Politik der Zentralbanken: Ist Reden Gold für Bernanke und Draghi?

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Politik der Zentralbanken: Ist Reden Gold für Bernanke und Draghi?

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Fachleute nennen die neue Offenheit von Draghi und Bernanke "Forward Guidance" - ein Ausblick auf die Zinsentwicklung in der Zukunft.

Wenn sie sprechen, hängt die Finanzwelt an ihren Lippen: EZB-Präsident Draghi und Fed-Chef Bernanke sind bemüht, ihre Politiken offen zu kommunizieren. Allerdings haben Beide zwei unterschiedliche Interessen.

Der Volksmund weiß seit langem: Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. Doch gilt das auch für Notenbanker, die seit Jahren in der Finanz- und Schuldenkrise das System am Laufen halten. Sie sind oft verschwiegen, zuletzt aber sehr vielstimmig und teilweise ungewohnt klar in ihren Aussagen, die immer wieder die Kapitalmärkte durchrütteln. Investoren wollen Orientierung - gerade in Zeiten der Unsicherheit. Was also tun? Das fragen sich dieser Tage nicht nur Fed-Chef Ben Bernanke und EZB-Präsident Mario Draghi.

Fast schon traditionell tun sich die Finanzmärkte bei der Interpretation schwer, was Notenbanker wirklich meinen und wohin die geldpolitische Reise dieses Mal geht. Heute sind es nicht die endlosen Satz-Ungetüme von Bernankes berühmt-berüchtigtem Vorgänger Alan Greenspan, die Verwirrung stiften, sondern gerade die Versuche der US-Notenbank Fed und der Europäischen Zentralbank (EZB), so deutlich wie noch nie zu kommunizieren. Fachleute nennen die neue Offenheit "Forward Guidance" - ein Ausblick auf die Zinsentwicklung in der Zukunft.

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Das sind die drei Leitzinssätze der EZB

  • Der Hauptrefinanzierungssatz

    Der wichtigste Leitzins ist der Hauptrefinanzierungssatz. Er legt den Mindestzins fest, den Geschäftsbanken der EZB für einen Kredit mit einwöchiger Laufzeit im Rahmen der sogenannten Tenderauktionen bieten müssen. Änderungen wirken sich in der Regel direkt auf die Zinsen am Geld- und am Kapitalmarkt aus.

  • Die Spitzenrefinanzierungsfazilität

    Für Banken, die sehr kurzfristig Geld brauchen, wird es teurer, hier bietet die EZB die sogenannte Spitzenrefinanzierungsfazilität an. Diese Kredite haben eine Laufzeit von einem Tag. Der Zins, den Banken für das über Nacht geliehene Geld zu zahlen haben, ist der Spitzenrefinanzierungssatz. Er liegt in der Regel rund einen Prozentpunkt über dem Hauptrefinanzierungssatz.

  • Die Einlagefazilität - der Strafzins für Banken

    Die Einlagefazilität ist das Gegenstück zur Spitzenrefinanzierungsfazilität. Sie gibt Banken die Möglichkeit, einen Überschuss an flüssigen Mitteln bis zum nächsten Geschäftstag bei der Zentralbank zu parken. Die Verzinsung gibt der Einlagefazilitätssatz an. Spitzen- und Einlagefazilität sind Instrumente, mit denen die EZB weitere Feinsteuerung verwirklichen kann. Wenn die Banken zum Beispiel nur sehr wenig oder gar keinen Zins auf das Geld bekommen, das sie bei der EZB parken, dann steigt der Anreiz, es an einen Kunden zu verleihen. Derzeit ist der Einlagezins negativ - und bestraft somit Banken, die Geld bei der EZB parken.

Unterschiedliche Interessen

Für Bernanke und Draghi - die mächtigsten Zentralbanker der Welt - geht es um viel. Wenn sie sprechen, hängt die Finanzwelt an ihren Lippen, Dollar und Euro können binnen Sekunden in den Keller stürzen oder die Indizes an der New Yorker Wall Street und in Frankfurt Rekordstände erklimmen. Allerdings ist die Interessenslage der Beiden in diesen Tagen nicht synchron: Während Bernanke die Märkte Schritt für Schritt auf ein Ende seiner seit Jahren extrem laxen Geldpolitik vorbereiten muss und so, ob er will oder nicht, für anziehende Geldmarktzinsen sorgt, zwingt er genau damit Draghi, zum ersten Mal Auskunft zu geben über die Pläne der Euro-Notenbank. Bei der Fed geht es darum, wie lange sie noch mit Volldampf Geld druckt und Monat für Monat für 85 Milliarden Dollar Staats- und Immobilienpapiere kauft. Bei der EZB stellt sich dagegen die Frage, wie lange der Leitzins noch bei 0,5 Prozent bleibt oder wegen der hartnäckigen Rezession sogar noch weiter sinkt.

Die Protokolle und Wortmeldungen der jeweils führenden Notenbank-Vertreter zeigen: so uneins wie zurzeit waren sie sich selten. Bei der EZB versuchten alleine in der ersten Woche nach Draghis Überraschungscoup mit der "Forward Guidance", Kollegen aus dem EZB-Rat acht Mal für Klarheit zu sorgen. Und erreichten genau das Gegenteil.

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