Inflation in der Eurozone bleibt schwach

Preissteigerung in der Eurozone: Inflation bleibt trotz Geldflut unter EZB-Zielmarke

, aktualisiert 29. September 2017, 14:18 Uhr

Der Inflationsdruck im Euro-Raum bleibt im September hinter den Erwartungen zurück. Die Verbraucherpreise stiegen um 1,5 Prozent und damit geringer als von Ökonomen prognostiziert.

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Inflation in der Eurozone bleibt schwach

Trotz anhaltender Geldflut ist die EZB dem Ziel einer Teuerung von knapp zwei Prozent im September kein Stück näher gekommen. Die Verbraucherpreise stiegen nur um 1,5 Prozent zum Vorjahresmonat und damit genauso stark wie im August. Das geht aus den am Freitag veröffentlichten Daten des Statistikamts Eurostat hervor. Der Preisauftrieb kommt damit just zu einer Zeit ins Stocken, in der die Währungshüter über die Zukunft des billionenschweren Anleihekaufprogramms nachdenken: Es gilt als schärfstes Schwert im Kampf gegen die niedrige Inflation. Im EZB-Rat gibt es laut Insidern eine Kontroverse, ob angesichts des Aufschwungs im Euroraum ein Enddatum für die Käufe festgelegt oder nur der monatliche Umfang verringert werden soll.

Laut EZB-Chefvolkswirt Peter Praet muss der Rat bei einer Normalisierung der Geldpolitik vorsichtig vorgehen, um keine Überreaktion der Märkte zu riskieren. "Die EZB braucht viel Geduld bei der Inflation", meint Commerzbank-Ökonom Christoph Weil. Ein nachhaltig höherer Preisauftrieb sei angesichts der nur verhalten steigenden Löhne nicht zu erwarten. "Darüber hinaus wird die Aufwertung des Euro mit zeitlicher Verzögerung auch den Anstieg der Preise für Waren außerhalb des Energiesektors bremsen."

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Inflation Quelle: dpa

Die Allianz-Expertin Claudia Broyer weist allerdings daraufhin, dass die Inflation bei Dienstleistungen "markant" höher liege als jene bei industriellen Gütern außerhalb des Energiesektors: "Dies zeigt, dass in der Weltwirtschaft nach wie vor preisdämpfende Kräfte wirken. Demgegenüber stellt sich im mehr binnenwirtschaftlich beeinflussten Servicebereich eine Normalisierung der Preisentwicklung ein." Dies alles spreche für die Rückkehr in ein "gesundes Preisumfeld" im Euroraum: "Damit kann sich die EZB durchaus zufrieden geben, auch wenn ihre Zielvorgabe noch nicht ganz erreicht ist", so Broyer.

Zuletzt hatte EZB-Vizechef Vitor Constancio eingeräumt, dass die für Aufschwungzeiten erstaunlich niedrige Inflation den Währungshütern "Rätsel" aufgebe. Experten machen für den gedämpften Preisauftrieb auch die Folgen der Globalisierung und Digitalisierung verantwortlich: Dadurch drängen Billigimporte aus Schwellen- und Entwicklungsländern auf den Markt. Zudem drückt die weit verbreitete Gratis-Kultur im Internet auf die Inflation.

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Laut Prognosen der EZB-Fachleute wird die Notenbank ihr Inflationsziel trotz der Anschubhilfe durch die große Geldflut bis zum Ende des Jahrzehnts nicht erreichen. Sie erwirbt derzeit Monat für Monat Staatsanleihen und andere Wertpapiere im Volumen von 60 Milliarden Euro. Den bisherigen Planungen zufolge sollen die auf 2,3 Billionen Euro angelegten Käufe bis Ende des Jahres laufen.

EZB-Chef Mario Draghi hat für Oktober eine Weichenstellung zur Zukunft des Programms signalisiert. Die führenden deutschen Forschungsinstitute erwarten, dass die EZB die Käufe 2018 binnen neun Monaten auslaufen lassen wird.

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