ThemaEZB

alles zum Thema

Post aus Harvard: Der neutrale Anleihenkorb

Post aus Harvard: "Kauf von Anleihen durch die EZB wäre ein Fehler"

« 2 / 2

Der neutrale Anleihenkorb

Die Euro-Gruppe eilt Zypern zur Hilfe und gewährt dem Land einen 10-Milliarden-Euro-Kredit. Im Gegenzug muss Präsident Nikos Anastasiades die Körperschaftssteuer anheben und die heimischen Sparer zur Kasse bitten. Die Ratingagenturen haben schon lange den Glauben an die Kreditfähigkeit des Landes verloren. Staatsanleihen der Mittelmeerinsel werden als Ramschpapiere bewertet.

Rating (S&P/Moody's/Fitch): CCC+/ Caa3 / BB-

Bild: AP/dpa

Dieser Ansatz eines neutralen Anleihenkorbs würde es der EZB erlauben, beträchtliche Volumina an italienischen und spanischen Anleihen zu kaufen, aber nur, wenn sie gleichzeitig auch noch größere Mengen an französischen und deutschen Anleihen kauft. Damit kämen diese Anleihenkäufe der EZB den Offenmarktgeschäften der amerikanischen Notenbank Federal Reserve oder jenen der Bank of England so nahe, wie dies in Ermangelung einer souveränen Euro-Zonen-Regierung möglich ist.

Die Schwelle zwischen Geld- und Fiskalpolitik

Im Gegensatz dazu würde der Kauf von Staatsanleihen aus Ländern mit hohen Zinsen durch die EZB die dortigen Regierungen von dem Druck befreien, ihre Haushaltsdefizite abzubauen. Würde die EZB Zinssätze auf langfristige Anleihen kontrollieren wollen, wie Italiens Premier Mario Monti vorgeschlagen hat, wäre es für Politiker, Parlamente und Wähler schwierig, zu wissen, ob die Haushaltslage wirklich besser geworden ist. Die Länder der Euro-Zonen-Peripherie haben sich in den vergangenen zehn Jahren auch deshalb übermäßig verschuldet, weil vom Anleihenmarkt kein Signal kam, dass die Schulden zu hoch waren. Zudem wäre die EZB möglicherweise gezwungen zu entscheiden, ob die Haushaltspolitik eines Landes strikt genug ist, um mit niedrigeren Zinsen belohnt zu werden. Damit überschritte die EZB die Schwelle zwischen Geldpolitik und Fiskalpolitik.

Darüber hinaus wäre es möglich, dass Deutschland die umfangreichen EZB-Käufe hochriskanter Anleihen und die damit verbundenen Ausfallrisiken nicht mehr akzeptiert. Aufgrund der EZB-Bilanz und der Target2-Salden der Deutschen Bundesbank ist die Bundesrepublik ohnehin mit großen finanziellen Risiken konfrontiert. Es ist nicht unvorstellbar, dass Deutschland möglicherweise zu dem Schluss käme, es wäre trotz der potenziellen Auswirkungen auf den Wechselkurs mit einer Rückkehr zur Deutschen Mark besser dran.

Weitere Artikel

Substanzielle Kosten

Aus all diesen Gründen wäre der direkte Kauf von Anleihen durch die EZB zur Begrenzung der Zinssätze ein Fehler. Ebenso falsch wäre es, Geschäftsbanken zu ermutigen, diese Anleihen zu kaufen und sich damit bei der EZB zu refinanzieren. Und es wäre ein Fehler, den ESM mit einer Banklizenz auszustatten, die ihm eine Refinanzierung bei der EZB ermöglichte, wodurch die Käufe der Anleihen von Ländern der Euro-Peripherie enorm ansteigen würden.

Anzeige

Die Regierungen der Krisenländer sollten stattdessen die nötigen Reformschritte unternehmen, um das Risiko eines Zerfalls der Währungsunion zu reduzieren. Ein solcher wäre nicht nur für die Mitglieder der Euro-Zone, sondern für alle mit substanziellen Kosten verbunden. Leider haben die jüngsten Äußerungen der offiziellen Vertreter der EZB den Druck von den Regierungen genommen, genau diese Schritte einzuleiten.

