Portugal: Regierung und Sparkurs vor ungewisser Zukunft

Portugal: Regierung und Sparkurs vor ungewisser Zukunft

Im gerade erst stabilisierten Portugal brechen nach der Parlamentswahl komplizierte Zeiten an. Das konservative Regierungsbündnis wird es sehr schwer haben, an der Macht zu bleiben und das Sparprogramm fortzusetzen.

Nach der Parlamentswahl in Portugal stehen das konservative Regierungsbündnis und dessen strenge Sparpolitik vor einer ungewissen Zukunft. Die Zwei-Parteien-Allianz „Portugal à Frente“ (PàF/Portugal voran) von Ministerpräsident Pedro Passos Coelho ging zwar aus der Abstimmung am Sonntag erneut als stärkste Kraft hervor - es verlor aber die absolute Mehrheit im Parlament. Die drei linken Oppositionsparteien, die die Sanierungspolitik beenden wollen, errangen zusammen mehr als die Hälfte aller Sitze in der Lissabonner „Assembleia da República“. 

Passos bezeichnete seine Allianz dennoch als „Siegerin“ und kündigte in Lissabon unter dem Jubel von Parteifreunden und Anhängern den Versuch einer Regierungsbildung an: „Wir werden dem Präsidenten der Republik sagen, dass wir zum Regieren bereit stehen.“ Es wäre komisch, fügte er an, wenn der Wahlsieger „nicht regieren dürfte“. Das Sparprogramm will er 2016 zwar fortsetzen, Passos gab aber auch bekannt, dass er die Gehaltskürzungen im öffentlichen Dienst graduell zurücknehmen wolle.

So benehmen Sie sich in Portugal richtig

  • Anrede

    Titel haben hohen Rang. Ein Ingenieur will mit „Herr Ingenieur“ angesprochen werden. Das Gleiche gilt für den Doktor. Solche Grade stehen natürlich auch auf Visitenkarten. Geduzt wird übrigens erst, wenn Bruderschaft getrunken wurde. Bis dahin bleibt es beim „Sie“.

  • Begrüßung

    Anders als in Spanien werden in Portugal keine Wangenküsschen gegeben. Der Handschlag reicht.

  • Einladung

    Seien Sie nicht verwundert, wenn Ihr Geschäftspartner Sie beim dritten Besuch nach Hause einlädt. Die Portugiesen sind stolz auf ihr Heim und teilen diese Privatsphäre gerne mit Geschäftsfreunden. Die Einladung anzunehmen ist Pflicht.

  • Essen

    Lange Geschäftsessen sind nicht üblich. Auch wird früher und schneller zu Mittag gegessen als in Spanien: 13.30 Uhr ist die übliche Zeit.

  • Jackett

    Im Restaurant sollte der Mann nie das Jackett ausziehen, ohne vorher die anderen zu fragen – auch nicht im Sommer!

  • Kleidung

    Mit pinken oder gelben Hemden wie in Spanien machen Sie sich in Portugal lächerlich. Die dominanten Farben bei Anzügen sind Grau, Blau und Schwarz, bei Hemden Hellblau und Weiß. Für Frauen gilt dasselbe. Im Business trägt sie entweder Kostüme oder Hosenanzüge.

  • Konversation

    Denken Sie nie, Portugal sei wie Spanien! Im Gespräch sollten Sie klarmachen, dass Sie verstanden haben, dass die portugiesische Kultur eine völlig andere ist, sonst sind die Portugiesen beleidigt.

  • Kritik

    Portugiesen sind sehr selbstkritisch, mögen aber nicht, wenn Ausländer sie kritisieren. Deswegen: Vorsicht mit negativen Äußerungen über Land und Leute!

  • Sprache

    Auch wenn Sie Spanisch können: Reden Sie mit Portugiesen Englisch. Nicht wenige hegen Argwohn gegen den wirtschaftlich stärkeren Nachbarn.

  • Stimme

    Reden Sie nie laut! Das gilt als sehr unhöflich und wenig diskret.

Der Spitzenkandidat der Sozialisten (PS) interpretierte das Ergebnis der Wahl anders als Passos. Der Wähler habe sich für einen Regierungswechsel ausgesprochen, sagte António Costa. Sowohl die PS als auch die beiden anderen Linksparteien, die den Einzug ins Parlament schafften, ließen wissen, dass man eine konservative Regierung nicht mittragen und auch den von Passos als „oberste Priorität“ bezeichneten Haushalt für 2016 nicht absegnen werde. Nach übereinstimmender Einschätzung von Medienbeobachtern steht Portugal vor einer schwierigen Regierungsbildung. Es sei davon auszugehen, dass das Staatsoberhaupt Anibal Cavaco Silva zunächst die stärkste Fraktion mit der Regierungsbildung beauftragen werde.

Nachdem gut 50 Prozent der Stimmen im Jahr 2011 mussten sich die Konservativen diesmal mit 38,8 Prozent begnügen. Nach Auszählung von knapp 100 Prozent der Stimmen kamen die Sozialisten nur auf 32,4 Prozent. Die CDU, ein Bündnis aus Kommunisten und Grünen, lag bei 10,2, der marxistische Linksblock (BE) bei 8,3 Prozent. Nach der Vergabe von 226 der insgesamt 230 Parlamentssitze bekam PàF in der Nacht zum Montag nur 104 (2011: 132). Die drei linken Parteien brachten es unterdessen zusammen auf 121. Zur Möglichkeit einer linken Regierungskoalition sagten die Oppositionsparteien vorerst allerdings nichts Konkretes.

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Die Tierschutzpartei PAN wird erstmals in der Geschichte einen Abgeordneten stellen. Die restlichen vier Parlamentssitze werden später, eventuell erst in den nächsten Tagen nach Auszählung der Stimmen der im Ausland lebenden Portugiesen vergeben, wie die Wahlbehörde CNE mitteilte. Die Wahlbeteiligung habe mit 56,93 Prozent auf einem historischen Tiefstand gelegen.  Die Wahl galt auch als Abstimmung über den harten und umstrittenen Sparkurs von Passos. Der 51-jährige gelernte Ökonom hatte zwar verhindert, dass Portugal zu einem „zweiten Griechenland“ wurde, war aber im Land wegen der starken Kürzungen und Steuererhöhungen und einer „zunehmenden Verarmung der Bevölkerung“ (Costa) scharf kritisiert worden. Im Wahlkampf hatte Passos vor „Chaos“ im Falle einer linken Regierung gewarnt.

Portugal war 2011 von der EU und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) mit 78 Milliarden Euro vor dem Bankrott bewahrt worden. Nach drei Jahren unter dem EU-Rettungsschirm steht das Land seit Mai 2014 finanziell wieder auf eigenen Beinen. 2014 wurde nach drei Rezessionsjahren in Serie ein Wachstum von 0,9 Prozent erreicht.

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