den Siebziger- und Achtzigerjahren um fast 250 Prozent gegenüber dem Dollar abgewertet hat. Der Unterschied ist: China dämpft die Aufwertung, Italien wertete massiv ab.

Bofinger: Ich halte auch nichts davon, gezielt die Abwertung der Währung als Instrument der Wettbewerbsfähigkeit einzusetzen. Aber dass eine Notenbank versucht, den Wechselkurs auf einem vernünftigen Pfad zu halten, halte ich für richtig. Ob man nun den Euro gezielt etwa auf 80 Cent runterdrücken sollte, das ist eine ganz andere Frage.

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