Präsident liegt zurück : Prognose sagt Stichwahl in Polen voraus

Präsident liegt zurück : Prognose sagt Stichwahl in Polen voraus

Umfragen vor der Wahl ließen eine zweite Amtszeit von Staatschef Bronislaw Komorowski erwarten. Doch nach der ersten Runde ist offenbar alles offen. Die Stichwahl folgt in zwei Wochen. Bis dahin liegt einige Arbeit vor dem Amtsinhaber.

Die erste Runde der Präsidentschaftswahl in Polen hat einer Prognose zufolge mit dem nationalkonservativen Kandidaten Andrzej Duda einen Überraschungssieger gefunden. Bewahrheiten sich die Werte der Wählerbefragung, kommt es am 24. Mai zu einer Stichwahl mit dem amtierenden Staatsoberhaupt Bronislaw Komorowski. Dieser war als haushoher Favorit in die Wahl gegangen. Eine Stichwahl war jedoch erwartet worden.

Die Prognose sagt 34,5 Prozent der Stimmen für Duda voraus. Komorowski landet demnach mit 33,1 Prozent nur auf Rang zwei. Der Amtsinhaber nannte das Ergebnis eine ernste Warnung an alle, die ein „vernünftiges Polen“ wollten. Die Wählerbefragung wurde von dem Meinungsinstitut Ipsos durchgeführt und am Sonntagabend von dem privaten Fernsehsender TVN24 sowie der staatlichen Nachrichtenagentur PAP veröffentlicht. Sie beruht auf Umfragen nach der Stimmabgabe.

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Das Auszählungsergebnis des ersten Wahlgangs wird erst für Montagabend oder Dienstag erwartet. Insgesamt waren elf Bewerber angetreten. 30,2 Millionen Polen waren stimmberechtigt. Die Beteiligung lag jedoch laut Prognose bei nur 48,8 Prozent.

Länderportrait Polens schwieriger Weg zum Euro

Seit zehn Jahren gehört Polen zur EU und hat wirtschaftlich ordentlich aufgeholt. Nun wird es Zeit, auch den Euro einzuführen, findet Regierungschef Donald Tusk. Doch die Meinungen im Land gehen auseinander.

Quelle: Marcel Stahn für WirtschaftsWoche

Der strahlende Duda, Kandidat der nationalistischen Partei Recht und Gerechtigkeit, sagte, ein Wechsel an der Spitze des Staates sei nötig, um „ein würdiges Leben in einem sicheren Polen“ zu garantieren. Das Land müsse in vielerlei Hinsicht repariert werden. „Wir werden gewinnen“, war er sich sicher.

Komorowski ist der Kandidat der Regierungspartei Bürgerplattform. Er gewann 2010 die Wahl und kam ins Amt, nachdem sein Vorgänger Lech Kaczysnki bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen war. Der 62-jährige Amtsinhaber galt eigentlich als beliebt. In Umfragen vor der Wahl kam er auf 40 Prozent Zustimmung.

Die Prognose deutet allerdings auf eine wachsende Unzufriedenheit mit dem proeuropäischen Kurs der Führung in Warschau hin - Duda gilt im Gegensatz dazu nicht gerade als Fan der Europäischen Union. Der Verdruss der Wähler wird auch dadurch unterstrichen, dass mit Pawel Kukiz ein weiterer Kandidat überraschend gut abschnitt, der gegen die Politik der Regierung und das politische Establishment an sich ist. Der frühere Punkrocker kommt der Befragung zufolge auf 20,5 Prozent. Die ehemalige Schauspielerin und TV-Moderatorin Magdalena Ogorek erhielt bloß 2,4 Prozent.

Wissenswertes über Polen

  • Für Gäste nur das Beste

    Nicht selten kommt es in Polen vor, dass zum gemeinsamen Abendessen auch mal ein Wodka serviert wird. Aber keine Sorge, wer als Ausländer nicht gerne starken Alkohol trinken möchte, kann auch zu einem Bier greifen. Das gibt es in Polen in allen Varianten und Geschmacksrichtungen, zum Beispiel gemixt mit süßem Sirup.

  • Gibt es in Polen Bären?

    Nicht nur die. In dem osteuropäischen Land gibt es EU-weit die meisten verschiedenen Pflanzen- und Tierarten, die aus anderen Teilen Europas zum Teil schon lange verdrängt wurden. Nicht nur der Braunbär und der Wolf sagen sich hier gute Nacht, sondern auch der Luchs, der Elch, der Biber und das Wisent.

