Nicolas Sarkozy – der verbauchte Präsident
Eigentlich muss man Nicolas Sarkozy bewundern. Er hat eine schon entschiedene Wahl noch einmal spannend gemacht und in den Umfragen rund acht Prozent aufgeholt. Allein: Nutzen wird es ihm kaum, da ihm im zweiten Wahlgang zu viele Stimmen fehlen. Sein Problem ist die mangelnde Zustimmung der Wähler des rechtsextremen Front National, die ihm vor fünf Jahren zum Sieg verhalfen. Eine letzte Hoffnung wären noch die Anhänger des Kandidaten François Bayrou. Der aber hält sich offen, ob er dazu aufrufen wird, Sarkozy im zweiten Wahlgang zu unterstützen.
Sarkozy gibt sich derweil überzeugt, dass Frankreich im zweiten Wahlgang am 6. Mai „eine riesige Überraschung erleben wird“ – nämlich seine Wiederwahl. Warum er da so sicher ist? Das sage ihm sein Gespür, hat Sarkozy verlauten lassen. Was ihm sein politischer Instinkt im Moment nicht verrät: Eine Mehrheit der Franzosen ist von seinem Regierungsstil und von seiner Bilanz enttäuscht. Sie wollen den Wechsel.
Außerdem wirkte Sarkozys Wahlkampf in den vergangenen Wochen zunehmend konfus und verzweifelt. Jeden Tag preschte er mit neuen Vorschlägen für Reformen vor, die in der Nachrichtenflut vom Wähler entweder nicht wahrgenommen wurden oder sich als plumpes Manöver zum Stimmenfang entpuppten. So kupferte Sarkozy einen Vorschlag Hollandes ab, die Mietsteigerungen zu drosseln.
Dass Sarkozy während seiner Amtszeit durchaus wichtige Reformen angeschoben und Frankreich vor einer noch größeren Wirtschaftskrise bewahrt hat, konnte er im Wahlkampf kaum für sich nutzen. Immerhin: Nach fünf Jahren im Amt sei Sarkozy emotional von „präpubertären Jugendlichen“ zu einem „jungen Mann“ gereift, schrieb ein Le Monde-Journalist kürzlich. Eigentlich wollte Sarkozy sowieso nur eine Amtszeit dienen, hatte er vor fünf Jahren gesagt. „Danach gehe ich in die Wirtschaft und mache richtig Kohle.“ Die Möglichkeit dazu könnte er bald bekommen.