Post aus Harvard: Europas Einfluss in der Welt sinkt

kolumnePost aus Harvard: Europas Einfluss in der Welt sinkt

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Von der Gemeinschaftswährung hat Europa viel erwartet. Nun herrscht die Krise

Kolumne von Martin S. Feldstein

Frankreich wollte den Euro ursprünglich nutzen, um seine eigene weltpolitische Macht zu mehren. Das ist schiefgelaufen. Die für Ökonomen von Anfang an sichtbaren Schwächen der europäischen Gemeinschaftswährung führen heute innerhalb Europas zu Verwerfungen und Konflikten. Europas Einfluss in der Welt sinkt ­ und Frankreichs Einfluss in Europa ebenfalls.

Die Krise in der Euro-Zone ist auch das Ergebnis des fortdauernden Versuchs Frankreich, sein so genanntes „europäisches Projekt” zu verwirklichen. Diese Politik mit dem Ziel der politischen Vereinigung begann nach dem Zweiten Weltkrieg; damals schlugen zwei führende französische Politiker, Jean Monnet und Robert Schuman, die Gründung der Vereinigten Staaten von Europa vor. Sie glaubten, eine politische Union – konstruiert so ähnlich wie die USA – würde Konflikte jener Art verhindern, die in Europa zu großen Kriegen geführt hatten. Außerdem würde eine europäische politische Union den Kontinent zu einer Großmacht machen, die sich mit den USA messen könnte. Frankreich mit seinem hoch qualifizierten diplomatischen Dienst würde auf diese Weise eine wichtige Rolle innerhalb Europas und weltweit sichern.

Der Traum von Monnet und Schuman führte zum Vertrag von Rom und später zur Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft. Die Gründung der EWG hatte positive wirtschaftliche Auswirkungen, führte aber nicht zu einem Rückgang der Identifikation der Bürger mit ihrem jeweiligen Nationalstaat oder zu einem Gefühl von europäischer Einheit. Das war dann das Ziel des Vertrags von Maastricht 1992, der die Europäische Union begründete.

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Großen Einfluss hatte die Studie „Ein Markt, ein Geld“, die 1990 von einer Gruppe unter Führung des früheren französischen Finanzministers Jacques Delors veröffentlicht wurde. Sie forderte die Schaffung einer gemeinsamen Währung und stützte sich dabei auf das ­ trügerische - Argument, nur so könne der Binnenmarkt gut funktionieren. Realistischer war da das Argument von Anhängern einer Gemeinschaftswährung, das neue Geld würde die Menschen dazu bringen, sich als Europäer zu identifizieren; daneben würde der Übergang zu einer einheitlichen Europäischen Zentralbank zum Vorboten einer Machtverschiebung weg von den einzelnen Nationalstaaten.   

Euro als Gegenleistung für die Wiedervereinigung

Deutschland wehrte sich zunächst gegen den Euro mit der Begründung, zuerst solle die vollständige politische Union realisiert werden. Da viele andere Länder eine politische Union nicht akzeptierten, erschien der deutsche Standpunkt als taktische Position zur Verhinderung der Gemeinschaftswährung. Deutschland war unwillig, die D-Mark aufzugeben, die zu einem Symbol der deutschen Wirtschaftsmacht und Preisstabilität geworden war. Die Deutschen stimmten der Schaffung des Euro erst zu, als der französische Staatspräsident François Mitterrand dies zur Vorbedingung für Frankreichs Zustimmung zur Wiedervereinigung Deutschlands gemacht hatte.

Darüber hinaus wurde unter dem Druck Frankreichs eine Vorschrift des Vertrags von Maastricht gelockert. Danach dürfen Staaten nur dann der Euro-Zone beitreten, wenn ihre Staatsschuld weniger als 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts beträgt. Frankreich setze durch, dass auch Länder aufgenommen werden konnten, die sich dem Anschein nach in Richtung dieses Ziels „entwickelten“. Diese Veränderung erlaubte die Aufnahme Griechenlands, Spaniens und Italiens.

Die pro-europäischen Politiker kümmerten sich nicht um die Warnung von Volkswirten, dass die Einführung einer gemeinsamen Währung in einem Dutzend verschiedenartiger Länder notwendigerweise ernste wirtschaftliche Schwierigkeiten hervorrufen würde. Die Politiker erachteten die wirtschaftlichen Risiken in Anbetracht ihres Ziels der politischen Einigung als irrelevant.  

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