  • Ich küsse Ihre Hand, Madame

    Auch wenn es langsam aus der Mode kommt: Der Handkuss ist in Polen eine weit verbreitete Begrüßung für die Damen. Selbst eingefleischte Vertreter der Emanzipation werden bei dieser altmodischen Geste nicht protestieren, sondern den Handkuss in bester Manier graziös und mit der Handinnenseite zum Boden entgegennehmen.

  • Polnische Sprache - schwere Sprache

    Kaum eine Sprache ist so kompliziert wie die polnische. Allein die Aussprache des Worts "czesc" (hallo) birgt so seine Tücken. Wer fröhlich seine Arbeitskollegen grüßen will, könnte bei falscher Aussprache Verwirrung hervorrufen. Denn anders ausgesprochen bedeutet das Wort "sechs". Kein Wunder, dass Polen ausländische Besucher gerne aufziehen.

  • Verrückter Hund

    In Polen steppt der Bär und der Hund wird verrückt. "Wscikle pies", der verrückte Hund, nennt sich ein beliebter Shot in Polen. Er besteht aus Vodka, Himbeersirup und - tatsächlich - Tabasco. Da spielt nicht nur der Gaumen erst einmal verrückt, sondern schnell auch der Kopf.

  • Weltmeister des Staus

    In Polen gibt es weniger Auto als im Westen. Um jedoch in allen größeren Städten gigantische Staus zu verursachen, reichen sie aber allemal. Deshalb sollte man für Fahrten in polnischen Innenstädten lieber viel Zeit mitbringen. Das Problem wird dadurch noch verstärkt, dass jeder Lkw, der zwischen Ost- und Westeuropa verkehrt, durch Polen fährt.

  • Welche Polen sind weltbekannt?

    Papst Johannes Paul II ist der wohl berühmteste Pole. Der Begründer der modernen Astronomie, Nikolaus Kopernikus, ist jedem ein Begriff, genauso wie die Chemikerin Marie Curie, die das radioaktive Element Radium entdeckte. Auch kulturell kann Polen mit Berühmtheiten aufwarten: der romantische Komponist Frédéric Chopin, der Science-Fiction Autor Stanislaw Lem, sowie der Regisseur und Oscar-Preisträger Roman Polanski stammen aus Polen.

Die Ergebnisse der Prognose bedeuteten, dass Komorowski in „gigantischen Schwierigkeiten“ stecke und vor der Stichwahl sehr hart ums politische Überleben kämpfen müsse, sagte der Politexperte Antoni Dudek. Er habe zum einen alle Entscheidungen seiner Partei verteidigt und sich niemals dagegen ausgesprochen, andererseits aber auch einen schwachen Wahlkampfstart hingelegt und seine Konkurrenz unterschätzt. Duda könnte sich durch die Unterstützung der Kukiz-Wähler eine Mehrheit sichern, mutmaßte Dudek.

So geht es dem polnischen Außenhandel

  • Einfuhr nach Polen

    Die Nase vorne im Außenhandel mit Polen hat Deutschland. 21 Prozent des gesamten polnischen Außenhandels macht der Import aus Deutschland aus, 2013 waren das knapp 30,7 Milliarde Euro. Die nächstgrößeren Ursprungsländer sind Russland (12 Prozent und 17,6 Milliarden Euro) und China (Neun Prozent und 13,5 Milliarden Euro).

  • Ausfuhr aus Polen

    Polen exportiert den Großteil seiner Produkte nach Deutschland. 25 Prozent der polnischen Exporte gehen nach Deutschland. 2013 brachte das gut 35,4 Milliarden Euro. An zweiter und dritter Stelle im Ranking der beliebten Exportländer Polens stehen Großbritannien (sechs Prozent und 9,2 Mrd. Euro) und Tschechien (sechs Prozent und 8,7 Mrd. Euro). Generell haben Ein- und Ausfuhr durch die Globalisierungsprozesse in den letzten Jahren deutlich zugenommen

Dudas Partei Recht und Gerechtigkeit wird von Jaroslaw Kaczynski geführt - dem Zwillingsbruder des verunglückten Präsidenten. Der Konservative beruft sich häufig auf den verstorbenen polnischen Papst Johannes Paul II., im Wahlkampf bezog er unter anderem Position gegen künstliche Befruchtung. Wie Komorowskis Bürgerplattform spricht sich auch Dudas Partei im Konflikt in der benachbarten Ukraine gegen Russland aus.

Der Staatspräsident hat in Polen weitgehend repräsentative Funktionen. Die eigentliche Macht liegt bei der vom Ministerpräsidenten geführten Regierung. Doch ist der Staatschef offiziell oberster Befehlshaber und kann mit seinem Veto Gesetze blockieren. Die Präsidentschaftswahl gilt auch als Test für die Parlamentswahl im Herbst.

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