Produktwerbung: Spanien schmückt sich gern mit Deutschland

Produktwerbung: Spanien schmückt sich gern mit Deutschland

Seit Ausbruch der Finanzkrise versucht Spanien, das Label "made in Spain" zu stärken. Weil das wenig bringt, gehen viele den einfacheren Weg: Sie schmücken sich mit dem Label "made in Germany".

Für Antonio del Olmo ist Deutschland in jeder Hinsicht ein Vorbild.  Der 50-Jährige schämt sich, dass die Spanier so wenige der "deutschen Tugenden" praktizieren: "Bei uns geht es immer nur ums schnelle Geld."

Weil del Olmo einen anderen Weg einschlagen wollte, setzte er die deutsche Flagge in sein Firmenlogo. Und auch beim Firmennamen wollte er sich von seinem Land absetzen: "The Singular Kitchen", nannte er seinen 2004 gegründeten Küchenausstatter.

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"Wir wollten uns absetzen von dem schlechten Image, das spanische Dienstleister in diesem Bereich hatten. Da wir viele deutsche Produkte verwenden, war klar, dass wir damit auch auftrumpfen müssen", sagt er. "Deutsche Technik ist sinnbildlich für Exzellenz" - damit wirbt der Spanier deswegen schon auf seiner Webseite, von Spanien ist dort nichts zu lesen. Mit Erfolg: Viele Spanier glauben, dass die Firma deutsch ist.

"The Singular Kitchen" ist nicht das einzige Unternehmen in Spanien, das diesen Trick anwendet, um Aufmerksamkeit im heimischen Markt zu gewinnen. Es gibt unter anderem die Möbellinie "Muebles Köln Internacional" oder die erfolgreiche Sportschuh-Firma "Zapatos Munich". Letztere verkaufen bei ihren Schuhen auch deutsches Design.

Schuldenkrise Spanien steuert in eine Zwei-Klassengesellschaft

Spanien erholt sich wirtschaftlich nur langsam. Es gibt allerdings noch ein anderes Problem: Die seit 2008 andauernde Liquiditätskrise der Wirtschaft hat das Problem der Zwei-Klassengesellschaft verschärft.

Quelle: Marcel Stahn für WirtschaftsWoche

Die Moral der Spanier ist aufgrund immer neuer Korruptionsskandale im eigenen Land am Boden. Daher hat diese Strategie, die man auch bei Spots im TV und Radio immer wieder hört und sieht, durchaus Erfolg. "Deutsche Technologie", "deutsches Ingenieurwissen" oder "deutsches Design" - solche Floskeln werden immer wieder als Teaser benutzt.

Es gebe eine Tendenz, Produkte anderer Länder höher einzuschätzen, sagt Maria Angeles Iglesias. Sie arbeitet für eine Regierungsinitiative, die das Images des Landes verbessern will.

Ob del Olmo zur Verbesserung des Images seines Landes beiträgt, ist fragwürdig. Doch der Erfolg bei den eigenen Landsleute ist ihm sicher. "The Singular Kitchen" ist in Spanien inzwischen Marktführer bei Qualitätsküchen. Die 42 Filialen setzten in 2013 rund 22 Millionen Euro um. Es ist zudem eines der wenigen Unternehmen, das derzeit Arbeitsplätze schafft statt abbaut. In 2015 will er nach Lateinamerika expandieren.

Auch wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel in den vergangenen Jahren in Spanien viel Unmut auf sich gezogen hat. "Deutsches Know-How zieht immer noch", sagt der Elektroingenieur Fernando Rodríguez, der vor allem das Ausbildungssystem und die großen industriellen Marken wie Bosch und Siemens bewundert. "Würden wir uns mehr an den deutschen Tugenden orientieren, ginge es uns besser", glaubt er. So wie er sehnen sich in diesen Tagen viele die Zeiten vor dem Boom zurück.

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