Proteste im EU-Land: Bulgarien hat genug von der Mafia

Proteste im EU-Land: Bulgarien hat genug von der Mafia

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Anders als im Februar diesen Jahres geht es bei den Protesten in Bulgarien nicht um zu hohe Strompreise, sondern um mehr Mitsprache, Medienfreiheit und den Kampf gegen die Korruption.

von Matthias Kamp

Anders als im Februar demonstriert in Sofia dieses Mal die neue Mittelschicht: Intellektuelle, Künstler und Studenten. Es geht nicht um zu hohe Strompreise, sondern um mehr Mitsprache, Medienfreiheit und den Kampf gegen die Korruption. Die Protestler stellen die Systemfrage.

Sie haben Trommeln, Trillerpfeifen und bunte Transparente mitgebracht. "Mafia raus" und "Bulgaren wacht auf", steht auf den Pappschildern. Einige Demonstranten haben einen schwarz angemalten Sarg in die Innenstadt von Sofia getragen. Hier beerdigen sie symbolisch die Demokratie. Ihre ultimative Forderung rufen sie immer wieder lauthals in den Abendhimmel, dazu die Arme gereckt: "Rücktritt", fordern sie von der bulgarischen Regierung.

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Seit 41 Tagen demonstrieren sie jeden Abend. Vom Ministerrat, dem Sitz der Regierung, ziehen die Demonstranten dann über das gelbe Kopfsteinpflaster in Richtung Parlament. Es sind junge Leute, Familien, Studenten, Selbstständige, Künstler und Musiker: In Sofia demonstriert die Mittelschicht. Mal kommen 3.000 Leute, mal kommen 30.000. Einige haben vor dem Parlamentsgebäude ein kleines Zeltlager aufgeschlagen. Bis zur Nacht von Dienstag auf Mittwoch verliefen die Proteste friedlich. Doch gestern in den frühen Morgenstunden kam es zu Rangeleien zwischen Demonstranten und der Polizei. Es gab Verletzte, Scheiben gingen zu Bruch.

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Quelle: dpa

Im Februar zogen Bulgariens wirtschaftlich Abgehängte, die Arbeitslosen und einkommensschwachen Bürger durch die Innenstadt und protestierten gegen zu hohe Strompreise. Dieses Mal geht es den Protestlern um Werte. Sie wehren sich gegen die überkommenen Strukturen der Vor-Wende-Zeit im Land, gegen die Verbandelung der Oligarchen mit den Regierenden. Sie haben genug davon, dass manche Unternehmer sich nicht an Umweltvorschriften halten müssen oder Bauland zu Spottpreisen bekommen, nur weil sie gute Verbindungen in die Politik haben. Die Bulgaren versuchen jetzt das nachzuholen, was Polen und Tschechen schon in den frühen Neunzigerjahren erledigt haben. "Wir sind eine Fassadendemokratie", sagt der Aktivist Dragomir Ivanov, "vordergründig gehören wir zur EU, zum Club der Reichen, aber unter der Oberfläche wirken noch die alten Mechanismen."

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