7 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 10.08.2012, 09:17 UhrLilly

    @ Blickendoerfer: "Es ist kein Zufall oder ein Mangel an Deutsch-Kenntnissen, wenn beim Leihen-Verleihen letzteres als Kaufen bezeichnet wird.
    "(Staats)Anleihen kaufen" - auch wenn es überall verwendet wird - ist eine unsinnige Aussage, mit der verschleiert wird. Staats-Anleihe ist Bezeichnung dafür, dass der Staat sich (zum Bespiel von der EZB) Geld leiht. Also nicht die EZB "kauft" Staats-Anleihen, sondern verleiht Geld, verkauft den Gebrauch von Geld, an den Staat, der es gebraucht und es nach einer Frist plus Mehr-Geld zurückgeben muss. Als Sicherheit übergibt er dem Verleiher, der EZB, ein auf diese Menge Geld lautendes Papier, das diesen "Wert" habe. Dass dieses auf Geld lautende Papier als "Staatsanleihe" bezeichnet wird, verschleiert die Fragwürdigkeit seines "Wertes". Und dass die EZB "Staatsanleihen kaufe" (übrigens ohne zu bezahlen) verschleiert die weitere Verschuldung des Staates durch den Gebrauch ihm nicht gehörenden Geldes."

    Danke für den Hinweis, Blickensdoerfer.

    Doch bevor man, wenn man den Sachverhalt kritisieren möchte, diesen ganzen Passus noch mal verdeutlicht, spricht man eben gemeinhin von "Staatsanleihen kaufen", selbst wenn es das korrekterweise nicht trifft.

  • 10.08.2012, 09:10 UhrLilly

    Kauf von Anleihen wäre ein Fehler?

    Bekanntlich sind bereits Anleihen im Wert von 211,5 Mrd. € von der EZB gekauft worden. Hinzu kommen die letzten 4 Mrd € im August für GR über ELA.

    Und Portugals Präsident fordert gestern:
    EZB soll sofort Anleihen kaufen

    http://m.ftd.de/artikel/70074755.xml?v=2.0

  • 08.08.2012, 10:02 UhrBlickensdoerfer

    Es ist kein Zufall oder ein Mangel an Deutsch-Kenntnissen, wenn beim Leihen-Verleihen letzteres als Kaufen bezeichnet wird.
    "(Staats)Anleihen kaufen" - auch wenn es überall verwendet wird - ist eine unsinnige Aussage, mit der verschleiert wird. Staats-Anleihe ist Bezeichnung dafür, dass der Staat sich (zum Bespiel von der EZB) Geld leiht. Also nicht die EZB "kauft" Staats-Anleihen, sondern verleiht Geld, verkauft den Gebrauch von Geld, an den Staat, der es gebraucht und es nach einer Frist plus Mehr-Geld zurückgeben muss. Als Sicherheit übergibt er dem Verleiher, der EZB, ein auf diese Menge Geld lautendes Papier, das diesen "Wert" habe. Dass dieses auf Geld lautende Papier als "Staatsanleihe" bezeichnet wird, verschleiert die Fragwürdigkeit seines "Wertes". Und dass die EZB "Staatsanleihen kaufe" (übrigens ohne zu bezahlen) verschleiert die weitere Verschuldung des Staates durch den Gebrauch ihm nicht gehörenden Geldes.

Alle Kommentare lesen
weitere Fotostrecken

Blogs

Flattern auf der Stelle
Flattern auf der Stelle

Die SPD feiert pompös 150 Jahre Vergangenheit – und hat keine Zukunft, weil sie sich erst vergessen und dann selbst...

Das Aktuelle Heft

Wirtschaftswoche

WirtschaftsWoche 21 vom 18.05.2013

iTunes Vorschau - WirtschaftsWoche

    Folgen Sie uns im Social Web

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.